Afrika ist Abenteuer – das erfuhren wir bei unseren beiden bisherigen Trips am eigenen Leib: In Kenia war unser Flughafen-Transfer nach Mombasa vergessen worden, was eine Fahrt mit einem zwielichtigen und irgendwie verwirrt-aufgeputscht wirkenden Fahrer zu Folge hatte, der seine vermeintliche Auftraggeberin gar nicht kannte. Und in Südafrika strandeten wir zu Beginn der Corona-Pandemie im März 2020. Glücklicherweise nur für einen Tag, denn die Lufthansa sorgte umgehend für Ersatz, sodass sich der Aufenthalt in Kapstadt unfreiwillig lediglich um 15 Stunden verlängerte. Da erwischte es andere bekanntermaßen deutlich übler.

Südafrika statt Namibia

Gerade für das Abenteuerliche, Unbekannte, Abwechslungsreiche, für all die tollen Kontraste, lieben wir den afrikanischen Kontinent bzw. das bisschen, was wir davon sehen durften. Deshalb zog es uns auch jetzt wieder dorthin. Ursprünglich wollten wir nach Namibia. Doch das zerschlug sich kurzfristig, sodass wir auf eine zweite Südafrika-Tour umsattelten. Nachdem wir beim ersten Mal 16 Tage lang Kapstadt, die Garden Route und den Addo National Park erkundeten, wollten wir diesmal abseits der ausgetretenen Touristenpfade unterwegs sein.

Abseits der ausgetretenen Pfade

Vom 22. Oktober bis zum 6. November 2021 – also im südafrikanischen Frühling – fuhren wir quer durch das Land: Wir starteten in Johannesburg und bewegen uns über die nördlichen Drakensberge und die Karoo Halbwüste in Richtung Westküste. An der Garden Route legten wir nur einen kurzen Zwischenstopp ein und holten einige Dinge nach, die wir beim ersten Mal nicht geschafft hatten. Ein Schwerpunkt lag auf der Tier-Beobachtung. Wir besuchten erstmals Private Game Reserves und wandelten u.a. auf den Spuren der afrikanischen Tiger. Was? Tiger in Afrika? Richtig! Es gibt nahe Philippolis ein Artenschutzprojekt, welches wir uns näher anschauen wollten. Doch nun hinein in den Südafrika-Roadtrip 2021.

Die Route

Do, 21.10. Hinflug Frankfurt – Johannesburg

Fr, 22.10. Ankunft, Übernachtung in Heidelberg

Sa, 23.10. Drakensberge (Berghouse & Cottages, Royal Natal NP)

So, 24.10. Drakensberge (Berghouse & Cottages, Royal Natal NP)

Mo, 25.10. Golden Gate Highlands NP, Übernachtung in Bloemfontein

Di, 26.10. Tiger Canyon Game Reserve

Mi, 27.10. Mountain Zebra National Park

Do, 28.10. Mountain Zebra National Park mit Cheetah Tracking

Fr, 29.10. Mountain Zebra National Park

Sa, 30.10. Valley of Desolation, Brenton-on-Sea

So, 31.10. Brenton-on-Sea, Knysna, Keurboomstrand

Mo, 1.11. Goukamma, Buffels Bay, Oudtshoorn

Di, 2.11. Erdmännchen-Tour, Gondwana Game Reserve

Mi, 3.11. Gondwana Game Reserve

Do, 4.11. Langebaan-Lagune, Paternoster

Fr, 5.11. Paternoster

Sa, 6.11. Bloubergstrand, Rückflug ab Kapstadt

Erst galt es jedoch, einen PCR-Test durchzuführen. Hierfür mussten wir extra nach Frankfurt fahren, weil die Test-Infrastruktur in unserer ländlichen Region bereits soweit zurückgefahren war, dass PCR-Tests nicht mehr für Reisezwecke angeboten wurden. Egal, Afrika ist die Mühe wert! Außerdem konnten wir so noch einen Besuch bei Hooters einschieben und den noch offenen „Fried Pickles“-Gutschein einlösen. Glücklicherweise passte schließlich auch noch das Testergebnis.

Hürde Nummer zwei war das Wetter: In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag setzten Sturm und Starkregen ein, die den Bahnverkehr teilweise zum Erliegen brachten. Die A5 war zeitweise gesperrt und am Vormittag wurden einige Flüge gestrichen. Unserer war zum Glück nicht betroffen, sodass wir nach einem langen Arbeitstag pünktlich um 22 Uhr abheben konnten. Spannend war es also wieder bis zum letzten Moment, aber etwas Abenteuer gehört für uns offenbar rund um Flüge von und nach Afrika dazu – sei es in Form einer chaotischen Taxi-Odyssee mit dubiosem Fahrer zum Flughafen von Mombasa im November 2018 oder der Corona-bedingten Stornierung des Rückflugs in Kapstadt im März 2020.

Doch sei`s drum! Am Flughafen ging – auch dank der neuen Self-Service-Gepäckschalter und wenig Betrieb – alles superschnell, sodass wir dank des einkalkulierten, aber ausbleibenden Staus viel zu früh dran waren. So vertrieben wir uns die drei Stunden bis zum Abflug mit Lesen und genossen das Gefühl, für die nächsten 16 Tage Europa hinter uns zu lassen. Der Flug verlief sehr ruhig und angenehm. Das lag auch daran, dass Afrika-Reisende ein ganz anderer Menschenschlag sind als Karibik-Urlauber. Es kamen gute Unterhaltungen über bisherige und vor uns liegende Erfahrungen zustande und niemand trank Alkohol in größeren Mengen oder rauchte an Bord. Auch die Einreise gestaltete sich reibungslos: Wir landeten um 8.30 Uhr in Johannesburg und waren bereits um 10 Uhr auf der Autobahn in Richtung Süden. An dieser Stelle sei angemerkt, dass sich alle vorherigen Bedenken, die Orientierung rund um den Airport falle besonders schwer, zerstreuten. Auch begegneten uns ausschließlich nette Menschen und wir hatten nie ein unsicheres Gefühl – egal ob am Geldautomat, am Gepäckschalter oder bei der Mietwagenübernahme. Wir erwähnen das nur, weil man im Vorfeld so einiges an Horrorgeschichten hört und liest. Es kann sein, dass der ein oder andere Pech hatte, aber unsere Erfahrung war eine gänzlich andere.

Kuriose Begegnung auf der Autobahn kurz nach Verlassen des Flughafens von Johannesburg.

Die Orientierung auf den Linksverkehr fiel uns diesmal überhaupt nicht schwer – abgesehen von der gelegentlichen Verwechselung von Blinker und Scheibenwischer. So kamen wir gegen 11 Uhr recht entspannt in Heidelberg an. Eigentlich viel zu früh für den Check-in, doch die netten Damen der Heidelberg Kloof Lodge hatten unsere Villa bereits präpariert und ließen uns freundlicherweise bereits hinein. Wir erhielten die Wohneinheit mit direktem Blick aufs Wasserloch, was zum Ankommen einfach perfekt war. Bei 28 Grad genossen wir die Sonne, ließen uns von Mungos und Vögeln begrüßen und kamen ein wenig zur Ruhe. Am Mittag steuerten wir die nahegelegene Mall an, deckten uns mit Einkäufen für die ersten Tage ein und aßen in Sausalitos Spur leckere Burger. Für zwei Burger mit Pommes sowie drei Cola zahlten wir inklusive Trinkgeld rund 20 €. Toll war die Freundlichkeit der Kellnerin, die uns auch noch eine Kollegin vorstellte, die für sechs Wochen in Deutschland gewesen war. Nette Begegnungen und ein schöner Start in den Urlaub! Anschließend zogen wir uns in das Zimmer zurück, lasen, schliefen und ruhten uns ein wenig aus. Denn am nächsten Morgen sollte es in die Drakensberge gehen und wir wollten fit für anstehende Wanderungen sein.

Unser Zimmer in der Heidelberg Kloof Lodge mit Blick auf das Wasserloch. Perfekt zum Ankommen in Südafrika.
Und andersherum: Das Haus vom Wasserloch aus.

Auf dem Dach Südafrikas

Mit Blick auf die durchwachsene Wettervorhersage machten wir uns nach einem sehr leckeren Frühstück recht zeitig auf den dreieinhalbstündigen Weg in die Drakensberge. Erstes Ziel war der Royal Natal Nationalpark, wo wir gegen Mittag ankamen. Der Weg führte zunächst für zwei Stunden über die sehr gut ausgebaute N3 in Richtung Durban. Kurz nach Harrismith ging es auf die R74, die sich ebenfalls in exzellentem Zustand befand. Schön war die Fahrt entlang des riesigen Sterkfontein Dam und über den Oliviershook Pass mit sehr schönen Aussichten. Dort oben besteht am Little Switzerland Ressort die letzte Möglichkeit zum Tanken und für kleine Einkäufe. Die Restdauer bis zu unserem Ziel, dem Visitor Center des Royal Natal NP, betrug von hier rund 30 Minuten. Zumeist führte der Weg durch kleine Siedlungen, in denen viele Menschen und Tiere auf der Straße unterwegs waren, sodass wir recht langsam fuhren. Auch eine erste Pavianfamilie trafen wir bei der Abfahrt der Passstraße. Am Ziel angekommen, gingen wir das Risiko ein, unsere Koffer im Auto zu lassen (natürlich außer Sicht) und eine erste Wanderung zu unternehmen. Denn zum Einchecken war es zu früh und wir wollten den einzigen sonnig gemeldeten Tag nicht verschenken.

Wunderschöne, saftig-grüne Landschaften im Royal Natal Nationalpark in den nördlichen Drakensbergen.

Der Eintrittspreis war mit rund 8 € für zwei Personen sehr moderat. Wir entschieden uns zum Start für einen kurzen Trail namens „Cascades and the McKinley Pools“. Weil dieser aber bis zu den Pools größtenteils asphaltiert war und hier zudem viele Menschen – darunter laute südafrikanische Großfamilien – unterwegs waren, erweiterten wir unsere Tour um 8 km und viele Höhenmeter und nahmen den Loop hinauf zu den „Tiger Falls“ mit.

Auch wenn wir die Menschenmengen auf diesem Foto gut ausgeklammert haben – es war wirklich laut hier!

Diese Entscheidung stellte sich als goldrichtig heraus. Nicht nur, dass wir die gesamte Strecke lediglich mit zwei Mädels aus den USA sowie einem Trio aus Einheimischen teilten – es war auch wunderbar sonnig und warm. Die Folge waren unzählige Bilder und ein erster Sonnenbrand. Dazu kam zumindest für Boris eine fiese Blase an der Ferse, denn die nagelneuen Wanderschuhe kamen hier erstmals zum Einsatz. Memo an mich: Das nächste Mal also besser wieder vorher ein wenig einlaufen und/oder Wandersocken anziehen…

Typische Felsformation auf dem Hike zu den Tiger Falls.
Wer fleißig bergauf läuft wird mit tollen Blicken belohnt.

Am späten Nachmittag kehrten wir dem Park den Rücken und fuhren zu unserer zweiten Unterkunft, dem „Berghouse & Cottages“. Die Farm liegt etwa 20 Minuten vom Nationalpark entfernt und erhebt sich über den Ort Langkloof. Sie ist nur über eine 3 km lange, teilweise steile, aber auch ohne Allrad-Fahrzeug recht einfach zu meisternde Schotterpiste erreichbar und bietet eine fantastische Panoramasicht auf die Gipfel der Drakensberge. Irgendwie erinnerte uns der Anblick an das Auenland aus „Der Herr der Ringe“. Es ist nicht abwegig, dass Autor JRR Tolkien hier seine Inspiration gewann, ist er doch gebürtiger Südafrikaner. Außerdem soll er beim Kreieren des „Nebelgebirges“ die Drakensberge im Kopf gehabt haben. Warum also nicht die Ausläufer als „Auenland“ nutzen?

Wie im Auenland: Das Berghouse & Cottages am Rande des Royal Natal Nationalparks.
Unser kleines, gemütliches Cottage in den Bergen.

Doch zurück zur Unterkunft: Jeder Gast mietet ein eigenes, auf Selbstversorgung ausgelegtes Cottage. Das inbegriffene Frühstück ist sehr reichhaltig und schmackhaft. Es wird auf der eigenen Veranda serviert, auf der auch ein großer Steingrill steht. Ein Bündel Feuerholz ist im Preis inbegriffen, alles Weitere muss nachträglich bezahlt werden. In der Hütte gibt es einen ausreichend großen Kühlschrank mit Gefrierfach, eine Kochgelegenheit, einen großen Kamin, ein bequemes Doppelbett, ein großes Bad mit Dusche und Wanne sowie eine gemütliche Couch. Also alles was man braucht! Auf dem Gelände gibt es mehrere exponierte Sitzgelegenheiten mit Aussicht und einen schönen Rock-Pool, den wir aber nicht nutzten. Was wir jedoch nutzten, war das optional zubuchbare Abendessen. Denn außer dem „Tower of Pizza“ gibt es in direkter Nähe keinerlei Restaurants und wir hatten kein Grillfleisch dabei. Es war die richtige Entscheidung, wie sich herausstellte. Denn es war sehr reichhaltig und schmeckte wunderbar. Weil es auf der Veranda bald recht kalt war, flohen wir aber danach schnell ins warme Bett, lasen und schauten uns die Fotos vom ersten Tag an.

Das reichhaltige Abendessen wurde auf der Veranda unseres Cottages in den Drakensbergen serviert.

Der folgende Sonntagmorgen begrüßte uns mit Regen, Nebel und Temperaturen von nur 4 Grad. Das sorgte für eine Planänderung: Wir cancelten schweren Herzens den „Tugela Gorge“-Hike und zogen den Ausflug in den benachbarten „Golden Gate Highlands Nationalpark“ vor. Dies ist der nördlichste Teil der Gebirgskette. Der Eingang liegt 45 Minuten entfernt von den „Berghouse & Cottages“. Unsere spontane Entscheidung erwies sich als goldrichtig. Nach der Überquerung des Oliviershook-Passes änderte sich das Wetter schlagartig: Regen und Nebel waren wie weggeblasen und die Sonne lugte gelegentlich durch die Wolken. Genauso wie das Wetter änderte sich auch die Landschaft. Wir fühlten uns an unsere Tour durch den Südwesten der USA erinnert: Die Farben rot und gelb dominierten, bizarre Felsformationen und einige Canyons dominierten das Bild. Das Häuschen am Nationalpark-Eingang war unbesetzt, sodass wir erstmal nichts bezahlten und den Oribi-Loop sowie den Blesbok-Loop abfuhren. Beide sind landschaftlich reizvoll und boten uns die Möglichkeit, ein paar erste Antilopen und Gnus in der Ferne sowie Paviane aus der Nähe zu sichten.

Ausblick vom Oribi Loop über Teile des Golden Gate Highlands National Parks.
Das erste Tier, das wir nach den Mungos in Heidelberg zu Gesicht bekamen, war dieser Pavian.

Auf dem höchsten Punkt des Oribi-Loops gibt es eine Geier-Warte. Dort lagen einige tote Antilopen als Köder, die die mächtigen Aasfresser anlocken sollten. Wir hatten hier kein Glück und sahen die Geier selbst durch unser 600 mm Objektiv nur als kleine Punkte in fernen Felsen. Dafür trafen wir im „Bird Hide“ ein älteres Ehepaar aus Deutschland – die übrigens bis Oudtshoorn glücklicherweise die einzigen Europäer bleiben sollten. Dieses Paar jedoch war sehr nett. Wir unterhielten uns eine Weile, wobei sich herausstellte, dass die Dame genauso wie wir aus dem Siegerland stammt, genauer: aus Mudersbach! Nach dem unverhofften Treffen mit meinem ehemaligen Nachbarn am Kap der Guten Hoffnung im Vorjahr der zweite verrückte Zufall in Südafrika. Die Beiden waren ganz überrascht, hier auf Deutsche zu treffen. Sie berichteten uns kurz von ihren zahlreichen vergangenen Reisen nach Afrika und Südamerika und erzählten, dass sie sogar für mehrere Jahre in Johannesburg gelebt hätten. Es war eine schöne Begegnung, doch wir wollten bald weiterziehen und den Rest des Parks erkunden.

Kleiner Damm in der weiten Steppenlandschaft des Oribi Loops.
Unser Mietwagen für die gut zweiwöchige Rundreise. Teilweise waren wir froh über die Bodenfreiheit des SUV.

Das nächste Ziel war das Visitor Center im Herzen des Parks. Hier zahlten wir verspätet den Eintritt in Höhe von rund 9 €. Die meisten Wanderrouten sind hier deutlich kürzer als im Royal Natal NP. Wir entschieden uns für den „Echo Ravine“-Trail. Ziel ist eine kleine Schlucht in den Bergen. Hierfür sind einige Höhenmeter zu bewältigen, was mit schönen Blicken ins Tal einhergeht.

Wanderung auf dem „Echo Ravine“-Trail im Golden Gate Highlands National Park bei Clarens in Südafrika.
Das Ziel der kurzen Wanderung: die „Echo Ravine“.

Da der Weg allerdings nicht sehr weit war, hängten wir noch den „Boskloof Trail“ dran. Insgesamt kamen wir so auf 5 km. Übrigens war es inzwischen richtig warm geworden und wir kamen trotz der geringen Distanz bei rund 20 Grad und blauem Himmel ein wenig ins Schwitzen. Zurück am Visitor Center gönnten wir uns eine kalte Cola, tankten voll und machten uns auf den Rückweg zu unserem Cottage, wo wir ein Lagerfeuer anzündeten und den Tag gemütlich ausklingen ließen.

Tierischer Besuch auf der Terrasse unserer Unterkunft.

Auch der Montag begrüßte uns mit durchdringender Kälte. Diesmal war es sogar so kalt, dass wir das Frühstück drinnen einnahmen, schnell packten und verschwinden wollten. Obwohl es im „Berghouse & Cottages“ wirklich sehr schön war und wir wiederkommen würden, wohlgemerkt. Während wir zusammenpackten, erhielten wir noch unverhofften tierischen Besuch: Ein Zwergpony erschien auf der Terrasse und blieb minutenlang hier. Hätten wir nicht die Balkontür geschlossen, wäre es auch hineingegangen. Zusätzlich waren während der drei Tage immer wieder Vögel um uns herum, die auf Krümel unserer Mahlzeiten spekulierten. Ein schöner, gelungener Start also in unseren Roadtrip – auch wenn das Wetter insgesamt nicht ganz so mitspielte wie erhofft. Aber wir wollen uns nicht beschweren, denn immerhin waren wir im Frühling im Gebirge…

Auch diverse Vögel spekulierten immer wieder auf einen Happen.

In den folgenden Stunden erhielten wir einen guten Eindruck von der Weite Südafrikas. Fünf Stunden dauerte die Fahrt von Langkloof nach Bloemfontein. Den ersten Abschnitt bis zum „Golden Gate Highlands Nationalpark“ kannten wir bereits. Kurz hielten wir am „Bird Hide“ – in der Hoffnung, einen Blick auf die Geier zu erhaschen. Doch wir hatten erneut kein Glück. Schon beim Aussteigen aus dem Auto kam uns das deutsche Paar vom Vortag entgegen und berichtete uns, dass sich in den letzten zwei Stunden rein gar nichts getan hätte. Also schenkten wir uns in Anbetracht der vor uns liegenden Fahrt einen eigenen Versuch und zogen weiter. In Clarens, einer sehr sauberen, schön anzuschauenden Kleinstadt mit viel USA-Südwest-Feeling, aßen wir zu Mittag. Während wir noch im „The Post House“ unsere Wraps verzehrten, begann es zu grollen und Minuten später sintflutartig zu regnen. Also brachen wir schnell auf. Die nächsten Stunden führten uns meist schnurgeradeaus durch eine flache, karge, eintönige und verregnete Landschaft, die aber kurioserweise dennoch ihren Reiz hatte. Kurz vor Bloemfontein änderte sich schließlich das Wetter. Es wurde sonnig und angenehm warm, sodass wir noch eine Weile am Pool im Innenhof unseres Hotels saßen. Dies war die „Stone Hill Villa“ in dem sehr sauberen, sicheren Vorort Langenhovenpark. Unser Zimmer hatte das vielleicht hochwertigste Bad der gesamten Reise – obwohl noch einige sehr luxuriöse Unterkünfte folgen sollten. Für einen Zwischenstopp also eine klare Empfehlung – besonders, wenn man den günstigen Preis mitbedenkt. Abends sortierten und bearbeiteten wir wieder Fotos und gingen recht früh schlafen, da wir für die kommenden Safari-Tage gut ausgeruht sein wollten. Auch schliefen wir am Morgen etwas länger, checkten um 10 Uhr in aller Ruhe aus, kauften in der nahegelegenen Mall ein, tankten und nahmen ein frühes Mittagessen zu uns. Zum Glück war es auch heute wieder schön warm (23 Grad), sodass die lange Hose im Koffer bleiben konnte. Gegen 11 Uhr brachen wir dann auf in Richtung Philippolis – und zu einem der größten Highlights der gesamten Reise.

Tiger in Afrika? Gibt`s wirklich!

Da die Fahrzeit von Bloemfontein nach Philippolis nur rund zwei Stunden betrug, mussten wir noch etwas Zeit totschlagen. Wunderbar, dass unser Weg ab Trompsburg über eine extrem schmale, schnurgeradeaus führende und kaum befahrene Landstraße (die R717) führte. Hier hielten wir im Niemandsland an und machten ein paar ganz coole Roadtrip-Fotos – von der Straße, von uns im Sitzen, von uns im Stehen und von uns im Springen. So verflog die Zeit… In dieser Ecke sahen wir auch den einzigen Pumba. Hätten wir das gewusst, hätten wir mit Sicherheit die Kamera gezückt. Nach unseren letzten Afrika-Erfahrungen waren wir aber noch stark davon ausgegangen, dass wir wieder endlos viele Warzenschweine zu Gesicht bekommen würden. Tja, so kann man sich täuschen… Aber das Sichtungsglück sollte uns dafür in vielfältiger anderer Weise hold bleiben!

Straße in der Karoo zwischen Bloemfontein und Philippolis.

Gegen 13.30 Uhr kamen wir in Philippolis an und schrieben wie vereinbart eine WhatsApp-Nachricht an die Managerin des Tiger Canyon, damit uns jemand am Gate abholen würde. Danach stand uns noch eine 27 km lange Fahrt über Schotterpisten bis zu besagtem Gate bevor. Jedoch war der größte Teil der Strecke in einem guten Zustand, sodass wir pünktlich um 14 Uhr am Treffpunkt waren. Hier erwartete uns Leon bereits. Er sollte unser privater Guide für die beiden Game Drives sein. Ein absoluter Glücksfall, wie sich herausstellte. Denn er war extrem erfahren, hatte 29 Jahre lang u.a. im Mala Mala Game Reserve und im Sabie Sands gearbeitet. Dem Tiger-Projekt hatte er anfangs – wie viele andere Guides auch – sehr skeptisch gegenübergestanden, sich aber nach einigen persönlichen Gesprächen davon überzeugen lassen, es sich mit eigenen Augen anzuschauen und der Idee eine Chance zu geben. So war er aus dem Ruhestand zurückgekehrt, um für ein paar Wochen im Tiger Canyon auszuhelfen. Unser Glück! Denn er war nicht nur fachlich extrem gut, sondern auch menschlich ein absoluter Knaller: ruhig, aber humorvoll, immer mit Erklärungen zur Stelle, aber nicht permanent quatschend. Genau so, wie es unserem Naturell entspricht. Dementsprechend erlebten wir zwei perfekte Game Drives, die mit tollen Sichtungen abgerundet wurden.

Auf dem Weg zu unserer Suite im Tiger Canyon.

Doch bevor wir auf unsere Erlebnisse zu sprechen kommen, vielleicht noch ein paar Worte zum Artenschutzprojekt, das hier vorangetrieben wird. Denn in Deutschland weiß offenbar kaum jemand davon und selbst wenn man googelt, sind die Berichte extrem spärlich, veraltet und teilweise auch vom Informationsgehalt her falsch. Managerin Kirsty nahm sich nach dem Abendessen Zeit, uns die Entwicklung des Projekts und die Idee dahinter zu erläutern.

Der Kopf hinter dem Tiger Canyon ist John Varty, ein Dokumentarfilmer, Autor und Aktivist aus Südafrika. Besonders liegen ihm von jeher Raubkatzen am Herzen. Deshalb wollte er es nicht hinnehmen, dass das Überleben der Tiger derart gefährdet ist. Anfang des 20. Jahrhunderts gab es noch 10.000 frei lebende Tiger, jetzt sind es noch weniger als 4.000. Zum Vergleich: Es gibt noch 7.000 Geparden und 18.000 Nashörner. Die Lage ist also mehr als heikel. So entschied er sich, den Großkatzen eine Überlebensperspektive außerhalb von Asien zu geben. Nachdem die Vorbereitungen (Genehmigungsverfahren, Landkäufe, Umzäunung etc.) abgeschlossen waren, wurde im Jahr 2000 die erste Tigerin nahe in der Karoo nahe Philippolis in die Freiheit entlassen. Sie stammte aus einem kanadischen Zoo. Um den finanziellen Part zu stemmen, gründete Varty einen Trust und kooperierte mit chinesischen Partnern. In den nächsten Jahren gingen die Ansichten über den weiteren Verlauf des Projekts allerdings deutlich auseinander und es kam so endlosen Gerichtsprozessen. Im Wesentlichen ging es dabei um die Frage „Artenschutz vs. Business“. Gut, dass sich Varty letztlich durchsetzte und von seinen fragwürdigen Geschäftspartnern distanzierte. Diese halten übrigens weiterhin in der Nähe Tiger in mehr oder weniger geeigneten Gehegen, während sie im Tiger Canyon frei umherstreifen dürfen.

Damit sind wir schon beim für uns wichtigsten Punkt. Denn wir waren durchaus skeptisch, ob wir dorthin möchten oder nicht. Ob das Projekt unterstützenswert ist, weil der Conservation-Gedanke im Vordergrund steht oder nicht. Dies teilten wir Kirsty auch mit, die wissend lächelte. Offenbar ergeht es den meisten Gästen und auch Guides so. Wer aber einmal dort war, konnte sich vom Wert des Projekts überzeugen. Den Tigern steht ein Areal von mehr als 9.000 Hektar zur Verfügung, welches durch Zukäufe stetig erweitert werden soll. Es gibt drei durch Tore abgetrennte Zonen, in denen jeweils mehrere Tiere leben. Hintergrund ist, dass einige wenige Tiere zugefüttert werden müssen und von den anderen getötet würden.

Doch bei den meisten Tigern – es ist die dritte in Freiheit geborene Generation – sind wilde Verhaltensweisen zurückgekehrt. Sie jagen selbst, sie verteidigen ihre Reviere usw. Hierüber freuen sich die Verantwortlichen ganz besonders. Denn es war ungewiss, ob sich dieses Ziel würde erreichen lassen. Für das letztendliche Ziel ist es allerdings unabdingbar. Langfristig soll mit den afrikanischen Tigern nämlich der Genpool in Asien aufgefrischt werden, wenn er zu eng geworden ist, um so das Überleben der Art sicherzustellen. Erfreulich in diesem Zusammenhang: Die Tiger haben sich vermehrt. Es leben bis zu 26 Exemplare in dem Areal.

Durch Corona steht allerdings die Finanzierung ein wenig auf der Kippe. Insofern ist es extrem wichtig, dass sich herumspricht, was hier geleistet wird, damit genug zahlende Gäste kommen. Denn sie finanzieren das Projekt ganz wesentlich mit. Auch zahlungskräftige Partner sind natürlich willkommen. Damit genug der Werbung! Es war mir nur wichtig, den Hintergrund zu erläutern und klar zu machen, dass es kein großer Streichelzoo oder ein auf Gewinn ausgerichtetes Unternehmen ist. Gewinn macht Varty sicherlich mit der Londolozi-Lodge genug…

Unser bescheidener Balkon mit Blick in den Canyon.
So sah der Hauptraum unserer Suite von innen aus.

Jetzt aber wirklich zurück zum Erlebnisbericht! Bei unserer Ankunft erhielten wir ein Begrüßungsgetränk und wurden aufs Zimmer gebracht. Wobei Zimmer untertrieben ist. Luxus-Suite mit Wahnsinnsausblick in den gewaltigen Canyon trifft es eher! Da es nur drei Stück gibt, herrscht hier immer eine herrliche Ruhe. Wir waren mit einem schottischen Paar, das 1973 nach Südafrika ausgewandert war, allein vor Ort. Sie waren extrem nett und wir führten viele tolle Gespräche. Nachdem wir uns eingerichtet hatten, gab es ein spätes Mittagessen (Salat und Hähnchen) und eine schnelle Dusche. Dann ging es auch schon auf den ersten Game Drive. Das Schöne: Da wir Guide und Fahrzeug für uns hatten, durften wir Wünsche äußern, wonach er Ausschau halten sollten. Die Schotten waren bereits einen Tag länger dort und wollten sich nun aufs Birding konzentrieren. Wir hingegen wollten – was auch sonst – zuerst Tiger sehen.

An einigen Stellen durften wir sogar im Reich der Tiger aus dem Auto aussteigen. Aber immer gut aufgepasst…

Um 16.30 Uhr ging es los. Zunächst fuhren wir eine gute Stunde herum, ohne ein Kätzchen zu erblicken. Das beruhigte uns, unterstrich es doch einmal mehr, dass es sich hierbei nicht um einen zu groß geratenen Zoo handelt. Dafür sahen wir aber mehrere Antilopenarten, erhielten tolle Erklärungen zu teils seltenen Vogelarten vom Birding-Enthusiasten Leon und genossen die wunderschöne Natur um uns herum.

Der südafrikanische Nationalvogel (Blaukranich) ist durchaus ein guter Tänzer.

Ein Game Drive ist halt nie ein Abhaken einer Tierliste, sondern jedesmal wieder ein spannendes und erfüllendes Erlebnis, wenn man sich darauf einlässt, es so zu nehmen, wie es kommt! Das taten wir – und wurden dafür belohnt. Denn urplötzlich rief Sara neben mir: „Stop! There is one!“ Leon bremste ruckartig, setzte zurück – und tatsächlich: Da lag direkt neben dem Weg ein gewaltiger männlicher Tiger unter einem Busch. Man hätte ihn – regungslos wie er war – auch für einen großen Termitenhügel halten können. Es war ein echtes Prachtexemplar, das uns da aus dem tiefen Gras argwöhnisch beobachtete.

Der erste Tiger, den wir in Afrika sahen!

Auf einmal begann er zu schnüffeln, hob den Kopf und versuchte, am Fahrzeug vorbeizuschauen. Was war da los? Wir schauten nach rechts – und erblickten einen zweiten großen männlichen Tiger! Leon setzte das Auto erneut zurück und ermöglichte so eine Interaktion. Eine solche Begegnung zweier ausgewachsener Tiger-Männchen hatte er auch noch nie gesehen. Deshalb war er sehr interesseiert und wir genossen die Situation für eine ganze Weile. Das ist auch etwas, das wir im Tiger Canyon sehr genossen haben: Man verweilt länger als anderswo bei einer Sichtung, bekommt ausreichend Zeit, zu genießen und zu fotografieren bzw. filmen. Es kommen keine anderen Fahrzeuge um die Ecke. Ein riesiger Vorteil aus unserer Sicht!

Auf einmal begann er zu schnüffeln und nahm Witterung auf.

Irgendwann rissen wir uns aber doch los, drehten noch eine Runde durch den Park, klapperten Wasserlöcher ab und gönnten uns an exponierter Stelle einen Sundowner-Drink sowie einige Knabbereien.

Windhoek Lager – unser stetiger Begleiter im südlichen Afrika. 😉
Knabbereien in einmaliger Kulisse. Solche Farben gibt es nur in Afrika.

Gegen 19.30 Uhr waren wir zurück in der Lodge, ließen uns mit einem sehr leckeren Abendessen verwöhnen, führten ausführliche Gespräche mit Managerin Kirsty (siehe oben) und den beiden Schotten und nahmen ein, zwei Getränke aus der Bar. Um 22.30 Uhr verabschiedeten wir uns schließlich und fielen hundemüde ins Bett – wissend, dass wir uns für 5.15 Uhr schon wieder mit Leon verabredet hatten. Als der Wecker um 4.30 Uhr klingelte, war die Müdigkeit schnell wie weggeblasen. Wir standen auf, wurden von Leon bereits mit Kaffee empfangen und gingen auf den Balkon der Lodge – wo sich ein magischer Moment ereignete: Die ersten Sonnenstrahlen krochen über den Rand des Canyons und in der Ferne hörten wir einen Tiger brüllen. Wahnsinn, Gänsehaut pur! Nun waren wir doppelt motiviert, endlich zum Game Drive aufzubrechen.

Doch der Morgen begann schleppend! Die Landschaft war ein Traum, aber offensichtlich war noch kein Tier aufgestanden. Nicht einmal Springböcke oder Blesböcke ließen sich blicken. Dies änderte sich gegen 7 Uhr, als wir erst einen Hasen und dann auch Zebras und diverse Antilopen sahen.

Nachdem sich lange gar nichts tat, sahen wir irgendwann ein paar Springböcke. Wunderschöne, aber oft gespottete Tiere.

Dann ging es plötzlich Schlag auf Schlag! Wie aus dem Nichts entdeckten wir im hohen Gras eine Tigerin, die gerade Beute verspeiste. Wir können nicht mit Sicherheit sagen, was es war, tippen aber auf einen Mungo. Also eher ein Frühstückshappen für den Tiger-Magen. Weil das Gras sehr hoch war, sahen wir nicht viel und beschlossen weiterzufahren.

Was hat die Tigerdame da bloß gefangen?

Nach vielleicht 500m hielten wir wieder an: Unten am Wasserloch befand sich ein weiterer Tiger, der sich allerdings schnell ins Unterholz verdrückte. Gleichzeitig traf ein Funkspruch eines anderen Guides ein: Sie war allein unterwegs, um nach dem Rechten zu sehen und war auf eine ganze Tiger-Familie gestoßen. Das Szenario, das uns an der beschriebenen Stelle erwartete, war wie aus einer Tierdoku: Tiger-Mutti und zwei einjährige Cubs sonnten sich im Morgenlicht auf einer felsigen Anhöhe – und auch Daddy war am Ort. Wir knipsten gefühlt eine ganze Speicherkarte voll und konnten gar nicht genug bekommen.

A place with a view: Wenn es einen Beweis gebraucht hat, dass Tiger nach Afrika gehören – hier ist er!
Zwei Kuschelkatzen im hohen Gras. Fast wären wir ausgestiegen, aber nur fast…
Und der Nachwuchs in Nahaufnahme.
Dann war Schlafenszeit und wir machten uns auf den Weg, um einen Geparden zu suchen.

Nach einer Weile schlug Leon dann vor, dass wir die verbliebene Zeit nutzen könnten, noch einen Geparden aufzustöbern. Dies war allerdings – trotz der Mithilfe zweier weiterer Guides mit Fahrzeugen – gar nicht so einfach. Denn es gibt hier lediglich drei Exemplare, nachdem zwei weitere Giftschlangen zum Opfer gefallen waren. Sie leben übrigens in einem eigenen, sehr großen Areal, damit sie nicht von den Tigern umgebracht werden. Wie auch immer – gerade, als wir aufgrund des bevorstehenden Check-outs auf dem Rückweg zur Lodge waren, erwachte das Funkgerät zum Leben: Einer der Guides hatte doch tatsächlich noch einen Geparden gefunden – und dann auch noch mit soeben erlegter Beute. Leon zögerte nicht lange, klärte über Funk, dass wir das Auschecken ein wenig nach hinten legen konnten, und gab Gas.

Der Gepard posiert stolz mit dem soeben erlegten Blessbock. Zum Fressen war er noch zu ausgepowert.

Kurz darauf kamen wir an der fraglichen Stelle an und durften sogar aussteigen. Bis auf 10 m gingen wir an die – extrem ausgepowerte, heftig atmende – Raubkatze heran, die stolz mit dem erlegten Blesbok für unsere Kameras posierte. Dieses Erlebnis war das Sahnehäubchen auf der Zeit im Tiger Canyon. Mit Worten ist es kaum zu beschreiben.

Schweren Herzens mussten wir allerdings bald darauf zurück zur Lodge. Mit einem herzhaften, warmen Frühstück im Bauch verabschiedeten wir uns vom Team des Tiger Canyons. Leon fuhr uns noch zum Tor und wir mussten ein wenig schlucken, als es sich hinter uns schloss. Gern wären wir für mehr als eine Nacht geblieben!

Entschleunigung im Mountain Zebra National Park

Nach unserer Abreise vom Tiger Canyon lagen gute drei Stunden Fahrt durch weitgehend eintönige Landschaft vor uns. Da gegen Mittag doch irgendwann der Magen knurrte, legten wir einen Zwischenstopp in Cradock ein, ehe wir unser nächstes Etappenziel, den Mountain Zebra National Park, ansteuerten. Nach dem Besuch eines Schnellimbisses am Ortseingang tankten wir das Auto voll und erledigten die Einkäufe für die nächsten Tage im gut sortierten Spar-Markt. Dann ging es endlich zum Gate des Nationalparks, welches wir nach einer Viertelstunde und gegen 15 Uhr erreichten.

Im Vorfeld war überall davon zu lesen, in welch schrecklichem Zustand die Zuwege zwischen Gate und Rezeption seien. Hier und da war davon die Rede, die Schotterpiste sei schwieriger zu befahren als die 4×4-Strecken. Aus unserer Sicht ist das völliger Quatsch! Ja, es gibt ein paar tiefere Schlaglöcher. Und ja, hier und da fährt man über „Wellblech“. Aber von unbefahrbar war die Strecke weit entfernt – auch mit einem normalen SUV ohne Allrad. Und ganz ehrlich: Uns ist es lieber, über Schotterpisten zu fahren und ein wenig „Wildnis-Gefühl“ zu haben als über perfekt geteerte Straßen wie etwa in Teilen des Addo Nationalparks. Aber das ist sicherlich Geschmackssache.

Bei der Anfahrt zum Main Camp des Mountain Zebra Nationalparks wurden wir gleich skeptisch von diesem Mungo beäugt.

Schon auf dem Weg zur Rezeption sahen wir die ersten Tiere. Darunter waren natürlich Zebras, aber auch Springböcke, Meerkatzen und Mungos. Beim Einchecken wurden wir – wie schon im vergangenen Jahr – überaus herzlich begrüßt. Die Stimmung war entspannt, Ranger und Rezeptionistin waren extrem freundlich und zu einem Plausch aufgelegt. Das ist auch genau das Schöne am Mountain Zebra National Park: Hier herrscht kein touristischer Trubel, die Zahl der Unterkünfte ist sehr begrenzt und dementsprechend das Stresslevel der Mitarbeiter gering.

Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert! Wir erhielten wieder „unser“ Cottage Nummer 21 am Ende des Camps.

Zu unserer großen Freude hatte sich die Sonderanfrage gelohnt: Das „Cheetah-Tracking“ für den nächsten Morgen war gebucht und wir erhielten wieder „unser“ Cottage Nummer 21. Dabei handelt es sich um die vorletzte Unterkunft am Ende des Camps. Man hat also reichlich Abstand zum Pool, Restaurant, Shop usw und bekommt von anderen Gästen praktisch nichts mit. Das Cottage ist außerdem von anderen Wohneinheiten nicht einsehbar und bietet zugleich einen tollen Ausblick in den Park. Abends sahen wir Springböcke auf der anderen Seite des Zauns, tagsüber besuchten uns viele Vögel und kleine Nagetiere auf der Veranda. Idylle pur also! Kurz zur Einrichtung: Unserer Erfahrung nach sind die Unterkünfte hier weniger abgewohnt und platzmäßig großzügiger als in anderen Sanparks. Es gibt ein großes Bad, ein Schlafzimmer mit Doppelbett, eine offene Wohnküche mit Kamin und eine Terrasse mit Sitzegelegenheiten und Grill. Holz muss man selbst mitbringen oder im Shop kaufen. Handtücher und Spülzeug sowie benötigtes Geschirr sind vorhanden. Erwähnen muss man, dass es immer wieder zu Stromausfällen kommt. Uns hat das nicht sonderlich gestört, aber man sollte die Kamera oder das Handy dann laden, wenn man die Gelegenheit dazu hat und nicht zwingend davon ausgehen, dass dies immer möglich ist.

Auf der Terrasse besuchten uns die buntesten Vögel.

An diesem Abend waren wir zu müde für einen Game Drive. Aber wir hatten ja auch drei Nächte gebucht und somit bestand hierzu noch ausreichend Zeit. Und so groß ist der Park ja nicht. Wir würden also alle Wege mehrfach fahren können, wenn uns der Sinn danach stand. Also hieß es auspacken, einrichten und Wäsche waschen. Wir nutzten hierfür das Bad und Rai in der Tube. Auf dem Campingplatz gibt es allerdings auch eine Waschküche. Dann machten wir uns auf der Veranda breit, gönnten uns ein „Feierabendbier“ und ließen den Tag in aller Ruhe ausklingen.

Am nächsten Morgen fühlen wir uns wie erschlagen! Das lag nicht etwa am Genuss zu vieler Biere, sondern daran, dass wir vergessen hatten, den Wecker vom Vortag auszustellen. So klingelte es um 4.30 Uhr in der Küche, wo das Handy am Ladegerät hing. Also aufrappeln, durch die dunkle Hütte wanken und das Ding mehr oder weniger rabiat ausstellen. Dann wieder rein in die Federn. Aber an Schlaf war nicht mehr zu denken. Also wälzten wir uns bis 5.30 Uhr hin und her. Dann klingelte der nächste Wecker. Diesmal der vermeintlich richtige. Denn wir hatten ja das „Cheetah-Tracking“ für 6.30 Uhr gebucht. Dachten wir! Hatten wir aber falsch verstanden! Denn als wir gegen 6.20 Uhr an der Rezeption auftauchten, war alles dunkel. Wir warteten bis 6.45 Uhr, aber niemand kam. So dämmerte uns, dass wir die Anfangszeit völlig missverstanden hatten. Also fuhren wir kurz zum „Dornhoek Dam“, wo am Vortag ein Löwe gesichtet worden war. Dieser war nicht auffindbar. Also ging es flugs zurück zur Rezeption. Die war inzwischen glücklicherweise besetzt, sodass wir alle Formalitäten erledigten und startklar waren. Das war leider auch ein anderes Paar, das mit uns auf die Tour ging. Wir müssen konstatieren, dass es sich dabei um die einzigen unsympathischen und unfreundlichen Menschen handelte, die wir während der gesamten Reise getroffen haben. Es fing damit an, dass sie zur Rezeption kamen und fragten: „Sind die anderen gekommen?“ Zustimmung seitens der Mitarbeiterin. „Mist! Das ist ärgerlich. Wir hatten gehofft, dass sie absagen.“ Alles in ordentlicher Lautstärke, während wir direkt vor der Tür warteten. Als sie herauskamen und wir dennoch freundlich grüßten, kam keine Antwort. Okay, wenn es so losgeht, dann haben sie halt Pech gehabt und werden ab sofort auch von uns konsequent ignoriert. Schade ist es trotzdem, dass sich erwachsene Menschen so benehmen… Apropos benehmen: Besonders die Dame stellte permanent dämlichste Fragen und plapperte ohne Ende, sodass eigentlich eher WIR die Leidtragenden waren. Nun ja, was soll man machen?

Auf zum Cheetah-Tracking! Schöner Nebeneffekt: So kamen wir in entlegene Gebiete, die mit dem eigenen Auto nicht erreichbar sind,

Dafür war Guide Richard umso sympathischer und angenehmer – und wir hatten großes Sichtungsglück! Wir hatten gar nicht damit gerechnet, dies hier zu erleben, denn weder in Kenia noch in Südafrika hatten wir bisher ein Nashorn gesehen. Aber an diesem Morgen war ein Black Rhino gleich das erste Tier, das wir zu Gesicht bekamen! Und während wir noch dort standen, kreuzte eine Büffelherde unseren Weg. Wahnsinn! So kann es gern weitergehen…

Ein „Black Rhino“ am Wegesrand. Unser erstes Nashorn in der dritten Südafrika-Reise.
Nur weniger Meter weiter kreuzte eine Büffelherde den Pfad. Der Morgen begann vielversprechend.

Am 4×4-Loop „Sonnenrust“-Trail schlug dann das Empfangsgerät an. Ein Gepard war demnach in der Nähe! Stück für Stück arbeiteten wir uns heran – und dann hieß es: Aussteigen und zu Fuß weitergehen. Weit mussten wir indes nicht laufen. Nach vielleicht 20 m sahen wir bereits einen Geparden unter einem Baum dösen. In Anbetracht der nahen Büffelherde und der Existenz von Löwen blickte sich Richard immer wieder um, damit potenzielle Gefahren ausgeschlossen werden können. Der Gepard machte ihn weniger nervös. Dieser sei – wenn überhaupt – lediglich für Kinder eine Gefahr. Solange man stehen bliebe, werde man nicht als Beute angesehen. Er riet uns allerdings davon ab, uns für bessere Fotos flach ins Gras zu legen. Versteht sich ja eigentlich von selbst! Das mitgereiste Paar feuerte eine geistreiche Frage nach der anderen ab: „Wenn der auf uns zukommt, schießen Sie dann in die Luft oder direkt auf den Gepard?“ Schockierter Blick des Guides. „Pardon?“ Die Frage wird wiederholt, woraufhin sich der Arme tatsächlich genötigt sieht, klarzustellen, dass er als Ranger keine Tiere erschießt. „Isst der Gepard auch Büffel?“ Klar, wenn nicht Löwen und Rhinos… Belassen wir es dabei und gehen nicht weiter auf die Beiden ein und genießen einfach das spektakuläre Erlebnis, mit einem frei lebenden Geparden im Busch stehen zu dürfen… Wir empfinden einfach nur Dankbarkeit, das erleben zu dürfen!

Der Gepard döste faul vor sich hin und wollte sich einfach nicht erheben.

Doch es sollte noch besser werden! Kaum sind wir beim Auto angekommen, erwacht das Funkgerät zum Leben. Ein anderer Ranger hat einen Geparden beim Jagen beobachtet. Also geht es auf inoffiziellen Wegen mit spektakulären Aussichten über den 1.513 m hohen Berg „Salpeterkop“ in einen Teil des Parks, der den Tieren und Rangern vorbehalten ist. Und tatsächlich: Nach kurzer Suche entdecken wir einige Meter neben der Straße eine Gepardin, die gerade einen Spingbock verspeist.

Die Gepardin ließ sich den Springbock schmecken.

Zwischendurch schaute sie sich immer wieder suchend um und rief mit erstaunlich hohen Piepslauten ihre Kinder. Doch sie erhielt keine Antwort. Nach einiger Zeit zog sie alleine von dannen, blickte sich immer wieder um und verschwand schließlich nach Durchquerung einer weiten Ebene am Horizont. Richard erklärte uns, ihre Kinder hätten das Alter erreicht, in dem die Tiere langsam getrennte Wege gehen. Wir hätten vermutlich den Moment der Ablösung beobachtet. Er suchte noch eine Weile nach den Jungtieren, gab dann aber auf.

Dann rief sie immer wieder nach ihren halbwüchsigen Kindern, die aber nicht auftauchten.
Als diese nicht antworteten, zog sie langsam von dannen.
Im Gras der Savanne war sie bald kaum noch zu erkennen. Die beiden Zebras im Hintergrund behielten sie dennoch genau im Auge.

Auf dem Rückweg über den „Salpeterkop“ durften wir uns noch an zwei weiteren besonderen Sichtungen freuen: Erst entdeckte Richard einen Bat-eared Fox, dann sahen wir, dass im Hintergrund eine Erdmännchenfamilie umherwirbelte. Also blieben wir einen Moment lang stehen, ehe es zurück zum Restcamp ging, wo wir gegen 11 Uhr eintrafen. Diese dreieinhalb Stunden hatten sich definitiv mehr als gelohnt!

Eine eher seltene Sichtung – besonders am Tage: EIn Löffelhund (bat-eared fox) am Salpeterkop.
Genau an der gleichen Stelle lebte auch eine Erdmännchen-Familie. Das Bild ist leider nicht scharf, aber die Position ist zu goldig…

Bis zum Nachmittag verbrachten wir die Zeit damit, unseren tierischen Besuchern auf der Terrasse zuzuschauen. Nebenbei grillten wir, steckten die Nase in Bücher und erholten uns für den nächsten Game Drive.

Diese kleinen, gestreiften Mäuse huschten durch unseren Vorgarten. Irgendwie hatten die was…

Diesmal ging es ohne Guide auf Tour, was eigentlich auch unsere bevorzugte Art der Safari ist. Man bestimmt das Tempo selbst, verweilt bei Sichtungen solange man möchte und plant eigene Routen. Leider setzte allerdings an diesem Nachmittag just um 16 Uhr zur Abfahrt Nieselregen ein. Zudem wurde es recht diesig, sodass wir die höher gelegenen Gebiete mieden und uns weitgehend auf der Ubejane Loop aufhielten. Bei diesen Witterungsbedingungen wunderte es uns kaum, dass wir bis auf ein paar wenige Springböcke, Gnus und Red-Hartebeests sowie den ein oder anderen Blesbok nicht viel zu Gesicht bekamen. Da waren die lustig umherturnenden Grünmeerkatzen sowie zwei Habichte noch die spannendsten Sichtungen. Daher kehrten wir auch bereits eine halbe Stunde vor Toresschluss gegen 18.30 Uhr ins Camp zurück. Nach den morgendlichen Startschwierigkeiten waren wir ohnehin bettreif.

Hier war das Wetter noch halbwegs okay, aber wenige Minuten später zog Regen auf und wir sagen kaum Tiere.
Eine Affenbande war noch das Spannendste an diesem Abend.
Na gut – und dieser Habicht. Aber man sieht: Selbst die Tiere, die uns vor die Kamera liefen, waren grau wie das Wetter! 😉

Erstaunlich gut erholt, ging es am folgenden Morgen um 6 Uhr erneut auf Tour. Wir waren voller Tatendrang und klapperten bis 11 Uhr fast alle Loops ab. Dabei erlebten wir das tierische Highlight des Tages bereits ganz zu Beginn. Wir wir ja bereits am Vortag erfahren hatten, trieb sich ein männlicher Löwe bevorzugt beim „Dornhoek Dam“ herum. Dieser liegt nur knappe fünf Fahrminuten außerhalb des Restcamps – quasi eine Kurve hinter der Picknick-Area samt dem zweiten Pool des Mountain Zebra National Parks. Es gibt zwei Haltepunkte an dem kleinen See: Einer liegt direkt an der vorbeiführenden Straße, der andere ist über einen steilen Pfad erreichbar. Wir entschieden uns für Variante zwei. Unten angekommen hielten wir Ausschau nach Bewegungen rund um das Gewässer, sahen aber nichts. Gerade wollten wir weiterfahren, als wir durchdringendes, tiefes Gebrüll in unmittelbarer Nähe vernahmen. Sofort wussten wir: Das kann nur ein Löwe sein! Fasziniert blickten wir uns um, entdeckten den Verursacher der morgendlichen Ruhestörung aber nicht. Also fuhren wir im Schritttempo zum zweiten Haltepunkt – und tatsächlich: Da lag er hinter einem Dornengestrüpp und schrie sich die Seele aus dem Leib. Leider hatte sich inzwischen ein anderes Auto den besten Platz gesichert, was dem Erlebnis aber kaum einen Abbruch tat. Wir blieben noch für einige Minuten, machten uns dann aber auf den Weg zum landschaftlich sehr reizvollen Kranskop Loop. Dort sahen wir zwar weder letztes Jahr noch diesmal viele Tiere, aber die Blicke ins Tal sind spektakulär und die Fahrt macht einfach Spaß!

Da ist er ja, der Löwe! Leider war immer Gestrüpp davor, sodass wir kein besseres Bild haben. Das Gebrüll war aber eindrucksvoll!
Dann ging es hoch hinauf auf den Kranskop Loop. Warum das Schild hier stand, wussten wir nach der vorherigen Begegnung.
Weite Ebenen oben auf dem Plateau.

Danach drehten wir eine Runde um den Rooiplaat Loop. Dabei handelt es sich um ein Bergplateau mit weiten Ebenen, auf denen besonders viele Herdentiere zu beobachten sind. Unser Höhepunkt war eine Elenantilope, die unseren Weg kreuzte und sich kaum aus der Ruhe bringen ließ. Wer noch keine solche gesehen hat, wird beim ersten Mal erstaunt sein, wie riesig diese Tiere werden können!

Ganz schön gewaltig, so eine Elenantilope. Unseres Wissens nach sind dies die größten Tiere ihrer Art.
Auf dem Rooiplaat Loop treiben sich viele Herdentiere herum und der Blick reicht weit in die Karoo.
Springböcke am Morgen: Das Licht ist in Afrika morgens und abends überwältigend.
Auch Strauße gibt es hier.

Kurz darauf machten wir Bekanntschaft mit einem Gnu, das uns irgendwie nicht so recht leiden konnte. Es verfolgte uns gewiss eine Viertelstunde lang. Immer wenn wir irgendwo anhielten, um Tiere zu besuchen, tauchte es zu unserer Linken auf, starrte uns an und machte drohende Geräusche. Fuhren wir weiter, begleitete es uns und wiederholte sein Verhalten, sobald wir wieder anhielten. Kuriose Sache…

Dieses Gnu wollte garantiert nicht unser Freund werden.
Ausdauernd begleitete es uns und machte immer wieder drohende Geräusche.

Anschließend zog es uns über die Link Road auf den Ubejane Loop, der eher buschig und bewachsen ist. Bei unserem letzten Besuch im März 2020 war das Wasserloch am Ausgang des Trails nach ausgiebigen Regenfällen überschwemmt, sodass wir nicht durchkamen. Diesmal war der einstige See nur noch anhand der Bodenbeschaffenheit und Beschilderung zu erahnen. Dementsprechend stießen wir hier auf keine Tiere. Wobei „keine Tiere“ nicht ganz richtig ist. Denn wir hatten eine ganze Weile Spaß dabei, die kleinen, quirligen Kap-Borstenhörnchen beim Buddeln, Futtern und Toben zu beobachten.

Diese kleinen Kap-Borstenhörnchen machten uns richtig Spaß!
Und nochmal als Nahaufnahme beim Futtern.

Zuletzt statteten wir dem Löwen am „Dornhoek Dam“ einen weiteren Besuch ab. Er war tatsächlich nur rund 100 m weit gekommen und hatte sich direkt unterhalb des zuerst beschriebenen Haltepunkts einen Platz zum Dösen gesucht. Ganz kurz ließ er sich dazu herab, seinen Kopf für ein Foto zu heben, ehe er sich wieder seitlich umfallen ließ und weiterknackte. Was ein Chiller! Genau das hatten wir nun auch im Sinne. Deshalb ging es über die Main Road zurück ins Restcamp.

Kurze Stippvisite beim Löwen am Dornhoek Dam. Kurz hob er den Kopf für ein Foto…
…dann ließ er sich wieder seitlich umfallen und döste weiter.

Durch diese ausgiebige Rundtour erhielten wir abermals einen tollen Überblick über die verschiedenen Vegetationszonen des Parks, der vielleicht nicht die größte Tierdichte hat, aber landschaftlich und vom Fotolicht her aus unserer Sicht Bestnoten verdient hat. Außerdem muss man nicht jede Sichtung mit zig Fahrzeugen teilen. Im Gegenteil: Mitunter sieht man für längere Zeit kein anderes Auto, was sehr angenehm ist.

Das leicht im Wind wehende Gras und die Fernblicke verleihen dem Mountain Zebra Nationalpark etwas Besonders.

Am Nachmittag brachen wir gegen 16 Uhr wieder auf – und trafen den dösenden Löwen exakt an der gleichen Stelle an, wo wir ihn am Vormittag gesehen hatten. Eine Schildkröte versuchte ihn aufzuwecken, indem sie einen 50-m-Marsch auf sich nahm und direkt auf die Raubkatze zuhielt. Aber selbst das weckte ihn nicht auf!

Diese Schildkröte ging vielleicht fünf Meter neben dem schlafenden Löwen her. Der ließ sich allerdings nicht stören.

Also ließen wir den Löwen Löwen sein und schraubten uns erneut über die Berge hinauf zum Rooiplaat Loop. In aller Seelenruhe genossen wir die Landschaft und den tollen Blick auf das Restcamp, der sich uns auf dem Weg bot.

Blick von oben auf das Rest Camp des Mountain Zebra Nationalparks. Unser Cottage müsste das zweite von links sein.

Dann tauschten wir das erste und einzige Mal in Südafrika die Plätze und Sara übernahm die Fahrt über das Plateau. Das Licht war an diesem Abend fabelhaft und wir durften u.a. Red Hartebeests mit offenbar soeben geborenem Nachwuchs beobachten. Das Kleine war noch ganz wackelig auf den Beinen und kippte immer wieder um, während sich Mutti durch exzessives Fressen nach den Mühen der Geburt stärkte.

Viele Tiere hatten im Oktober Nachwuchs. Das Kleine dürfte erst höchstens einen Tag alt gewesen sein.

Auch einem verspielten Baby-Zebra schauten wir begeistert beim Toben, Rennen und Hakenschlagen zu. Extrem lustig anzuschauen sind auch die Choreographien der Springböcke, die im Licht der untergehenden Sonne Formation bezogen und sich in einer Reihe mit waghalsigen Sprüngen gegenseitig überboten. Und zum Abschluss des gelungenen Tages überquerte direkt vor unserem Auto ein Schabrackenschakal die Straße. Ausklingen ließen wir den Tag im Park-Restaurant, dessen Qualität wir auch diesmal wieder sehr gut fanden.

Die Springböcke führten im Abendlicht Choreografien für uns auf und zeigten, warum sie diesen Namen tragen.
Ein Schabrackenschakal kreuzte unseren Weg.
Zum Abschluss beobachteten wir ein Baby-Zebra beim Spielen.

Mehr hätten wir uns in Summe definitiv nicht vom Besuch im Mountain Zebra National Park wünschen können! Hierher werden wir sicher auch noch ein drittes Mal zurückkehren… Den Game Drive am folgenden Morgen schenkten wir uns, obwohl wir ganz ohne Wecker bereits um 6 Uhr wach waren. Stattdessen checkten wir flugs aus, um noch vor der Mittagszeit am Valley of Desolation in Graaff-Reinet anzukommen. Hier waren wir zwar letztes Jahr bereits gewesen, hatten aber damals vor lauter Nebel und Regenwolken nicht viel von den spektakulären Ausblicken gehabt, die dieser Ort normalerweise bietet.

Von der Wüste an die Küste

Das Wetter spielte mit und wir legten voller Vorfreude die etwas mehr als eine Stunde lange Fahrt zum Camdeboo Nationalpark bei Graaff-Reinet zurück. Um 9.30 Uhr standen wir am Gate, wurden wie letztes Jahr auch sehr herzlich empfangen und bezahlten den Park-Eintritt. Der Ranger freute sich sichtlich, dass endlich wieder Gäste aus Europa kommen. Wir waren demnach mit die Ersten seit anderthalb Jahren. Außerdem sagte er voraus, dass „da oben“ vermutlich eine klare Sicht herrschen würde. Und er sollte recht behalten: Der Ausblick war fantastisch und mit dem des Vorjahres nicht zu vergleichen. An dieser Stelle erübrigen sich weitere Worte und wir lassen die Bilder sprechen.

Majestätische Fernblicke garantiert das Valley of Desolation.
Graaff-Reinet aus der Vogelperspektive.
Jede Menge skurrile Felsformationen gibt es hier auch.

Nicht so viel Glück hatten wir anschließend beim Durchqueren der Camdeboo Game Viewing Area. Hier hatten wir im vergangenen Jahr einige tolle Sichtungen. Diesmal aber blieb das aus! Es mag allerdings auch mit der Tageszeit zu tun haben, denn wir waren von 10.30 bis 11.30 Uhr unterwegs. Im Vorjahr hatten wir damit zu kämpfen, rechtzeitig zum Toresschluss wieder raus zu sein! Egal, jedenfalls war ein Bussard auf exponiertem Ast noch unsere beste Sichtung.

Der Bussard hält Ausschau nach Beute.
Von Weitem sah es aus, als hätten die Strauße ihre Hälse verknotet. Dem war aber nicht so.

Kurz vor Mittag tankten wir schnell in Graaff-Reinet, wo es sehr quirlig zuging. Wie schon im Vorjahr machte der Ort zumindest stellenweise keinen guten Eindruck auf uns und wir sparten es uns, auszusteigen. Aber wir hatten all das ja auch schon gesehen. Stattdessen fuhren wir bei KFC in den Drive-In und besorgten uns ein frühes Mittagessen. Denn nun lag eine mehrstündige Fahrt an die Garden Route vor uns. Fantastisch war, wie schnell sich die Landschaft änderte. War es zunächst noch recht eintönig und flach, herrschte mit dem Überqueren der Grenze zwischen Eastern und Western Cape plötzlich saftiges Grün vor. Richtig schön wurde es ab Uniondale: Bunte Blumen, sanft geschwungene Weinberge und majestätische Berge im Hintergrund. Bald näherten wir uns den Bergen und fuhren hinauf zum Outeniqua Pass. Hier hing teilweise dicker Nebel, der aber dennoch bereits den Blick auf den Indischen Ozean freigab. Eine sagenhafte Strecke für einen Roadtrip! Wir hatten das Gefühl, binnen weniger Stunden den Westen der USA, den Schwarzwald, die Schweiz und Schottland zu durchqueren.

Der Nebel hing am Outeniqua Pass zwischen Karoo und Garden Route fest.
Dennoch erhaschten wir einen ersten Blick auf den Indischen Ozean bei George.

Gegen 15 Uhr kamen wir in George an der Küste an. Die Stadt machte einen sehr gepflegten und sicheren Eindruck. Also kauften wir hier für die nächsten Tage ein. Mehrfach erwischten wir uns bei dem Gedanken, dass dies ein guter Ort zum Leben sein könnte. Dann ging es weiter über die N2 (Garden Route) nach Brenton-on-Sea. Dabei durchquerten wir auch unser geliebtes Wilderness, wo wir anderthalb Jahre zuvor beinahe Corona-bedingt gestrandet wären. Tolle Erinnerungen kamen hoch! Wir hielten allerdings nicht an, sondern fuhren gleich durch zum Zielort. Ein kurzer Stopp bei Margaretes Viewpoint mit spektakulärer Aussicht auf die Knysna Lagune – dann standen wir vor unserer Villa in Brenton-on-Sea. Zur Schlüsselübergabe war am Wochenende um 16.30 Uhr niemand mehr da, aber die Entnahme aus dem Safe neben der Tür funktionierte reibungslos. Der Blick aufs Meer von unserer Terrasse war sensationell und tat irgendwie nach der Zeit in der Karoo-Halbwüste gut. Es waren halt nochmal gsnz andere Farben! Das Ferienhaus „Brenton Breakers“ war der Wahnsinn: modern eingerichtet mit zwei Schlafzimmern, zwei Bädern und einem großen Wohn- und Kochbereich. Als wir dann auch noch lasen, dass der Komplex zum Verkauf steht, schrieben wir doch tatsächlich Nachrichten nach Hause und überlegten, ob wir im Familienverbund die 170.000 € gestemmt bekämen. Das war aber natürlich nur Träumerei… Den Abend ließen wir jedenfalls am „Lagerfeuer“ ausklingen, welches wir im Steingrill auf der Veranda entzündeten.

Margaretes Viewpoint mit Blick auf die Knysna Lagune.
Aussicht vom Garten auf den wilden Strand unterhalb des Hotels.
Wäsche waschen und entspannen – das waren die beiden Hauptbeschäftigungen an der Küste.

Am nächsten Morgen wollten wir endlich mal wieder ausschlafen. Die Safari-Tage mit dem frühen Aufstehen hatten doch etwas gezehrt. Aber denkste… 6.45 in Südafrika, Licht im Zimmer, wach! Immerhin schafften wir es noch, bis 8.30 Uhr im Bett zu bleiben und zu gammeln. Dann genossen wir bei angenehmen Temperaturen von rund 25 Grad das Frühstück mit Meerblick auf der Terrasse, wuschen erneut ein bisschen was an Wäsche und brachen am späten Vormittag auf zu den Knysna Heads. Diese Felsen begrenzen zu beiden Seiten den Eingang zur Knysna Lagune und gewähren einen sagenhaften Blick auf die Stadt und den Indischen Ozean. Danach statteten wir kurz dem darunter liegenden Strand und danach dem Hauptstrand von Brenton-on-Sea einen Besuch ab, ehe wir zum Haus zurückkehrten und etwas lasen.

Der Eingang zur Knysna Lagune wird von den sogenannten „Heads“ begrenzt.
Das Meer ist hier auch bei schönem Wetter durchaus wild.
Der Weg zum Strand führte über Stege durch einen kleinen dschungelartigen Wald.
Am Strand unterhalb der Knysna Heads war nichts los.
Das sah am Hauptstrand von Brenton-on-Sea etwas anders aus. Viel Betrieb war aber auch hier in der Vorsaison nicht.

Am Nachmittag wollte Sara gern zum einsamen Strand wandern, der sich zwischen den Klippen weit unter uns befand. Also gingen wir los – zunächst über Treppen, dann über die Felsen. Irgendwann schlug meine blöde Höhenangst zu und wir mussten umkehren. Die Felsen erhoben sich 20 m und mehr senkrecht über den tosenden Fluten, was offenbar schon wieder zu viel für mich war. Das ist so tagesformabhängig… Aber ich kann in diesen Momenten nichts tun. Meine Knie zitterten und je mehr ich mich zwingen wollte, voranzugehen, desto mehr rebellierte mein Körper – und desto gefährlicher wurde es aufgrund von reell einsetzendem Schwindel. Also ging es zurück zum Haus, wo wir bis 17 Uhr abhingen. Dann hatten wir einen Tisch im Blu Butterfly reserviert. Das sehr gut bewertete Restaurant liegt malerisch über dem Meer, wurde aber seinem Ruf aus unserer Sicht nicht gerecht. Das Essen war durchschnittlich, der Service extrem langsam. Wir erhielten nach dem ersten Getränk kein weiteres mehr und mussten mehrmals nach der Rechnung fragen, die erst nach über 30 Minuten kam. Das kann man sich auch nur erlauben, wenn man das einzige Restaurant im Ort betreibt… Am Abend spielten wir bis zum malerischen Sonnenuntergang auf der Terrasse ein paar Runden unseres neuen Würfelspiels. Es war übrigens das einzige Mal, denn ansonsten kamen wir in diesem Urlaub – anders als sonst – nicht dazu. Es gab einfach zu viel zu sehen und zu erleben!

Unser Tisch im Blu Butterfly Restaurant. Geht schlechter…
Spielen auf der Terrasse – das taten wir in diesem Urlaub nur genau einmal!
Bilderbuch-Sonnenuntergang über dem Indischen Ozean in Brenton-on-Sea an der Garden Route.

Auch am nächsten Morgen war Boris wieder um 6 Uhr wach – ganz ohne Wecker. Also bearbeitete er Bilder und trank jede Menge Kaffee, bis Sara dazukam. Wir reizten die Zeit bis zum Check-out aus, da wir erst um 14 Uhr in Oudtshoorn ankommen konnten und die Fahrzeit lediglich anderthalb Stunden betrug. Leider spielte das Wetter nicht so mit und es war Regen vorhergesagt. Deshalb fielen sämtliche angedachten Unternehmungen am Meer flach. Da war es fast gut, dass es beim Check-out-Prozess hakte: Erneut war niemand an der Rezeption erreichbar – wie schon die ganze Zeit. Die Keybox war defekt und auf unsere WhatsApp-Nachrichten an die Besitzer antwortete bis heute niemand. Also deponierten wir die Schlüssel notdürftig in der klemmenden Box und reisten ab. In Wilderness tankten wir – und trafen dabei den bestgelauntesten, freundlichsten Tankwart aller Zeiten. Das muss hier einfach mal erwähnt werden! Danach führte uns der Weg wieder durch George, wo wir erneut ein paar Kleinigkeiten einkauften. Um 12.30 Uhr fuhren wir am Ortsschild von Oudtshoorn vorbei – viel zu früh also! Immerhin war hier – hinter den Gebirgspässen – das Wetter besser. So hielten wir bei „Die Smitswinkel“, einem Restaurant im „Route 66“-Style mit endlos vielen Kuriositäten: zig Oldtimer, alte Roller, Spielautomaten, sogar, Militärfahrzeuge, eine Voliere mit dutzenden Vögeln, frei laufende Kaninchen und vieles mehr. Auch die Musik passte: Offenbar hatte die Besitzerin die gleiche Playlist mit Rock- und Hardrock-Klassikern wie wir zusammengestellt. Also verbrachten wir hier die nächsten knapp zwei Stunden mit Rippchen, Beefburgern und kühlen Getränken, ehe wir die „Riverside Guest Lodge“ ansteuerten.

Cooles Restaurant mit „Route 66“-Museumscharakter: „Die Smitswinkel“ in Oudtshoorn.

Dabei handelte es sich um sehr coole Blockhütten mit rustikalem Charme. Der Empfang durch Albert und Eliza war der herzlichste, den wir je erlebt haben – und dabei kein bisschen aufgesetzt. Sie waren perfekte Gastgeber in einem perfekten Ambiente. Wir bereuten schnell, hier nur eine Nacht gebucht zu haben – trotz des Regens und der eisigen Kälte, die hier nachts herrschte. Aber am warmen Feuer des riesigen Kamins ließ es sich gut aushalten und an der bestens bestückten Self-Service-Bar gab es die passenden Drinks dazu. Viele kleine Überraschungen wie eine abendliche Flasche Wasser, ausreichend kostenloses Brennholz und der in Aussicht gestellte kostenfreie Late-Check-out machten den Aufenthalt zu etwas ganz Besonderem.

Gemütlichkeit pur: Ein prasselndes Feuer im Kamin unserer Blockhütte.

Am nächsten Morgen hieß es um 5 Uhr: Raus aus den Federn! Denn wir hatten eine Erdmännchen-Tour gebucht, die an einem Treffpunkt an der R62 gut 9 km außerhalb der Stadt ab 5.45 Uhr stattfand. Auf Klappstühlen und mit Kaffee bewaffnet warteten wir darauf, dass die Tiere wach wurden. Devey war ein netter, erfahrener und witziger Guide, der uns mit ganz viel Wissen über Erdmännchen und die sonstige Umgebung ausstattete. Dabei erfuhren wir unter anderem, dass auch Kobras und Puffottern in den Bauten um uns herum leben. Devey: „Mich würde es sehr wundern, wenn in 20 m Umkreis nicht mindestens eine Giftschlange ist.“ Na dann! Wir sahen keine – dafür aber eine ganze Erdmännchen-Familie, die gegen 6.30 Uhr zunächst zögerlich den Kopf aus dem Bau streckte und dann langsam aktiver wurde. Hier trafen wir auch wieder auf einige Deutsche, nachdem wir bislang allem Europäischen mit Erfolg aus dem Weg gegangen waren. Die Mit-Teilnehmer waren aber allesamt sehr nett und wir konnten einem Quartett nachträglich mit ein paar Bildern aushelfen, da sie ihre Kamera im Hotel liegen gelassen hatten.

Zurück im Hotel, packten wir unsere Sachen und genossen ein hervorragendes Frühstück mit zartem Straußenfleisch (was auch sonst in der Welthauptstadt der Straußenzucht) und netten Gesprächen mit Vermieterin Eliza. In der Zwischenzeit wurde sogar noch unser Auto kostenlos von einem Mitarbeiter gewaschen. Was für ein Service! Nach dem Check-out ging es noch für einen Abstecher nach Hartenbos bei Mossel Bay. Hier unternahmen wir einen kurzen Strandspaziergang, um die Zeit bis zum Eintreffen im Gondwana Game Reserve zu verkürzen.

Big 4 im Gondwana Game Reserve

Auf der kurzen Fahrt von Mossel Bay ins Gondwana Game Reserve fragten wir uns immer wieder, ob es uns dort nach den ruhigen Tagen zu Beginn gefallen würde und ob wenigstens ein bisschen Wildnis-Gefühl aufkommen würde. Das Navi zeigte noch 15 Minuten an, als wir durch ein Industriegebiet und durch weitläufige Townships fuhren. Alles andere als vielversprechend! Doch plötzlich änderte sich die Landschaft und ein Wahnsinnspanorama tat sich auf – spätestens nach dem Verlassen der Hauptstraße! Nun hatten wir noch einige Kilometer über eine Schotterstraße zurückzulegen, wobei wir schon die ersten Tiere erblickten – besonders nach dem Durchqueren des ersten Gates. Gegen 13 Uhr kamen wir an der Rezeption an, erledigten schnell den Check-in samt der vielerorts obligatorischen Temperaturmessung und erhielten ein Mittagessen sowie die Ansage, dass unser erster Game Drive gegen 16 Uhr starten würde.

Der Eingang zum Gondwana Private Game Reserve bei Mossel Bay.
Und schon tauchten die ersten Tiere auf. Die Landschaft ist ganz anders als in der Karoo.
Das Zentrum des Parks mit dem Pool und den Kwena Lodges.

Also nutzten wir die verbleibende Zeit, um uns einzurichten. Beim ersten Mal begleitete uns ein Guide mit seinem Fahrzeug zu unserer Villa, die etwa 20 Minuten abseits des Hauptcamps lag. Genauso wie wir es mögen! Beinahe entschuldigend hatte man uns beim Einchecken darauf hingewiesen und angeboten, dass wir jedesmal abgeholt werden könnten. Doch wir lehnten dankend ab. So erlebten wir bei jeder Fahrt zu Frühstück/Game Drive und Abendessen eine kleine persönliche Self-Drive-Safari und genossen drumherum absolute Ruhe und Abgeschiedenheit. Zugegeben: Die vier Schlafzimmer/Bäder, die Küche und die mehreren Terrassen nutzten wir nicht wirklich. Aber es war dennoch ein Erlebnis, einmal solchen Luxus genießen zu dürfen. Schön war auch, dass die Tiere bis zur Villa kamen. An einem Abend belagerten um die 20 Gnus das Haus, als wir vom Essen kamen. Nachts tobte eine Pavianhorde auf dem Dach herum, die ich nicht gehört hätte, wenn mich Sara nicht aus Sorge vor einem Einbruchsversuch geweckt hätte.

Dennoch müssen wir konstatieren, dass Gondwana für uns – anders als die übrigen besuchten Regionen – ein wenig „Safari-Park-Feeling“ hatte. Das war nicht tragisch, da das Areal mit 11.000 Hektar großzügig war und zudem ein Conservation-Gedanke dahintersteckt. Anders als bei rein kommerziellen Parks wird hier der Artenschutz-Aspekt großgeschrieben und es bestehen Forschungsaktivitäten. Dennoch kam man den Tieren bisweilen unnatürlich nah und konnte binnen zweier Game Drives mehr oder weniger alles sehen, was man sich vorgenommen hatte. Es glich eher dem Abhaken auf einer Liste, weil die Guides wussten, wo die Tiere sind, als in den staatlichen Parks. Aber wir wollen es auch nicht zu schlecht machen, denn wir haben die Zeit genossen und einige besondere, auch für unseren Guide nicht alltägliche Dinge gesehen. Dennoch muss man ehrlicherweise diese Punkte ansprechen – und auch, dass hier einfach sehr viel mehr los war und die Safari-Fahrten mit einem Neunsitzer stattfanden. Allein in der Wildnis ist man hier also nicht!

Unsere bescheidene Villa lag etwa 20 Minuten außerhalb des Rezeptionsbereichs.
Das Wohnzimmer und eine der Terrassen von der Galerie aus gesehen. Dazu gab es eine Küche, vier Schlafzimmer, vier Bäder und einen Arbeitsbereich. Dekadenz pur!

Nun aber wieder der Reihe nach! Um 16 Uhr fanden wir uns wieder an der Rezeption ein, wo es Kaffee, Kuchen und Snacks gab und die Gäste auf die Fahrzeuge verteilt wurden. Wir hatten Glück und kamen mit netten Leuten zusammen: ein Paar aus Frankfurt, zwei Schwestern aus Luxemburg und ein französisches Paar. Dazu erwischten wir eine nette und engagierte Führerin. Trotzdem war der Menschenauflauf hier fast zuviel für uns, nachdem wir zuvor tagelang nur vereinzelt Kontakt mit Menschen hatten – und wenn fast nur Einheimische. Sobald es jedoch losging, waren die anfänglichen Gedanken wie weggeblasen.

Als erstes sahen wir Elefanten in einer spektakulären Naturkulisse.
Auch für Nahaufnahmen reichte es, da die Dickhäuter an Menschen gewöhnt waren.
Gleich darauf sahen wir Nashörner – diesmal die friedlicheren White Rhinos.
Auch kuschelnde Impalas verirrten sich vor unsere Kameras.
In einem Wasserloch schwammen Nilpferde. Zunächst verhielten sie sich noch ruhig.
Dann erlebten wir, warum sie zu den gefährlichsten Tieren Afrikas zählen. Wobei das hier nur Mutter und Kind beim Spielen sind.
Der Höhepunkt folgte aber noch, als wir diesen Kalahari-Löwen im Gras entdeckten.
Ein absolutes Prachtexemplar, oder?!

So hatten wir an diesem Abend bereits fast alles gesehen, was wir uns erhofft hatten. Das ging fast schon zu einfach für unseren Geschmack. Und auf der Rückfahrt ins Camp durften wir dann auch noch zwei Nashörner beim spielerischen Kampf beobachten.

Zurück im Main Camp, waren wir ziemlich durchgefroren und dementsprechend froh, dass wir einen Platz am Kamin des Restaurants zugewiesen bekamen und uns schnell aufwärmen konnten. Wir wählten das Gnu-Steak von der Speisekarte – und waren hellauf begeistert. Nach dem Dessert und einem Bier machten wir uns bald auf den Weg in unsere Villa. Wir mussten ja fit sein für den morgendlichen Game Drive, der für 6.30 Uhr angesetzt war. Zusätzlich hatten wir ja noch die 20-minütige Anfahrt. Hieß: 5.30 Uhr aufstehen!

Yammi! Gnu schmeckt wie ein Mix aus Rind und Reh. Sehr lecker, auf den Punkt zubereitet.

Am nächsten Morgen kamen wir recht gut aus dem Bett und freuten uns schon auf den Game Drive. Welch ein Glück wir haben sollten, das ahnten wir da freilich noch nicht! Nach einigen „gewöhnlichen“ Sichtungen zum Auftakt fuhren wir auf der Suche nach Giraffen in ein Seitental des Game Reserves. Oben auf der Kuppe fand unsere Fahrerin zunächst den Stachel eines Stachelschweins, den sie aufsammelte und herumreichte. Überhaupt hatte sie viele Erklärungen parat und schien aufrichtig für ihren Job und die Tiere um sie herum zu brennen. Dann geriet sie plötzlich völlig aus dem Häuschen, lachte immer wieder laut auf und rief: „Schaut euch die Gnus da unten an! Die sind in heller Aufregung und laufen weg. Seht ihr, was da passiert? Was ein Glück!“ Und tatsächlich: Ein Rudel Löwen jagte die Gnus vor sich her – und erwischte eines davon! Sofort fuhren wir zu besagter Stelle. Dort blieben wir mindestens eine Stunde lang. Da ihr Funkgerät keinen Empfang hatte, konnte sie ihren Kollegen nichts von der außergewöhnlichen Sichtung mitteilen und wir hatten die spektakuläre Situation für eine Stunde für uns. Natürlich knipsten wir die Speicherkarte komplett voll!

Der etwa ein Jahr alte Nachwuchs hatte uns genau im Blick. Die Krallen sind schon beeindruckend.
Auch Sprungkraft ist vorhanden. Er spielte gern mit seiner Schwester. Spannend war zu beobachten, dass die Bewegungsabläufe genau die gleichen sind wie bei unseren Katzen.
Viel Spiel macht viel Durst! Danke für die Spiegelung, liebe Löwen!
Der Kleine war eine richtige Wasserratte, fischte immer wieder Stöcke aus dem Fluss und attackierte die Artgenossen.

Irgendwann mussten wir uns aber lösen, damit weitere Gäste die Chance erhielten, sich das Spektakel anzuschauen. Unsere Fahrerin berichtete, dies sei in acht Jahren eine ihrer Top3-Sichtungen gewesen. Wir hatten also wirklich mal wieder gehöriges Glück gehabt! Und es sollte uns auch beim Abend-Game-Drive hold bleiben: Nachdem die Giraffen drei Tage lang nicht mehr gesehen worden waren, tauchten sie plötzlich vor uns auf. Und nicht nur das: Ein Büffel schlich sich mit ins Bild – Wahnsinn! Zum Abschluss sahen wir nochmal Nashörner, Elefanten und viele Herdentiere, doch nichts konnte mehr die Erlebnisse des Tages toppen.

Deshalb (und weil der Akku leer war) entschieden wir auch, den letzten Game Drive auszulassen. Gleiches taten die anderen Gäste, sodass die luxemburgischen Schwestern in den Genuss einer Privatsafari kamen. Wir genossen hingegen das Ausschlafen genauso wie am Nachmittag zuvor den Luxus unserer Villa. Dafür hatten wir das Mittagessen sausen lassen, sodass wir viele Leistungen gar nicht in Anspruch genommen hatten und eigentlich auch mit einer Übernachtung hingekommen wären. Aber man weiß halt nie, wie viel Glück man auf Safari hat…

Eine Zusatzleistung mussten wir jedoch in Anspruch nehmen: Weil die Waschmaschine nicht lief und die Park-Mitarbeiter uns nicht helfen konnten, riefen sie einen Elektriker. Wie sich herausstellte war dies ein vor vielen Jahren ausgewanderter Schweizer, mit dem wir uns nett unterhielten und den wir auch beim Verlassen des Parks wieder trafen. Er möchte Südafrika wieder den Rücken kehren und zurück nach Europa. Die politischen und wirtschaftlichen Probleme seien durch Corona nochmals größer geworden. Vielleicht werde er aber nach einigen Jahren zurückkehren. Das Problem mit der Waschmaschine war übrigens schnell behoben: Jemand hatte schlicht das Wasser ausgestellt! Peinlich, aber die Parkmitarbeiter hatten den Fehler ja auch nicht gefunden…

Beim Frühstück trafen wir schließlich den Rest unserer Gruppe wieder, tauschten Kontaktdaten aus und verabschiedeten uns. Immerhin mit den netten Frankfurtern hat das Kontakthalten bisher gut geklappt. Nun lag eine lange Fahrt nach Paternoster nördlich von Kapstadt vor uns, sodass wir uns mit der Abreise beeilten.

So gern der Büffel überholen wollte, die Giraffen machten ihm keinen Platz!
Diese beiden Giraffen schienen sich eindeutig zu mögen. 😉

Abschluss am Atlantik

Nachdem wir etwas länger geschlafen und gut gefrühstückt hatten, holperten wir um kurz vor 10 Uhr von der Schotterpiste des Gondwana Game Reserves und stellten uns auf eine sechsstündige Autobahnfahrt ein. Doch das Navi hatte andere Pläne: Es lotste uns geradewegs auf eine weitere holprige Piste, der wir für 41 km folgten. Danke dafür! Da merkt man mal wieder, wie blind man diesen Geräten vertraut…

Auf der weiteren Strecke gefiel uns besonders Swellendam. Wir hatten extra einen kleinen Schlenker gedreht, um einmal hindurchzufahren. Dort verließen wir auch die N2 und fuhren über Landstraßen in Richtung Küste. Die Orte, die wir hier passierten, machten auf uns keinen guten Eindruck. Es war die sicherlich ärmste und potenziell unsicherste Ecke, die wir durchquerten. Egal ob Montagu, Ashton oder Worcester – hier trafen Wohlstand auf bittere Armut, was nie eine tolle Kombination ist! Also ließen wir uns auch nicht zu mehr als einem kurzen Tank- und Toilettenstopp hinreißen, wobei immer einer von uns im Auto sitzen blieb. Immerhin erregten wir kein Aufsehen und wurden sogar wieder auf Afrikaans angesprochen.

Ansonsten verlief die Fahrt recht eintönig, bis unser Navi erneut für ein wenig Abwechslung sorgte und uns bei Mooreesburg ein weiteres Mal auf eine staubige Piste lotste. Hier waren zu allem Überfluss noch zwei Baustellen mit Ampelregelung, sodass wir eine ganze Weile länger brauchten. Aber egal, so haben wir auch das südafrikanische Hinterland ein wenig besser kennengelernt. 😉

Unser erster Eindruck von Paternoster war positiv: gepflegt, einheitliches Ortsbild mit weißen Fischerhütten und vielen Restaurants vor toller Atlantik-Küste. Unsere Ferienwohnung im „Gonana Guesthouse“ bot einen direkten Zugang zum kleineren, aber ruhigeren und schöneren der beiden Strände. Auch der Empfang durch die Mitarbeiterinnen war sehr herzlich. Das Zimmer hingegen fiel im Vergleich mit den anderen Unterkünften ebenso wie das Bett ein wenig ab. Zudem war es sehr hellhörig.

Am Abend gingen wir ins Restaurant „Leeto“, wo uns die Hotel-Angestellten einen Tisch reserviert hatten. Luxuriös, direkt am Meer gelegen, extrem lecker, aber nicht hundertprozentig sättigend – so lautete das Fazit zum Essen. Wobei dieses in Deutschland sicher nicht „nur“ 52,50 €, sondern mindestens das doppelte gekostet hätte. Außerdem ereignete sich hier ein Novum: Ich fror im T-Shirt ohne Ende, während Sara durch ihre dünne Jacke offenbar ausreichend gewärmt wurde. Das haben wir sonst auch nicht so oft…

Tags darauf schliefen wir bis 8 Uhr, frühstückten mit Meerblick, aber leider auch mit mehreren anderen Gästen, darunter ein Geburtstags“kind“ aus Deutschland und brachen schnell in Richtung Langebaan auf. Dort liegt der West Coast National Park, den wir in den folgenden Stunden ausgiebig erkundeten. Glücklicherweise war hier nicht viel los. Die ersten Stopps hatten wir sogar ganz für uns allein. Wir genossen den Ausblick auf die Langebaan Lagune mit ihrem türkis schimmernden Wasser sowie die vielen bunten Blumen, die zwar im August und September den Höhepunkt ihrer Blüte erreichen, aber auch Anfang November noch vorhanden waren. An Tieren liefen uns vor allem unzählige Schildkröten und Echsen über den Weg. Auch eine Babyschlange sahen wir. Diese war aber zu schnell verschwunden, als dass wir ein Bild hätten machen können. Generell sollen wir besonders viele Kapkobras leben. Wir konnten uns hiervon nicht überzeugen.

Vor allem Birding-Enthusiasten kommen hier auf ihre Kosten, leben doch im Brackwasser und den Sümpfen unzählige Arten, darunter auch viele Zugvögel aus Afrika und Europa. Unser Highlight waren die Flamingos.

Zum Abschluss spazierten wir noch ein wenig über einen fantastischen Strand auf der anderen Seite der Lagune und machten einige Fotos. Auf dem Rückweg aßen wir bei SPUR in Vredenburg, sodass sich nach dem ersten Essen in Heidelberg ein Kreis schloss. Es war wieder sehr lecker, aber ich war zu doof, zu raffen, dass Chicken Liver Hühnerleber bedeutet und habe mir daran wohl ein wenig den Magen verbogen. Jedenfalls führten bis zum Abflug zahlreiche Gänge auf die Toilette, bis das Essen wieder raus war.

Am Nachmittag ging es dann ans Meer. Wie lasen etwas, genossen die 20 Grad und das Wellenspiel und holten uns zumindest noch etwas Bräune und Vitamin D ab, ehe es morgen zurück ins kalte Deutschland gehen sollte. Auf ein Abendessen verzichteten wir, vernichteten stattdessen die letzten Bier- und Essensvorräte und gingen früh ins Bett.

Um 10.30 Uhr brachen wir am nächsten Morgen in Richtung Kapstadt auf. Mit ein paar Foto-Stopps in Yzerfontein, im Blawberg Nature Reserve und in Bloubergstrand vertrieben wir uns die Zeit. Beim letzten Südafrika-Trip hatten wir den Tafelberg vor lauter Dunst von hier aus nicht gesehen. Diesmal lief es deutlich besser. Südafrika wollte uns scheinbar von seiner besten Seite verabschieden. Bei KFC in Bloubergstrand aßen wir noch eine Kleinigkeit, tankten voll und waren um 14.30 Uhr am Flughafen. Viel zu früh! Denn um 15.30 Uhr saßen wir bereits fix und fertig am Gate, obwohl der Flug erst um 17.20 Uhr ging. Egal, so konnten wir noch lesen und die Bilder bereits bearbeiten. Der Rückflug ging dann – bis auf ein paar Wackler über dem Mittelmeer – sehr ruhig vonstatten und wir landeten planmäßig um 5.25 Uhr in Frankfurt. Um 8.30 Uhr waren wir daheim und legten uns erstmal ins Bett, da wir am übernächsten Tag bereits wieder arbeiten mussten.

Abschließend noch ein Memo an mich: Am Kapstädter Flughafen müssen wir beim nächsten Mal noch 50 Cent abliefern, die uns erlassen wurden, weil wir nicht mehr genug Bargeld dabei hatten. Wie freundlich die Menschen doch in Afrika sind, obwohl sie weniger haben als wir. Die Dame ließ auch nicht mit sich reden, wollte keine Kartenzahlung, kein Zurückgeben von Ware oder Euros. Sie wollte uns einfach aus der Patsche helfen und etwas Gutes tun. So etwas vergisst man nicht und es steht für uns sinnbildlich für die Art der Menschen auf diesem Kontinent, mit denen wir durchweg positive Erfahrungen machten.


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