Was lange gärt wird endlich gut – so ähnlich lässt sich unsere Südafrika-Reise beschreiben. Schon 2018 hatten wir den Trip fest geplant, damals entschieden wir uns aus diversen Gründen um und reisten stattdessen nach Kenia und an die Westküste der USA. Der Vorteil für den jetzigen Trip im März 2020: Wir hatten mehr als ausreichend Zeit, uns schlau zu machen und zu planen. Und so kam eine Reise dabei heraus, bei der wir im Grunde auch im Nachhinein nichts anders gemacht hätten. Südafrikas Kapregion ist die schönste und vielseitigste Ecke der Welt (zumindest von dem, was wir bisher gesehen haben). Auf keinen einzigen Stopp hätten wir verzichten wollen, wenngleich wir uns an der einen oder anderen Stelle ein wenig mehr Zeit gewünscht hätten.

Die einzige Unwägbarkeit (gelinde gesagt) war das sich weltweit immer weiter ausbreitende Corona-Virus. Am Tage unserer Abreise – dem 6. März – war es noch relativ ruhig, sodass wir uns dazu entschieden, den Urlaub durchzuziehen. Gegen Ende des Trips wurde es dann turbulent – Ausgangsbeschränkungen und Flugstreichungen inklusive. Dazu aber später mehr…
Hier zunächst einmal unsere Route im Überblick
- 06.03. Abflug in Frankfurt
- 07.03. Ankunft in Kapstadt (Bloubergstrand, Waterfront, Signal Hill)
- 08.03. Wanderung zum Lions Head, Camps Bay
- 09.03. Kap der guten Hoffnung, Weiterfahrt in die Karoo
- 10.03. Valley of Desolation und Camdeboo Game Viewing
- 11.03. Mountain Zebra Nationalpark
- 12.03. Addo Elephant Nationalpark
- 13.03. Addo Elephant Nationalpark
- 14.03. Garden Route Nationalpark
- 15.03. Garden Route Nationalpark
- 16.03. Natures Valley und Plettenberg Bay
- 17.03. Sedgefield und Wilderness
- 18.03. de Hoop Nature Reserve
- 19.03. Kap Agulhas und Hermanus
- 20.03. Hermanus und Betty’s Bay
- 21.03. Kogelberg Nature Reserve und Rückflug-Versuch Nummer eins
- 22.03. Rückflug nach Frankfurt
- 23.03. Ankunft in Frankfurt

Die Kosten für 15 Tage Südafrika

Wie schon bei vorangegangenen Reiseberichten haben wir eine detaillierte Kostenaufstellung für euch vorgenommen. Wir benötigten insgesamt 4.343,70 €. Ob ihr mehr oder weniger ausgebt, ist natürlich stark von individuellen Vorlieben abhängig. Wir haben uns für einen günstigen Mietwagen (mit guter Deckung) sowie Übernachtungen in sicheren Gegenden und netten Guesthouses oder Nationalparks entschieden. Letztlich waren wir also im mittleren Preissegment unterwegs – ohne private Luxussafaris und Fünf-Sterne-Hotels, aber ebenso ohne Hostels und Schlafsaal-Übernachtungen.
Flüge, Mietwagen und Unterkünfte

Eines vorweg: Die Flüge nach Kapstadt waren teurer als unsere bisherigen Verbindungen in die USA oder nach Kenia. Zu zweit haben wir 1.381 € bezahlt. Auf dem Hinweg sind wir mit Lufthansa nach Zürich gefolgen, hatten etwas mehr als eine Stunde Aufenthalt und nahmen dann mit Swiss den Weiterflug nach Kapstadt in Angriff. Zurück sollte es mit Austrian nach Wien gehen und schließlich mit Lufthansa von dort nach Frankfurt. Diese Verbindung sollte Corona-bedingt nicht stattfinden – was wir erst nach dem Check-In am Flughafen erfuhren. Ein gewisser Abenteuer-Faktor war also gegeben…
Der Mietwagen schlug mit 218,50 € zu Buche. Wir hatten einen Toyota-Mittelklassewagen samt Reifen-, Unterboden- und Glasversicherung sowie 2 Mio. € Deckungssumme. Das ist durchaus empfehlenswert, da es oftmals über Schotterpisten geht. Wir hatten zwar keine Panne oder sonstige Schäden, haben aber oft gelesen, dass andere Reisende dies mehrfach erlebten.

Die Unterkünfte summierten sich auf 1.583 € – auch weil wir letztlich einen zusätzlichen Tag im Flughafen-Hotel verbringen mussten.
Weitere Ausgaben: Essen, Tanken, Eintrittsgelder
Hinzu kamen Ausgaben des täglichen Bedarfs. Für Essen in Restaurants gaben wir 471,55 € aus. Grundsätzlich ist der Lebensunterhalt in Südafrika günstiger als bei uns. Die Bandbreite reichte von 13 € für Burger oder Fish & Chips mit Getränk (wohlgemerkt für zwei Portionen!) bis zu 50 € für ein Drei-Gänge-Menü mit Wein im luxuriösen Restaurant. Wir entschieden uns für einen Mix aus beidem und gönnten uns oftmals sogar zwei Restaurant-Besuche pro Tag.
Die Eintritte in Nationalparks und Nature Reserves schlugen mit 209,22 € zu Buche. In Supermärkten ließen wir 90,65 € für Getränke, Snacks und weitere Kleinigkeiten. Insgesamt hoben wir 200 € an Geldautomaten ab, wobei Bargeld kaum einmal erforderlich war. Rund um das Kap und in der Karoo ist die Kreditkarte das gebräuchlichere Zahlungsmittel. Die Spritkosten beliefen sich für fast exakt 3.000 km Wegstrecke auf 165,79 €. Parkgebühren wurden nirgends fällig, lediglich kleine freiwillige Abgaben für inoffizielle Parkplatz-Einweiser bzw. -Wächter. Das Trinkgeld für Tankwärter und Hotel- bzw. Restaurant-Angestellte ist in den obigen Angaben bereits inkludiert. Als grobe Richtlinie: Wir haben beim Tanken meist 10 Rand gegeben, in Hotels ebenfalls 10-20 Rand pro Nacht und in Restaurants mindestens 10 % der Rechnungssumme. Die Parkwächter erhielten je nachdem 5-10 Rand. Ein weiterer Baustein waren Kreditkarten-Nutzungsgebühren von 17,94 € – davon alleine 6,50 € für eine Abhebung am Geldautomat. Insgesamt beliefen sich alle Ausgaben dieses Absatzes also auf 1.161,20 €.
Der 16-tägige Roadtrip durch das Western und Eastern Cape kostete demnach für zwei Personen 4.343,70 € – und somit 271,48 € pro Tag.
Kapstadt mit Natur-Fokus in drei Tagen
Lange hatten wir uns auf diesen Urlaub gefreut. Am Freitag, 6. März 2020, ging es endlich los. Am Frankfurter Flughafen bekamen wir jedoch erstmals die Auswirkungen der zu diesem Zeitpunkt noch nicht wirklich krassen Corona-Epidemie zu spüren: Die Steckdosen-Adapter für Südafrika waren seit zwei Wochen restlos ausverkauft, weil die Lieferungen aus China ausblieben. Wir fragten in mehreren Läden. Doch überall war das Ergebnis gleich: Nichts zu machen! Im letzten Geschäft unterhielten wir uns länger mit den Besitzern und verabschiedeten uns schließlich. Kaum waren wir um die nächste Ecke gebogen, spurtete uns der aufgeregte Mitarbeiter hinterher. Während wir hinten raus gegangen waren, spazierte der Lieferant durch den Vordereingang und brachte frische Ware mit. Darunter der von uns gewünschte Adapter. Welch ein Glück! Wir kauften gleich zwei Exemplare und hoben kurz darauf pünktlich um 16.30 Uhr nach Zürich ab. Von dort ging es nach einer kurzen Zwischenlandung weiter nach Kapstadt. Die Ankunftszeit morgens um 6.45 Uhr war perfekt, denn so hatten wir den Samstag bereits als kompletten Urlaubstag zur Verfügung.
Im Vorfeld hatten wir uns aufgrund unserer Kenia-Erfahrungen Gedanken gemacht, dass wir am Flughafen gleich von Horden aufdringlicher Taxi-Fahrer, Verkäufer und Bettler angesprochen werden. Doch dies war glücklicherweise nicht der Fall – und wenn, dann sehr zurückhaltend und freundlich. Auch beim Abheben eines Bageldvorrats hatten wir keine Sicherheitsbedenken. Ebenso verlief die Übernahme des Mietwagens reibungslos, sodass wir kurz darauf „on the road“ waren. Der Linksverkehr stellte uns nicht vor Herausforderungen, da wir bereits Erfahrungen in Schottland und auf Malta gesammelt hatten. Das einzige wiederkehrende Problem war, dass Boris ständig den Scheibenwischer statt des Blinkers betätigte.
Der erste Eindruck von Kapstadt war nicht besonders positiv. Dies war allerdings keine große Überraschung, hatten uns doch sowohl bekannte als auch Reiseberichte in Foren darauf hingewiesen, dass der Flughafen aufgrund seiner Lage in den Cape Flats von Townships umgeben ist. Entlang der Straßen waren viele zwielichtig aussehende Gestalten unterwegs und Schilder wiesen darauf hin, dass diese Region für „Smash & Grab“-Überfälle berüchtigt sei. Das bedeutet, dass an roten Ampeln oder Stoppschildern plötzlich Menschen angerannt kommen, die Scheibe einschlagen und mitnehmen, was sie greifen können. Davor hatte uns auch der Angestellte der Mietwagen-Firma eindringlich gewarnt und hinzugefügt: „Lasst niemals etwas sichtbar im Auto liegen – auch während der Fahrt nicht! Und vertraut keinem meiner Landsleute. Wenn ihr Hilfe bei der Navigation braucht, fragt ausschließlich Polizisten oder an Tankstellen – sonst niemanden!“ Wir wurden glücklicherweise kein Opfer eines Überfalls. Im Grunde hatten wir während der kompletten Reise nur ganz selten Sicherheitsbedenken und richtig brenzlig wurde es nie.

Schade war hingegen, dass wir von einem derart dichten Nebel empfangen wurden, dass wir kaum ein paar Meter weit sehen konnten. So wirkte der Table-View-Beach in Bloubergstrand überhaupt nicht. Man konnte zunächst kaum das drei Meter entfernte Meer sehen – geschweige denn den berühmten Tafelberg. Wir blieben dennoch eine Stunde und wurden insofern belohnt, als dass wir wenigstens das obige Handyfoto machen konnten, auf dem das Bergmassiv zu erahnen ist. Etwas enttäuscht fuhren wir dennoch in Richtung Stadtzentrum.

Unser Ziel war die V & A Waterfront. Hier gruppieren sich – nach dem Vorbild San Francisco – zahlreiche Restaurants, Geschäfte und Ausflugsanbieter um ein Pier. Trotz extrem zähflüssigem Verkehr war es kein Problem, dorthin zu finden. Überhaupt lässt sich sagen, dass die Verkehrsbeschilderung in Südafrika vorbildlich ist. Die Navigation hätte vermutlich auch ohne die Google-Maps-Offline-Karten meistens sehr gut funktioniert. Auch die Parkplatzsuche gestaltete sich einfach. Wir fanden auf Anhieb einen Platz im Parkhaus der Shopping-Mall. Die Gebühren waren mit 2,50 € sehr moderat.
Wir verbrachten hier etwa zwei Stunden. Es war durchaus schön, aber uns genügte diese Dauer an Trubel. Andere verbringen hier mehrere Tage. Da sieht man wieder, dass fast alles im Leben Geschmackssache ist. Neben einer Portion Fish & Chips zum Mittagessen (13 €) lauschten wir den traditionellen Gesängen eines Chores, schlenderten über das Pier und schauten uns die gelben Tafelberg-Panorama-Bilderrahmen, das Riesenrad und andere „Sehenswürdigkeiten“ an.
Signal Hill: Blick auf die Dächer Kapstadts


Vom Signal Hill blickt man über die Dächer Kapstadts.
Auf dem Weg zu unserer Unterkunft in Camps Bay hielten wir noch am Signal Hill an. Der Hügel ist zwar bei weitem nicht so imposant wie der Lions Head oder der Devils Peak, bietet aber dennoch einen schönen Blick auf Kapstadt. Der große Vorteil: Man kann hierher fahren und muss nur wenige Meter vom Parkplatz laufen, um das Panorama zu genießen. Außerdem kann man den startenden Gleitschirmfliegern zuschauen. Das Parken ist kostenlos, der Einweiser freut sich allerdings über ein Trinkgeld von 5 bis 10 Rand. Dort oben steht ein Imbisswagen, an dem wir uns zwei eiskalte Cola (2 €) kauften. Das hatten wir nötig, weil die 25 Grad bei praller Sonne doch sehr ungewohnt waren, wenn man aus dem Siegerländer Winter kommt. Die Aussicht konnten wir – wie auf den Bildern zu erkennen ist – leider nur eingeschränkt genießen. Zwar hatte sich inzwischen der schlimmste Nebel verzogen, aber diesig und grau blieb es trotzdem. So hielten wir uns dort oben lediglich rund eine halbe Stunde auf, ehe es uns nach Camps Bay zog.
Sonnenuntergang in Camps Bay




Das Primi Sea Castle (114 €/Nacht), unsere Heimat für die nächsten beiden Tage, liegt direkt am Traumstrand von Camps Bay. In wenigen Metern Entfernung befinden sich zahlreiche Restaurants und es ist überhaupt kein Problem, sich hier zu Fuß auf den Weg zu machen. Wir kauften schnell im Supermarkt um die Ecke ein paar Snacks und Getränke ein. Dann ging es bei Dizzy’s zum Mittagessen. Klare Empfehlung: Die Leute dort waren nicht nur extrem freundlich, sondern es schmeckte auch gut und war nicht allzu teuer. Wir zahlten 18,97 € für Burger, Rippchen und zwei Bier. Schließlich fanden wir uns zum Sonnenuntergang am Strand ein. Dieser war an beiden Tagen fantastisch – und zu unserer großen Überraschung war nie allzu viel los.
Wanderung auf den Lions Head
Eigentlich wollten wir am zweiten Tag unserer Reise zum Kap der guten Hoffnung fahren, doch daraus wurde nichts! Die gesamte Halbinsel war für das größte Straßen-Radrennen der Welt gesperrt. Und so schauten wir uns zunächst das Spektakel vom Balkon aus an, spielten unser neues Lieblingsspiel „Ganz schön clever“ und entspannten ein wenig.

Zwischendurch wanderten wir auf den Lions Head – zumindest soweit Boris‘ Höhenangst dies zuließ. Nach der ersten Leiter mussten wir leider umkehren. Trotzdem durften wir schöne Blicke genießen – auch wenn das Wetter erneut sehr diesig und durchwachsen war. Insgesamt dauerte die Klettertour, bei der es keinerlei Schatten gibt, mit einigen Fotostopps rund zwei Stunden. Wenn man ganz nach oben möchte, sollte man eine Stunde mehr einplanen. Natürlich geht es auch schneller, aber man will ja im Urlaub nicht so hetzen wie die vielen Trailrunner, die uns auf dem Weg in Richtung Gipfel überholten…
Übrigens sollte man vorsichtig sein, wohin man tritt oder in welches Loch man fasst. Denn auf den Tafelbergen gibt es mehrere Giftschlangen-Arten, darunter die Kapkobra und die Puffotter. Wir sahen keine von beiden, dafür aber einen kleinen Skorpion. Kurz nach Mittag belohnten wir uns mit einem indischen Essen im Restaurant Raj in Camps Bay (31,16 € inklusive Wein). Alles in allem erscheint uns Camps Bay als die perfekte Wahl für drei Tage in Kapstadt. Man ist etwas abseits des Trubels in einem sicheren Viertel, hat dennoch genug Restaurants und Bars in Reichweite und den schönsten Strand der Gegend direkt vor der Haustür. Außerdem ist der Ort verkehrsgüngstig zum Kap (1 Std.) und zum Tafelberg samt Lions Head und Signal Hill (10 Min.) gelegen.






Bekannte Gesichter am Kap der guten Hoffnung
Am dritten Tag stand die Fahrt ganz ans Südende der Kap-Halbinsel auf dem Programm. Früh am Morgen checkten wir aus und beglichen die Mini-Bar-Rechnung (9,76 €). Dann brachen wir auf, denn am Nachmittag mussten wir noch bis zu unserer zweiten Unterkunft nach De Doorns fahren. Und wir wollten soviel Zeit wie möglich rund um den Cape Point verbringen. Schon die einstündige Anfahrt, die u.a. über den Chapmans Peak Drive führte, war schön und gab einen tollen Vorgeschmack auf das, was uns noch bevorstand.


Den ersten längeren Stopp legten wir an diesem Tag in Simonstown ein. Das Örtchen an sich ist nett. Es erinnert in vielerlei Hinsicht an US-amerikanische Kleinstädte und wartet mit einer Vielzahl an kleinen Geschäften und Restaurants auf. Man kann hier bestimmt auch gut ein paar Tage verbringen. Wir hatten hingegen nur wenig Zeit und ein Ziel: Den Boulder’s Beach. Auch wenn der Strand wunderschön ist und ein wenig an die Seychellen erinnert, sind die Haupt-Attraktionen gefiedert. Hier lebt eine riesige Kolonie afrikanischer Pinguine. Außerdem sahen wir am Boulders Beach die ersten Dazzies (Klippschliefer) der Reise. Wir verbrachten gute zwei Stunden hier und konnten uns kaum losreißen. Auch wenn der Eintritt mit 17,34 € für zwei Erwachsene nicht gerade günstig ist – es lohnt sich definitiv!
Kleiner Tipp am Rande: Wenn ihr den Steg verlassen habt, wendet euch nach links und folgt dem kleinen Pfad für rund 300 Meter. Dann gelangt ihr an den öffentlichen Badestrand von Simonstown. Hier kommt ihr den Pinguinen sehr nahe. Bitte achtet aber darauf, die Tiere nicht zu belästigen und haltet einen gewissen Abstand! Keinesfalls solltet ihr die Pinguine anfassen. Erstens beißen sie und zweitens sind es wilde Tiere, die ihren Freiraum brauchen!!!




Der nächste Zwischenstopp war dann das Kap der guten Hoffnung (Eintritt: 34,69 € für zwei Personen). Viele meinen, dies sei der südlichste Punkt Afrikas und zugleich der Zusammenfluss von Indischem und Atlantischem Ozean. Doch beides ist falsch – das ist jeweils das Kap Agulhas. Doch auch so hat der Südzipfel der Kaphalbinsel viel zu bieten: Cape Point, Dias Beach, Leuchtturm und tolle Landschaften. Aber seht selbst! Auch Selfies an dem berühmten Schild haben wir gemacht. Die Schlange war sogar recht kurz. Allerdings verzichten wir ja generell darauf, Fotos von uns zu veröffentlichen. Daran halten wir uns auch hier. Ersatzweise zeigen wir euch eine Pavian-Mutter mit ihrem Nachwuchs. Die Affen sind in Scharen am Kap unterwegs und haben sich auf Diebstähle spezialisiert. Überall wird davor gewarnt, dass sie Autos aufbrechen, Touristen überfallen, Rucksäcke stehlen usw. Man sollte also vorsichtig sein – zumal die Tiere größere Zähne als Löwen haben…



Witziger Fun-Fact am Rande: Auf dem Rückweg vom Leuchtturm sah ich plötzlich einen Mann im Borussia-Mönchengladbach-Trikot. Ich schaute genauer hin und dachte: „Den kennst du doch…“ Und tatsächlich: Es war mein langjähriger Nachbar! Sachen gibt’s… Danach ging es für uns weiter in Richtung Karoo. Die Fahrt ging über Muizenberg, wo wir kurz überlegten, ob wir uns die bunten Strandhäuser anschauen sollten, die man stets in Bildbänden über Kapstadt findet. Aufgrund der Verkehrssituation am Montagnachmittag entschieden wir uns dann aber dagegen. Wir tankten (16,66 €), kauften ein paar Snacks im Supermarkt an der Straße und legten keine weiteren Zwischenstopps ein.
Regen in der Wüste
Von der Küste der Kap-Halbinsel ging es am Montag, 9. März 2020, über Muizenberg und Paarl in die Karoo-Halbwüste. Besonders beeindruckte uns, wie schnell die Landschaftsformen hier in nur drei Stunden wechselten. Besonders die Region zwischen Paarl und De Doorns erinnerte stellenweise stark an Arizona oder Utah.

Ein Unterschied zu den genannten Regionen in den USA ist hier die Sicherheitslage. Denn gerade die Gegend zwischen Worcester und Touwsrivier machte keinen sonderlich guten Eindruck. Sehr einsam gelegen durchquert man lediglich einige kleinere Townships. Ansonsten warnen auf einem circa 30 km langen Abschnitt immer wieder Schilder davor, anzuhalten. Sämtliche Rastplätze schmückten Warnhinweise mit der Aufschrift „Hi-Jacking-Hotspot“. Offenbar kommt es hier häufig zu Entführungen mit Lösegeld-Forderungen. Diesen Eindruck unterstrichen die Gestalten, die Durchreisende mit Waren zum Anhalten bewegen wollten. So richtig kaufte man ihnen das ehrliche Kaufmannsdasein nicht ab… Unser Problem war, dass Sara ausgerechnet auf diesem Teil des Weges dringend zur Toilette musste, sodass wir schließlich an einer halbwegs sicher aussehenden Tankstelle anhielten.
Zwischenstopp in De Doorns
Glücklicherweise überstanden wir das Intermezzo ohne Schaden und kamen wenig später am Karoo 1 Hotel Village an. Die Unterkunft ist wunderschön inmitten der Karoo gelegen – weitab vom nächsten Ort. Es handelt sich dabei um eine Farm gewaltigen Ausmaßes – ein Platz, an dem man sich wirklich optimal erholen kann. Leider hatten wir nur diese eine Nacht Zeit und mussten am nächsten Morgen in aller Frühe weiterfahren. Immerhin lagen 500 km Strecke nach Graaff-Reinet vor uns. Empfehlen können wir auch das farmeigene Restaurant (49,84 €): Sehr nette Kellner, leckeres Essen mit frischen Zutaten aus eigener Herstellung und dazu einen frischen Wein – was will man mehr? Hier gönnten wir uns übrigens erstmals Springbock-Carpaccio – ein Gedicht…

Das Valley of Desolation im Nebel

Weil wir genug Zeit für das Tal der Verwüstung und einen ersten Game Drive haben wollten, ging es bereits gegen 8 Uhr weiter. Zwei Tankstopps in Laingsburg (14,66 €) und Graaff Reinet (24,75 €) später, erreichten wir kurz nach Mittag planmäßig unsere nächste Unterkunft, das Queen Manor Boutique Guesthouse (74 €). Leider war es extrem neblig und es regnete sogar leicht – sehr ungewöhnlich für die Halbwüste Karoo. So konnte man das beeindruckende Felsmassiv, welches die Stadt auf der Nordseite begrenzt, kaum ausmachen. Nach einem sehr netten Empfang durch die Besitzerin, gespickt mit zahlreichen Informationen, beschlossen wir daher, zunächst in der Stadt etwas Essen zu gehen. Wir wollten abwarten, bis es aufklarte. Noch waren wir recht zuversichtlich, denn unsere Vermieterin hatte erklärt, dass die angesagten 90 % Regen normalerweise in vier Tropfen bestehen. Und die seien ja bereits gefallen. Doch kaum waren wir im „Our Yards“ (15,37 €) angekommen, begann es monsunartig zu schütten und hörte für die nächsten zwei Stunden nicht mehr auf.
Klatschnass legten wir im örtlichen Spar-Supermarkt eine Pause ein, um ein paar Kleinigkeiten einzukaufen. Vor der Tür lungerte ein Haufen zwielichtiger Gestalten herum. Sie kamen auf uns zu und verlangten, wir sollten ihnen Brot, Hühnchen, Wurst und Cola mitbringen. Das erinnerte nun wirklich an die Beach Boys in Kenia. Wir ignorierten sie bestmöglich und gingen hinein. Doch einer von ihnen folgte uns und erneuerte die Forderung nachdrücklich. Nach kurzem Überlegen beschlossen wir, dieser dreisten Forderung nicht nachzukommen. Mit unseren Einkäufen im Schlepptau verließen wir den Laden und ließen uns von den Typen nicht aufhalten. In der Hoffnung, dass es keine Probleme geben würde, marschierten wir schnurstracks durch ihr Spalier und bogen um die nächste Ecke. Nach ein paar Metern drehten wir uns um und stellten erleichtert fest, dass sie uns nicht folgten. Denn es war niemand in dieser Straße unterwegs und es wäre ein leichtes gewesen, uns zu überfallen. Aber es ging alles gut! Dies war im Grunde die einzige wirklich unschöne Situation in Südafrika – und wir sind uns fast sicher, dass es keine Südafrikaner waren. Denn wie wir erfuhren, leben circa 7,5 Mio. Flüchtlinge aus ganz Afrika im Land. Sie erhalten keinerlei Leistungen, sind nicht registriert und kommen nicht in den Genuss einer Gesundheitsvorsorge. So bitter das ist und so gerne man helfen würde: Die Art und Weise dieser jungen Männer wollten wir nicht belohnen. Außerdem vermuten wir, dass sie bei genügend anderen Touristen Erfolg haben mit ihrer Masche.
Ansonsten ist Graaff-Reinet ein wirklich hübsches Städtchen mit toller Architektur. Besonders die Kirche im Zentrum ist ein Hingucker. Aufgrund des heftigen Regens haben wir keine Fotos gemacht. Da es aber zumindest ein klein wenig aufklarte, entschieden wir uns dazu, doch noch in den Camdeboo Nationalpark (12 €) zu fahren. Am Eingang zum Valley of Desolation, das Bestandteil des Parks ist, wurde unser Auto peinlich genau kontrolliert. Die Ranger erklärten, man wolle dafür sorgen, dass keine Saufgelage stattfinden und Wilderei unterbinden. Denn obwohl die bizarren Felsen die Haupt-Attraktion sind, gibt es hier auch zahlreiche Tierarten. Auf dem Hinweg kreuzten bereits Kojoten unseren Weg. Oben angekommen, lag noch alles im Nebel. Immerhin drehte ein Schwarzadler seine Kreise und bot ein erstes Fotomotiv.

Je höher wir kamen, desto mehr verzog sich der Nebel – aber leider nicht ganz. Irgendwie muss man aber sagen, dass diese Wetterlage rund um die schroffen Felsgebilde sogar etwas für sich hatte. Schade war es trotzdem, dass wir aufgrund unseres eng gestrickten Zeitplans kein zweites Mal hierher kommen konnten. Daher nahmen wir den kurzen Craig Lizard Trail schon jetzt unter die Füße, um wenigstens ein paar brauchbare Fotos zu machen. Hier sind einige Bilder aus dem Valley of Desolation:




Danach zog es uns schnell weiter zur Game Viewing Area des Camdeboo Nationalparks. Wir hatten ehrlich gesagt kaum Erwartungen, denn der Eintritt war im Preis des Valley of Desolations bereits enthalten. Außerdem fanden sich im Internet kaum Informationen darüber. Doch wir sollten positiv überrascht werden. Der Tier- und Artenreichtum war deutlich größer als gedacht. Wir sahen während der zweistündigen Tour mehrere Antilopenarten, Affen, Büffel, Zebras, Erdmännchen und Kojoten sowie zahlreiche Vogelarten. Das Highlight war definitiv der Kojote, der sich direkt vor uns am Wasserloch herumtrieb, heulte und seine Artgenossen herbei rief. Leider konnten wir nicht allzu lange bleiben, da die Gates in Kürze schließen würden. Toll war es trotzdem, das hautnah erleben zu dürfen!








Damit endete unser Abstecher in die Karoo. Müde fielen wir ins Bett, denn am folgenden Morgen wollten wir nicht allzu spät aufstehen, um möglichst viel Zeit für unsere erste richtige Südafrika-Safari im Mountain Zebra Nationalpark zu haben.
Dem Bergzebra auf der Spur
Nur zwei Stunden von Graaff-Reinet entfernt, unweit von Cradock, befindet sich der Mountain Zebra Nationalpark. Wie viele andere Naturschutzgebiete Südafrikas steht er unter Verwaltung der halbstaatlichen Organisation SANParks. Angelegt 1937 zum Schutz der seltenen Kap-Bergzebras, gilt das Areal heute als eines der unbekannteren Juwele unter den südafrikanischen Nationalparks. Da wir stets auf der Suche nach solchen unverfälschten, nicht überlaufenen Orten sind, entschieden wir uns ohne langes Zögern für einen Besuch.

Tatsächlich sollten wir nicht enttäuscht werden. Vor allem landschaftlich hat das Schutzgebiet viel zu bieten – und auch die Artenvielfalt hat stetig zugenommen. Zu den spannendsten unter ihnen zählen sicherlich die Spitzmaulnashörner, Löwen, Geparden und Karakale. Allerdings müssen wir gestehen, keines dieser Tiere gesehen zu haben. Dies lag mit Sicherheit daran, dass es zuvor ungewöhnlich viel geregnet hatte und somit für die Tiere keine Notwendigkeit bestand, an die Wasserlöcher zu kommen. Dafür war alles grün und die Bewohner des Parks sahen gut genährt aus.
Schon kurz nach der Einfahrt durch das Main Gate in Richtung Rezeption sahen wir die ersten Antilopen, Zebras und Strauße auf den Ebenen des Hochplateaus. Da wir ohnehin gut drei Stunden zu früh dran waren und erst um 14 Uhr unsere gebuchte Unterkunft beziehen durften, ließen wir uns Zeit und schossen erste Fotos von den Herdentieren.


An der Rezeption angelangt, bezahlten wir die Eintrittsgebühr (25,04 €), absolvierten den Check-In (86,26 €) und vergewisserten uns, dass wir auf der Liste für das Geparden-Tracking am nächsten Tag stehen. Der Hintergrund: Wir hatten seit November bereits dreimal versucht, per E-Mail oder Facebook über die SANParks-Seite zu reservieren, aber nie eine Antwort erhalten. Nun stellte sich aber heraus, dass wir stillschweigend auf der Liste standen. Zudem waren wir noch die einzigen Teilnehmer. Das freute uns natürlich sehr.
Da wir noch nicht in unsere Hütte konnten, beschlossen wir, trotz der unvorteilhaften Mittagszeit eine Runde über die Kranskop Loop zu drehen. Über Schotter- und Steinpisten führte die circa 25 km lange Strecke zunächst steil hinauf in die Berge und bot immer wieder tolle Fernsichten über die weiten Ebenen des Parks. Schließlich ging es ebenso steil abwärts. Mehrfach mussten wir durch Bäche fahren, die über die Ufer getreten waren. Nachdem wir diese Runde absolviert hatten, war klar: Die 4×4-Strecken sind für unseren Mietwagen absolut ungeeignet! Leider sahen wir nicht allzu viele Tiere. Aber das war aufgrund der Mittagshitze keine große Überraschung für uns. Aus Kenia wussten wir bereits, dass der frühe Morgen und der Abend die besten Zeiten für spektakuläre Sichtungen sind.


Nach der ersten Ausfahrt durch den Park richteten wir uns zunächst in aller Ruhe in der Hütte im Restcamp ein. Wir unternahmen einen kleinen Spaziergang auf dem Bald Eagle Trail und schauten uns den Pool an – ohne allerdings ins kühle Nass zu springen. Stattdessen brachen wir gegen 16 Uhr wieder auf, um noch ein paar Stunden für die Erkundung des Parks zur Verfügung zu haben. Denn um 19 Uhr mussten wir wieder im Camp sein, da alle Tore geschlossen werden und bei Missachtung empfindliche Strafen drohen.


Wir hielten geradewegs auf die Wasserlöcher an der Ubejane Loop zu, hatten wir doch auf den Karten im Park gesehen, dass es hier zuletzt Löwen-Sichtungen gegeben hatte. Doch wir entdeckten keine Raubtiere – und mussten feststellen, dass die Strecke nach dem ersten Wasserloch gesperrt war. Die Seen waren so sehr über die Ufer getreten, dass der Weg nicht passierbar war. Also drehten wir und fuhren die Runde aus der anderen Richtung. Doch auch hier hatten wir weniger Glück mit Raubtieren als in Kenia oder im Addo Elephant National Park.

Also disponierten wir um und steuerten die letzte Schleife an, die wir noch nicht gefahren waren: die Rooiplaat Loop. Dies ist eine Ebene, die zwar landschaftlich nicht so spektakulär ist, dafür aber aufgrund des spärlichen Bewuchses gute Sichtungen ermöglicht. Aber auch hier sollte es mit größeren Tieren nicht klappen. Dafür achteten wir zunehmend darauf, was sich unten im Gras abspielt – und wurden belohnt. Wir entdeckten Hörnchen, Erdmännchen und Meerkatzen im tiefen Bewuchs.



Trotz wenig spektakulärer Sichtungen waren wir uns am Abend einig, dass wir unsere erste Selbstfahrer-Safari genossen haben und die tolle Landschaft einiges an fehlendem Raubtier-Glück wettmachte. Den Abend ließen wir im Cattle-Baron-Restaurant des Restcamps mit einem Bier und einem Steak ausklingen (27,50 €). Kaum lagen wir in den Federn, zog ein heftiges Gewitter auf. Es regnete ununterbrochen und sintflutartig, sodass wir immer wieder wach wurden.
Am nächsten Morgen fanden wir uns zeitig an der Rezeption ein, um das gebuchte Geparden-Tracking anzutreten – eines der Dinge, auf die wir uns im Vorfeld der Reise am allermeisten gefreut hatten. Denn man kann sich hier in Begleitung eines Rangers den freilebenden Geparden bis auf wenige Meter zu Fuß nähern. Doch leider beschied uns der freundliche SANParks-Mitarbeiter, dass es aufgrund der Regenfälle nicht möglich sei, durch das felsige Terrain zu den Raubtieren zu gelangen. Man finde auf den glatten, runden Steinen keinen Halt und die Gefahr eines Absturzes sei zu groß. Daher wurde die Unternehmung abgesagt. Wir könnten gerne morgen losziehen, fügte er an. Allerdings hatten wir uns schon im Addo Elephant Park eingebucht, sodass wir schweren Herzens absagten. Sollten wir irgendwann die Gelegenheit bekommen, wenn dieser verdammte Corona-Virus ausgestanden ist, werden wir das Geparden-Tracking aber sicherlich nachholen!
So blieb uns nichts anderes übrig, als langsam in Richtung Ausgang zu fahren. Dabei begegneten uns noch einige Antilopen, Zebras und Büffel. Doch in diesem Moment überwog die Enttäuschung, sodass wir den Anblick nicht mehr so richtig genießen konnten.

Hyänen und Löwen im Addo Nationalpark
Vom Mountain Zebra Nationalpark ging es gleich zum nächsten Tierreservat. Nach einem kurzen Tank (22,28 €)- und Einkaufszwischenstopp (9,64 €) in Cradock hatten wir eine knapp dreistündige Fahrt über Gebirgspässe und Hochebenen vor uns. Landschaftlich fanden wir die Strecke sehr schön und abwechslungsreich. Unterwegs gerieten wir in eine Polizeikontrolle, die wir allerdings folgenlos überstanden. Schließlich fuhren wir kurz vor Mittag durch das Main Gate in den Nationalpark. Eine kleine Randnotiz, die uns erschütterte, war: Als wir dem Ranger am Eingang einen schönen Tag wünschten, meinte er, wir seien die Ersten, die das tun, seit er hier arbeitet. Was ist nur mit den Menschen los?

Von der Kontrollstation ist es lediglich eine zweiminütige Fahrt zur Rezeption im Main Camp. Hier ging es bei unserer Ankunft gegen 11 Uhr recht trubelig zu. Als wir unsere Reservierung für ein Rondavel (133 €/Nacht) vorzeigten, machte die Dame hinter der Theke ein verwirrtes Gesicht. Sie ging nach hinten, sprach dann auf Afrikaans mit einer Kollegin und meinte, wir hätten die Nummer 3 gebucht. Es sei aber noch zu früh zum Einchecken. Wir sollten eine Fahrt durch den Park machen und später wiederkommen. Den Eintritt für zwei Nächte (72,15 €) beglichen wir sofort. Dann verabschiedeten wir uns einstweilen mit einer unguten Vorahnung, bewaffneten uns im Shop mit einer kalten Cola und brachen zu einem ersten Game Drive auf. Kleiner Tipp am Rande: Als Tagesgäste zahlt ihr den Eintritt pro Tag, als Übernachtungsgäste pro Nacht (also ist ein Tag frei!).
Erster Game Drive im Addo Elephant Nationalpark
Natürlich war die Mittagszeit erneut nicht optimal für spektakuläre Tiersichtungen, aber für eine erste Erkundung reichte es allemal. Schon nach wenigen hundert Metern hielten wir das erste Mal an, weil wir im Gras neben uns eine Bewegung wahrnahmen. Als wir genauer hinsahen, identifizierten wir einen Mungo, der die Umgebung ausspähte.

Kaum wieder angerollt, mussten wir auch schon wieder anhalten. Diesmal, weil eine große Schildkröte im Begriff war, die Straße zu überqueren. In Wildreservaten haben die Tiere natürlich Vorrang, sodass wir geduldig warteten und beobachteten.

Danach setzten wir unseren Weg fort. Das erste Ziel war der Domkrag Dam an der Nzipondo Loop. Hier darf man auf eigene Gefahr das Auto verlassen, was wir auch taten. Tiere sahen wir nicht, sollten aber am Abend feststellen, dass dies das bevorzugte Revier der Löwen im Park ist. Anschließend fuhren wir über die Gorah Loop zum Zuurkop Lookout Point. Von dort oben hat man einen tollen Ausblick über die tiefergelegenen Bereiche des Parks. Die Gorah Loop beherbergt vor allem zahlreiche Herdentiere: Antilopen, Zebras, Kudus und Warzenschweine kreuzten in großer Zahl unseren Weg. Besonders aufdringlich waren mitunter die Zebras, die sich als regelrechte Wegelagerer erwiesen und zu zweit oder dritt minutenlang die Straße versperrten. Sieht man von einem Singhabicht ab, bekamen wir zunächst nur Pflanzenfresser zu Gesicht. Dennoch war der erste Game Drive im Addo Nationalpark durchaus vielversprechend.





Irrungen und Wirrungen bezüglich unseres Rondavels
Ziemlich genau zur offiziellen Check-In-Zeit um 14 Uhr waren wir zurück an der Rezeption. Nun sagte die Dame plötzlich, sie könne den Schlüssel nicht finden, habe aber einen Ersatzschlüssel für uns. Wir fanden das Ganze langsam ziemlich seltsam, machten aber uns aber dennoch auf den Weg zu unserem Rondavel. Während Boris im Auto ein wenig aufräumte und die Siebensachen packte, wollte Sara probieren, ob der Schlüssel überhaupt passt, ehe wir alle Koffer zur Rundhütte schleppten. Als sie nicht sofort zurückkehrte, ging Boris hinterher. Er fand sie im Gespräch mit einem deutschen Paar. Die beiden behaupteten, dass sie sich hier ebenfalls für zwei Nächste eingemietet hätten. Sie seien bereits gestern hier angekommen. Nun wurde es komisch! Sollte hier eine Doppelbuchung vorliegen?

Also kehrten wir zur Rezeption zurück und schilderten den Verantwortlichen die veränderte Lage. Die Verwirrung war groß! Plötzlich herrschte Betriebsamkeit und gleich mehrere Personen forschten nach, was hier los sein könnte. Sie schickten sogar jemanden los, der sich bei den Rondavels umschauen und die Lage checken sollte. Minutenlang warteten wir und dachten schon, wir müssten uns noch irgendwo außerhalb des Parks eine Unterkunft suchen. Doch die Erklärung war ganz einfach: Die Leute in unserem Rondavel hätten eigentlich für die zweite Nacht das Rondavel wechseln sollen. Allerdings hatten sie keine entsprechende Anweisung erhalten. So bezogen wir die Nummer 2 und alles war gut.
Übrigens stellte sich nun heraus, dass das deutsche Paar, mit dem wir um die Nummer 3 „konkurriert“ hatten, aus Netphen kam. Sie meinten, sie hätten gleich gedacht, dass wir uns nach Siegerländern anhören. Interessant war, dass wir gemeinsame Bekannte hatten. Die Welt ist wirklich ein Dorf. Da fliegt man knapp 12 Stunden, nur um dann innerhalb weniger Tage zweimal Siegerländer zu treffen…


Löwen auf der Woodlands-Loop
Nachdem wir eingecheckt und ein paar Cracker und etwas Brot mit Käse gegessen hatten, brachen wir gegen 16 Uhr zum zweiten Game Drive auf. Klares Ziel: Wir wollten Löwen sehen! Also schauten wir vorher im Main Camp vorbei. Dort befindet sich eine Karte, auf der Besucher die jüngsten Sichtungen markieren können. Die Raubkatzen hatten sich demnach zuletzt vermehrt im Bereich zwischen „Woodlands“ und „Gorah Loop“ aufgehalten. Also machten wir uns geradewegs dorthin auf den Weg. Und tatsächlich: Wenig später bemerkten wir, dass mehrere Fahrzeuge in einer Reihe am Straßenrand parkten – ein untrügliches Zeichen für eine spektakuläre Sichtung! Allerdings waren die beiden Löwen mindestens 100 Meter entfernt und ziemlich schläfrig und träge. Dennoch hielten auch wir und beobachteten die majestätischen Tiere eine ganze Weile. Zu diesem Zeitpunkt waren wir einfach nur glücklich mit der Entdeckung und ahnten noch nicht, dass es am letzten Safaritag deutlich besser kommen sollte.

Die verbliebenen zwei Stunden bis zur Schließung der Gates nutzten wir dazu, die restlichen Schleifen im Nordteil des Addo Elephant Parks zu erkunden. So steuerten wir nacheinander die Wasserlöcher Janwal Pan, Hapoor Dam und Rooidam sowie Gwarrie Pan an. Am Kaddouw Lookout Point stiegen wir kurz aus und genossen den Fernblick. Leider war der Sonnenuntergang noch nicht so weit fortgeschritten, dass die Bilder etwas hermachen. Wahnsinnig viele Tiere sahen wir – außer dem üblichen Verdächtigen – nicht mehr. Ein Hase, ein Schabrackenschakal und zwei kämpfende Zebras waren noch die spektakulärsten Begegnungen.




Als wir die Hoffnung auf weitere Highlights schon aufgegeben hatten und auf schnellstem Wege zurück zum Main Camp fahren wollten, um pünktlich zur Gate-Schließung dort zu sein, geschah es: Wir bogen um eine Kurve, als plötzlich ein großer Elefant auf der Straße stand. Zuvor hatten wir schon darüber gescherzt, dass der Name des Parks nur eine Touristenfalle sei und es hier überhaupt keine Elefanten gebe.
Wir zuckelten eine ganze Weile hinter dem Giganten her, da wir Respekt davor hatten, ihn auf der engen Piste einfach zu überholen. Im Vergleich zu unserem Mietwagen war das Tier mindestens doppelt so hoch. Er hätte also eine ganz schöne Delle in die Tür treten können. Irgendwann wurden wir schließlich nervös, denn die Gate-Schließung rückte näher und die Strafen bei Missachtung sind horrend. Doch bald hatte der Dickhäuter ein Einsehen und verschwand links in den Büschen, sodass wir – abgesehen von Wegelagernden Zebras – ohne weitere Zwischenfälle zum Ausgang kamen. Die Uhr zeigte 18.27 Uhr – drei Minuten vor Toresschluss. Sowas nennt man wohl eine Punktlandung!
Im Rondavel angekommen, duschten wir und machten uns fertig, die Einrichtungen des Camps zu erkunden. Zunächst zog es uns zum beleuchteten Underground Hide, wo sich allerdings kein Tier blicken ließ. Sehenswert ist das Interpretive Center, wo es zahlreiche Infos zu den hier lebenden Tieren und der Geschichte des Wildreservats gibt. Hier erfuhren wir unter anderem, dass die Geparden, Leoparden und Nashörner eher in den nördlichen Bereichen des Parks leben (Zuurberg, Kabouga). Nachdem wir mittags bereits einen Tisch im Cattle Baron gebucht hatten, fanden wir uns um 19.30 Uhr dort ein und ließen den Abend bei einem Burger, einem Chateaubriand und einem kühlen Bierchen ausklingen (36,59 €). Dabei trafen wir die Nachbarn aus Netphen wieder, die am Nachbartisch saßen. Wir unterhielten uns ein wenig mit ihnen und gingen schließlich gemeinsam zurück zur Unterkunft. Dann legten wir uns schnell in die Federn, um am nächsten Morgen halbwegs fit zu sein.
Hyänen am Morgen vertreiben Kummer und Sorgen
Da die Gates für Übernachtungsgäste früher öffnen (5.30 Uhr) als für Tagesgäste von außerhalb (6 Uhr), wollten wir den Vorsprung unbedingt nutzen. Zudem sind die Raubtiere zu dieser Zeit am aktivsten. Am Vorabend hatten wir von unseren Gesprächspartnern aus der Heimat erfahren, dass sie bei einem geführten Game Drive Hyänen am Rooidam gesehen hatten. Wir beschlossen, zunächst bei den Woodlands zu schauen, ob die Löwen noch dort sind. Dies war nicht der Fall – oder zumindest entdeckten wir sie nicht.

Also beeilten wir uns, zum Rooidam zu kommen, um dort unser Glück mit den Hyänen zu versuchen. Dieser Gedanke zahlte sich aus! Wir waren die einzigen, die hier am Wasserloch standen. Sofort ließen sich drei Hyänen blicken. Es war stockdunkel und die Szenerie wurde nur von unseren Scheinwerfern beleuchtet. Der Vater nahm ein ausgiebiges Bad im Wasser, während Mutter und der Nachwuchs über die Wiese direkt auf uns zu kamen. Wir überlegten noch, ob wir unser Fenster offen lassen konnten, denn die Tiere sind in der Realität deutlich größer, als man aus dem Fernsehen annehmen würde. Der Kleine war sehr neugierig, schlich um unser Auto und legte sich direkt im angrenzenden Grünstreifen ab. Da es nun immer heller wurde, konnten wir einige Fotos von den Raubtieren im Morgenlicht schießen. Leider kam nach einer Viertelstunde ein weiteres Auto. Einer der Insassen fand es furchtbar lustig, zu pfeifen und dämliche Geräusche zu machen. Also war die tolle Atmosphäre dahin. Wir hatten aber ohnehin einige gute Fotos gemacht, sodass wir ohne großes Hadern weiterfuhren.




Der Süden: Elefanten ohne Ende
Das nächste Ziel war der Südteil des Addo Elephant National Parks. Wir hatten gehört, dass dort besonders viele Elefanten leben – was sich durchaus bewahrheiten sollte. Auf dem Weg gen Süden nahmen wir Umwege über die Mpunzi Loop und die Mbalala Loop in Kauf. Beide waren aber von dichtem Bewuchs gesäumt, sodass wir hier nicht viel zu sehen bekamen. Sobald wir auf die Ngulube Loop im Süden einbogen, wurde die Elefanten-Dichte groß. Teilweise einzeln, teilweise in großen Herden – und mit vielen Jungtieren – waren die Dickhäuter unterwegs. Zweimal mussten wir sogar den Rückwärtsgang einlegen, um Bullen den nötigen Platz auf der Straße einzuräumen.






Da sich unsere Tanknadel bedenklich dem Leerstand näherte, sahen wir uns gezwungen, beim Mathyolweni Gate ganz im Süden aus dem Park herauszufahren und in Colchester zu tanken (21,93 €). Dabei stellten wir fest: Je weiter man in den Süden fährt, desto beeindruckender wird die Landschaft. Schließlich grenzt die Savanne direkt ans Meer. Der Addo Park wurde in den letzten Jahren immer mehr erweitert und nennt sich heute der einzige Big-7-Park der Welt. Denn auch eine Meeresschutzzone gehört nun zum Reservat. Hier leben unter anderem Wale, Delfine und Weiße Haie.

Der lange Weg zurück ins Main Camp
Nun wurden wir langsam müde. Es war inzwischen 9.30 Uhr und wir fuhren bereits vier Stunden über die holprigen Pisten. Außerdem hatten wir Lust auf ein kaltes Getränk. Man sollte es ja nicht meinen, aber Safaris können wirklich anstrengend sein! Auf dem Rückweg ins Main Camp begegneten uns erneut viele Zebras, Antilopen, Büffel, Elefanten, Strauße, Warzenschweine und Vögel. Zusätzlich hielten wir bei Jack’s Picnic Site, wo sich die einzige Toilette außerhalb der Camps befindet, und beim Spekboom Hide. Hier waren allerdings keine Tiere zu sehen.






Wenig Tiere, dafür Löwen ganz nah
Nach unserer Rückkehr kochten wir mittags Fertignudeln (die schmeckten wie ein Schlag vor den Kopp) und chillten danach im Rondavel. Wir lasen, spielten einige Runden „Ganz schön clever“ und sortierten Bilder aus. Erst gegen 17 Uhr brachen wir zum abendlichen Game Drive auf. Zu sehen gab es erstaunlich wenig, was aber kein großes Problem war. Wir hatten ja schon einiges an Glück gehabt. Um 19 Uhr zog es uns erneut ins Cattle Baron Restaurant (27,72 €).
Am nächsten Morgen hatten wir nur noch ein Ziel: große Raubtiere! Die gängigen Parkbewohner entlockten uns nach drei Safari-Tagen kaum noch ein Schulterzucken. „Ach, schon wieder ein Zebra!“ oder „Toll, eine Antilope“ kommentierten wir Sichtungen lakonisch. Als Ausgangspunkt für die Suche nach Löwen, Geparden oder Hyänen nahmen wir wieder die Woodlands-Loop. Hier war jedoch gar nichts los. Also ging es weiter auf die Gorah Loop. Hier sollten wir schließlich Glück haben!

Von weitem sahen wir, dass ein parkeigener Safari-Jeep längere Zeit an einer Stelle stand. Bald gesellte sich ein weiteres Fahrzeug hinzu. Verdächtig… Also fuhren wir auf direktem Wege dorthin. Und tatsächlich: Direkt am Straßenrand lagen ein weiblicher und ein männlicher Löwe! Erinnerungen an unser tolles Erlebnis im kenianischen Tsavo Ost Nationalpark wurden wach. Damals sahen wir mehr Löwen, diesmal aber endlich mal ein Männchen mit richtiger Mähne. Wie groß diese Tiere sind, wenn man sich bis auf zwei oder drei Meter nähert… Magisch! Vorsorglich schlossen wir die Fenster soweit, dass nur noch das Objektiv hindurchpasste – auch, weil die Löwen Scheinangriffe auf den Safari-Jeep und ein weiteres Fahrzeug starteten. Um die Könige der Tiere nicht zu sehr zu behelligen, lösten wir uns schweren Herzens aus der Situation und fuhren weiter.



Der Rückweg ins Main Camp verlief recht unspektakulär. Außer quirligen Mungos und Warzenschweinen lief uns niemand mehr über den Weg. Daher nutzten wir die Zeit bis zum Check-Out um 11 Uhr auch nicht mehr aus. Zudem beschlossen wir, genug Safari erlebt zu haben. Zur Debatte hatte gestanden, durch den kompletten Park in Richtung Südausgang zu fahren und von dort an der Küste entlang in Richtung Port Elizabeth und Tsitsikamma. Wir entschieden uns aber dagegen und nahmen die Strecke über den Ort Addo. Zuvor kauften wir im Main Camp fürs Frühstück im Stormsriver Mouth Restcamp ein (9,92 €).



Wandern im Tsitsikamma-Nationalpark
Nach vier Tagen im Mountain Zebra Nationalpark und im Addo Elephant Nationalpark hieß es am Morgen des 14. März 2020 Abschied nehmen von den Safari-Gebieten. Nun sollte es für exakt eine Woche auf die Garden Route gehen – jene weltbekannte Küstenstraße, die Port Elizabeth mit Kapstadt verbindet. Im engeren Sinne bezeichnet die Garden Route das 370 km lange Teilstück der Nationalstraße N2 zwischen Port Elizabeth im Osten und Mossel Bay im Westen. Somit liegen Orte wie de Hoop, Kap Agulhas, Gansbaai und Hermanus eigentlich schon außerhalb dieses Gebietes. Oftmals werden diese aber im Wortsinn eingegliedert.

Nun aber genug der grauen Theorie und hinein in den Reisebericht. Nach 230 km und zweieinhalb Stunden Autofahrt legten wir mittags um 12:30 Uhr einen Zwischenstopp am Rasthof bei der Paul Sauer Bridge im ehemaligen Tsitsikamma und heutigen Garden Route Nationalpark ein. Wir tankten voll (24,11 €) und aßen schnell einen Burger und eine Portion Pommes (8 €). Irgendwie war es ein komisches Gefühl, nach mehreren Tagen in der Wildnis plötzlich auf einem großen Rastplatz mit Shops, Reisebussen und jeder Menge Trubel zu stehen. Also machten wir schnell ein Foto und fuhren weiter. Einen Halt beim „Big Tree“ sparten wir uns. Große Bäume hatten wir auch früher schon gesehen, unter anderem im Yosemite Nationalpark in Kalifornien. Stattdessen staunten wir über die Landschaft. Es sah so vollkommen anders aus als wir erwartet hatten. Irgendwie mehr nach Kanada oder Schweden als nach Afrika. Immer wieder wurde uns auf der Rundreise bewusst, wie sehr der Slogan „Die Welt in einem Land“ auf Südafrika zutrifft.

Ankunft im Storms River Mouth Restcamp

Bald darauf standen wir am Eingang zum Storms River Mouth Restcamp (133 €/Nacht), das oftmals auch als Tsitsikamma Nationalpark bezeichnet wird. Ganz korrekt ist das nicht: Der Tsitsikamma Nationalpark hat eine Fläche von 640 km². Er ist also weit mehr als nur das Areal rund um die Mündung des Storms River. Zudem ging er 2009 im größeren Garden Route Nationalpark auf.
An der Schranke begegneten uns jedenfalls zum ersten Mal Menschen mit Mundschutz und Handschuhen. Zu dieser Zeit wütete das Corona-Virus bereits in weiten Teilen der Welt. In Südafrika war es noch ruhig, weshalb wir noch wenig davon mitbekamen. Ein bestätigter Fall stand lediglich zu Buche. Wie auch immer – das Prozedere ging flott vonstatten und wir wurden zur Rezeption durchgewunken. Dort berappten wir für zwei Nächte 55 € Eintritt und erhielten die Schlüssel zu unserer HC2-Hütte. Wir erhielten die Nummer 9b, was sich als perfekt herausstellte. Nach Erkunden des Parks waren wir uns einig: Die Nummern 8a-11 sind die am besten gelegenen Unterkünfte im gesamten Areal.





Wanderung zur Suspension Bridge

Da es kalt und ungemütlich war, beschlossen wir, zunächst abzuwarten und ein wenig zu lesen. Als es schließlich zumindest etwas aufklarte, nutzten wir die Gunst der Stunde und brachen auf zur Suspension Bridge. Diese ist nur circa 1 km entfernt und über mehrere Stufen und Boardwalks zu erreichen. Auch wenn die Distanz gering ist, sollte man sich nicht vertun. Einige ältere Menschen kehrten ob der Steigungen um. Hinzu kamen recht schwüle Witterungsbedingungen – eigentlich logisch, da es sich um einen Regenwald handelt. Wir hatten dennoch wenig Mühe, zur Suspension Bridge zu gelangen. Auf dem Weg und am Ziel machten wir einige Bilder und traten schließlich den Rückweg an. Glück hatten wir, dass aufgrund des Wetters und der fortgeschrittenen Tageszeit hier kaum etwas los war.


Auf dem Rückweg hielten wir beim Park-Shop an und kauften für das Frühstück ein. Außerdem erstanden wir ein Sixpack Windhoek Lager sowie Rot- und Weißwein. Wir waren schon ziemliche Suffköppe in Südafrika… 😉
Am Abend speisten wir – wie von den vorherigen Nationalparks gewohnt – im Cattle Baron (36,59 €). Hier hatten wir auch mal wieder WLAN und bekamen mit, dass sich die Lage rund um das Corona-Virus in Deutschland deutlich zuspitzte. Manche Menschen daheim machten sich offenbar auch Sorgen um uns. Doch wir blieben recht locker. Hier war ja alles in Ordnung. So schlimm würde es schon nicht werden…
Regen, Regen und nochmal Regen in Tsitsikamma
Hatten wir am Vortag noch gehofft, das Wetter würde sich bessern, so zerschlug sich dieser Gedanke recht schnell. Es regnete praktisch in einer Tour. „Na, dann nutzen wir eben die Zeit zur Erholung von den Safaris und gammeln ein wenig“, dachten wir. Gesagt, getan! Wir spielten, lasen, bearbeiteten die Fotos der letzten Tage und versuchten uns daran, mit Rei in der Tube in der Dusche zu waschen. Leider mussten wir feststellen, dass die Wäsche nicht trocknete. Also fuhren wir zurück zur Rezeption, um Münzen für die Laundry zu tauschen. Dann stellten wir den Trockner auf dem Campingplatz an, kehrten zurück in unsere Hütte und holten die leidlich trockene Wäsche anderthalb Stunden später wieder ab. Da manches noch immer klamm war, hängten wir einzelne Teile über die Standheizung in unserer Hütte. Irgendwie gelang es, dass am folgenden Morgen alles trocken war. Umständlich war es dennoch…
Schön war allerdings – trotz Regen und Sturm – der Blick aus den Panoramafenstern unserer Hütte direkt auf den Indischen Ozean. Auch die kleinen Dazzies (Klippschiefer), die zu hunderten auf dem Gelände umherwuselten, waren schön anzuschauen. Hier einige Bilder der kleinen Geschöpfe, die übrigens – so kurios es klingen mag – die nächsten Verwandten von Elefanten sind.




Als das Wetter kurz etwas besser wurde, beschloss Boris, dass er Auslauf dringend nötig hätte. Wenn schon geplante Aktivitäten wie der erste Abschnitt des Otter Trails oder eine Kanufahrt zur Suspension Bridge ins Wasser fielen, musste wenigstens ein kleiner Ersatz her. So machte er sich auf den Weg zum Blue Duiker Trail, der oberhalb der Küste zu einem Aussichtspunkt führt. Leider wirkte das Panorama bei dem trist-grauen Regenwetter überhaupt nicht. Dafür war es ein ganz nettes Erlebnis, durch den dichten Regenwald zu spazieren. Ein gewisser Nervenkitzel war auch dabei. Immerhin leben hier Leoparden und mehrere Arten von Giftschlangen, vor denen auf Warntafeln stets gewarnt wird. Gesehen haben wir diese aber nicht. Auf den letzten Metern zur Hütte begann es wieder richtig heftig zu schütten, sodass der Wandersmann klatschnass und im Dauerlauf zurückkehrte. Schließlich klang der Tag nach einem erneuten Shop-Einkauf (5,91 €) bei einem leckeren Essen im Cattle Baron (17,05 €) aus.


Ist das tatsächlich die Sonne?
Kaum zu glauben, aber wahr: Auch an der Mündung des Storms River in den Indischen Ozean kann die Sonne scheinen! Als wir am letzten Morgen unseres Aufenthalts aufstanden, blitzte die Sonne durch die Gardinen. Also zauderten wir nicht lange, packten unsere Siebensachen zusammen, ließen den Schlüssel in der Hütte zurück (das galt als Auschecken) und steuerten das andere Ende des Camps an. Hier beginnt der berühmte Otter Trail, ein Fernwanderweg, der bis zum Nature’s Valley führt. Das war übrigens unser zweites Ziel an diesem Tag – auch wenn wir die 38 km dorthin mit dem Auto zurücklegten. Aber dazu mehr im nächsten Blog-Beitrag.
Zunächst nahmen wir den Waterfall Trail unter die Füße. Dies sind die ersten 7 km des Otter Trails. Wir gingen allerdings nur die erste Hälfte bis zur Guano Cave und kehrten dann um, weil wir noch einiges vor hatten. Das Gekraxel über die Felsen an der Küste benötigte doch mehr Zeit als gedacht. Außerdem wollten wir den Trail eigentlich schon am Vortag gegangen sein, was aber sprichwörtlich ins Wasser gefallen war. Also gerieten wir etwas in Verzug. Wie es weitergeht, erfahrt ihr im nächsten Eintrag.


Malerische Küste: Die Garden Route
Beeindruckend, urtümlich, einsam, unberührt, malerisch, vielseitig: Wer die Garden Route beschreiben möchte, findet mit Leichtigkeit zahlreiche schmeichelhafte Adjektive. Dabei wunderten wir uns stellenweise gerade zu Beginn, warum dieser Landstrich so hochgelobt wird. Denn sobald man sich von der Küste entfernt, sieht es gerade zu Beginn zwischen Port Elizabeth und Plettenberg Bay teilweise aus wie im Siegerland oder auf dem Westerwald: Landwirtschaft, Weiden, Hügel und Wälder kennen wir von zu Hause auch. Wann immer wir allerdings ans Meer kamen, waren wir vollkommen überwältigt von der Schönheit der Natur.
Nature’s Valley – wo der Name Programm ist

Mehr pure Naturschönheit geht nicht – und doch läuft Nature’s Valley irgendwie noch unter dem Radar. In Reiseführern und auf vielen Blogs sucht man diesen Namen vergeblich – zum Glück für uns! Denn das kleine Dorf war bei unserem Besuch im März wie ausgestorben. Nur zwei andere Autos standen auf dem Parkplatz nahe der Groot-River-Lagune, die hier in den Indischen Ozean mündet. Ganz nebenbei gibt es hier einen der schönsten Strände, die wir in Südafrika gesehen haben. Kilometerlang, menschenleer und feinsandig – genau so wünscht man sich das!
Noch besser für uns war die Tatsache, dass außer einem anderen Paar offenbar niemand etwas vom Pig’s Head gehört hatte. Dieser Felsen erhebt sich majestätisch über den Strand von Nature’s Valley. Er ist nach einem kurzen, aber steilen Fußmarsch zu erreichen und bietet wunderschöne Ausblicke über den Indischen Ozean. Hier endet übrigens auch der weltbekannte Otter Trail, der seinen Anfang im Storms River Mouth Restcamp nimmt. Nun lüften wir das Geheimnis, wie ihr den Pig’s Head erklimmen könnt: Haltet euch vom Lagunen-Parkplatz aus links. Nach etwa 200 m gelangt ihr an das Rinnsal, welches die Lagune mit dem Meer verbindet. Zieht die Schuhe aus, krempelt die Hose hoch und watet hindurch. Vorsicht: Das Wasser ist kalt! 😉 Dann geht ihr geradeaus am Meer entlang, bis ihr an den bewaldeten Hängen ein Schild seht, das zu einem Restcamp für Otter-Trail-Wanderer führt. Diesem Weg folgt ihr in den Wald. Nachdem ihr die Hütten passiert habt, biegt ihr rechts ab und geht weitere 500 m steil bergauf. Dann eröffnet sich euch dieses spektakuläre Panorama:



Nach dem Abstieg wurden wir langsam hungrig, sodass wir uns dazu entschieden, im Ort etwas zu essen. Im Nature’s Valley Restaurant & Pub probierte Boris einen Burger mit Straußenfleisch. Er schmeckte wirklich gut, kam aber nicht an das Springbock-Carpaccio heran. Auch hier erwies sich das Essen wieder als sehr preiswert. Wir zahlten irgendwas um die 10-15 €. Nun erreichten uns Nachrichten aus Deutschland, dass die Corona-Krise richtig Fahrt aufnahm. Auch Flugstreichungen standen zu befürchten. Wir überflogen schnell einige Zeitungsartikel, beschlossen aber, uns den Urlaub nicht vermiesen zu lassen. Dann brachen wir nach Plettenberg Bay auf.
Viel los beim Robberg Nature Reserve

Ganz im Gegensatz zum Nature’s Valley ist das Robberg Nature Reserve (5,50 €) westlich von Plettenberg Bay offensichtlich kein Geheimtipp mehr. Kaum hatten wir die Schranke am Eingang des Areals passiert, parkten schon zahlreiche Autos an der Straße. Trotz heftigem Wind und kühlen Temperaturen war hier mächtig was los. Zurecht allerdings, wie wir bald feststellten. Denn die wenige Kilometer große Halbinsel steckt voller toller Natur. Leider schafften wir aufgrund der fortgeschrittenen Tageszeit nur den mittleren von drei Wanderwegen und bekamen so die Robbenkolonie nicht zu Gesicht, die hier lebt. Für einen Einblick in die wunderschöne Landschaft reichten die zwei Stunden aber allemal.



Wilderness – für uns die Perle der Garden Route
Dass wir unsere Unterkunft im etwa eine Stunde entfernten Wilderness gebucht hatten, erwies sich als goldrichtige Entscheidung. Im Wilderness Ocean B & B (92 €/Nacht) fanden wir alles, was wir lieben: Viel Ruhe und Abgeschiedenheit, extrem nette Vermieter, mehrere tolle Restaurants und Bars, die durch eine kurze Fahrt erreichbar waren, sowie einen wahnsinnig prallen Strand zu unseren Füßen. Am Abend sahen wir sogar eine große Delfinschule vorbeiziehen. Viel mehr geht nicht!




Schon bei unserer Ankunft wurden wir herzlich begrüßt. Das Ambiente war toll. Mit viel Liebe zum Detail haben die Inhaber das Gebäude renoviert und eingerichtet. Ebenso liebevoll bereitete die Hausherrin jeden Morgen ein Drei-Gang-Frühstücksmenü vom Allerfeinsten zu. Gleich fühlten wir uns wie zu Hause. Dazu trug auch bei, dass Sprachbarriere wegfiel: Die Betreiber sprechen deutsch, englisch, französisch und flämisch. Da die Situation rund um das Corona-Virus immer ernster wurde, klärten sie uns darüber auf, dass die Mehrzahl der Flüge von und nach Südafrika gestrichen worden sei. Zudem boten sie uns an. dass wir einen Monat zu einem mehr als fairen Kurs bei ihnen bleiben könnten, sofern wir Probleme bei der Ausreise bekommen. Ein tolles Angebot von tollen Menschen, die wir bei unserer nächsten Südafrika-Reise sicher wieder besuchen werden.
Am Abend kehrten wir im coolen Cocomo Wilderness ein. In dem Restaurant, das – wie das gesamte Ortszentrum – an Kalifornien erinnerte, spielte ein Alt-Hippie Musik der 60er- und 70er-Jahre. Das machte Spaß und kostete nur 19,24 € inklusive zwei Bier. Toll auch, dass es in Wilderness problemlos möglich war, nach Einbruch der Dunkelheit durch die Bars zu ziehen. Das geht ja nicht überall in Afrika! Am Nachbartisch saßen übrigens zwei Deutsche, mit denen wir uns über die Epidemie unterhielten. Waren wir schon locker, so gingen sie beinahe fahrlässig damit um. Sie würden seit drei Wochen keinerlei Nachrichten verfolgen und hätten auch nicht vor, das bis zum Abflug zu ändern. Ich wüsste gerne, ob sie nach Hause gekommen sind…
Gericke’s Point in Sedgefield

Nachdem wir gestern ein volles Programm hatten, wollten wir es nun etwas ruhiger angehen lassen. Also beschlossen wir, auf einen Besuch der Knysna Lagune zu verzichten, zumal uns die Fahrt durch die Stadt am Vortag nicht sonderlich gut gefallen hatte. So fuhren wir lediglich die kurze Strecke nach Sedgefield und wanderten über den Strand zum Gericke’s Point. Weitere Worte erübrigen sich beim Blick auf die Bilder…


Map of Africa und Dolphins Viewpoint
Danach ging es zurück nach Wilderness. Wir folgten dem Tipp der Vermieterin und aßen einheimische Gerichte beim Flava Café (20,26 €), ehe wir gut gestärkt zum Map of Africa Viewpoint weiterzogen. Die Hügel sehen tatsächlich aus wie eine Afrika-Karte. Erkennt ihr es? Auf der gegenüberliegenden Seite des Parkplatzes ergeben sich übrigens tolle Blicke über den Strand von Wilderness. Nach einem kurzen Einkauf im Supermarkt (19,78 €) und einer Volltankung (13,52 €) erfolgte der nächste Stopp beim Dolphins Viewpoint am Ortsausgang. Wieder stellten wir fest, dass die Straßenhändler in Südafrika sehr viel unaufdringlicher sind als in Ostafrika. Wir belohnten sie dennoch unfreundlicherweise nicht mit einem Kauf und steuerten stattdessen unser Guesthouse an. Den Rest des Tages verbrachten wir am Strand und im Garten mit Lesen und Würfelspielen. Abends gönnten wir uns eine Flasche Wein, sodass wir gut einschlafen konnten. Am folgenden Morgen checkten wir pünktlich aus, um den Tag im de Hoop Nature Reserve ausnutzen zu können.



Von Dünen, Pinguinen und Stachelrochen
Beim Aufbruch in Wilderness waren wir aus zweierlei Gründen ein wenig traurig: Zum einen hatte es uns hier extrem gut gefallen und wir wären gerne noch länger geblieben. Zum anderen neigte sich unser Roadtrip durch Südafrika allmählich dem Ende entgegen. Wobei: So ganz genau wussten wir das zu diesem Zeitpunkt nicht, denn es wurden aufgrund der weltweit fortschreitenden Corona-Epidemie immer mehr Flüge gestrichen. Was uns beruhigte, war die Aussicht, dass wir notfalls nach Wilderness zurückfahren und dort für mehrere Wochen bleiben könnten. Nicht nur, dass wir uns bei den Vermietern heimisch fühlten, es gibt dort auch eine Hausarzt-Praxis, einen Friseur, einen Waschsalon, Einkaufsmöglichkeiten, Restaurant – kurz: alles, was man zum Leben braucht. Außerdem hatten wir so vieles in der Umgebung noch nicht gesehen, dass wir uns die Zeit locker hätten vertreiben können: die beinahe alpine Gegend im Landesinneren, die Städte Plettenberg Bay und Knysna, diverse Tierparks – uns würde hier sicherlich nicht langweilig werden…
Holprige Fahrt zum de Hoop Collection
Aber fürs Erste wischten wir all diese Gedanken beiseite und freuten uns auf das, was noch vor uns lag. Das waren zunächst knapp zweieinhalb Stunden Fahrt über die gut ausgebaute N2 nach Swellendam und anschließend eine weitere Stunde Geruckel über holprige Sand- und Kiespisten bis zum de Hoop Nature Reserve. So standen wir gegen 13.30 Uhr am Eingang zum Schutzgebiet. Dort empfing uns ein mit Mundschutz ausgerüsteter Ranger, bei dem wir unsere Daten in eine Liste eintrugen. Dann durften wir passieren! Offenbar war das Virus nun auch im südlichen Afrika angekommen…
Wohnen in Gebäuden aus der kapholländischen Zeit



Schon auf der Fahrt zum de Hoop Collection (142 €), einem weitläufigen Camp mit Bauwerken aus der Zeit der Ostindischen Kompanie um das Jahr 1700, sahen wir viele Antilopen im offenen Terrain. Die Tiere waren nicht sonderlich scheu, sondern spazierten arglos zwischen den Häusern umher. Das ergab natürlich gute Möglichkeiten, ein paar brauchbare Fotos zu schießen. Außerdem ist das Areal von einer Flusschleife umgeben, die an eine Brackwasser-Lagune angrenzt. Dort leben unzählige Vogelarten vom Eisvogel bis zum Flamingo. Schön war auch, dass hier nicht viel los war. Wohl auch wegen der abgeschiedenen Lage und den begrenzten Unterkünften ist das de Hoop Nature Reserve offenbar auch heute noch ein kleiner Geheimtipp, den nicht alle Südafrika-Urlauber auf der Rechnung haben.



Spiel und Spaß in den Dünen
Die Hauptattraktion des de Hoop Nature Reserves sind die beeindruckenden Sanddünen. Erreichbar sind sie nach einer kurzen Fahrt zum Koppie Alleen Beach Parking. Hierzu muss man gar nicht viel sagen, außer: Wow! Soweit das Auge reicht nur weißer Sand und türkisfarbenes Meer. Wir waren sofort wieder kleine Kinder und machten „Sprungfotos“ ohne Ende. Boris rollte sich mit Schwung eine Düne hinab und hatte danach tagelang Sand in den Ohren und der Nase. Aber egal: Das musste einfach ordentlich abgefeiert werden! Wenn ihr mal dorthin kommt, werdet ihr sofort wissen, was wir meinen. Leider können Bilder das Gesehene und Erlebte nicht wirklich wiedergeben. Es ist in Wirklichkeit deutlich spektakulärer als auf den Fotos, soviel können wir euch versprechen.



Nach so viel Action ließen wir es für den Rest des Tages ruhiger angehen: Nach einer ausgiebigen Dusche (um wenigstens einen Teil des Sandes loszuwerden) spielten wir noch eine Runde und gingen abends zum Essen ins benachbarte Restaurant. Der Preis war für südafrikanische Verhältnisse hoch (50,38 €), aber man muss auch konstatieren, dass das Drei-Gänge-Menü ebenso hochwertig war. Schließlich schlenderten wir unter dem sternenklaren Himmel zu unserem Haus zurück. Wir versuchten noch, die gut sichtbare Milchstraße zu fotografieren, scheiterten aber mangels lichtstarkem Objektiv und Stativ krachend und legten uns schlafen.
Rochen im Hafen von Struisbaai
Am nächsten Morgen checkten wir um 9 Uhr aus und fuhren etwa anderthalb Stunden über sandige Pisten in Richtung Kap Agulhas. Bei vorgeschriebenen 40 km/h wurden wir immer mutiger und fuhren schließlich 60-70 km/h. Dennoch überholten uns die einheimischen Farmer immer wieder mit mindestens 100 km/h – und das auf diesem Untergrund! Respekt! Einen Zwischenstopp legten wir im Hafen von Struisbaai ein. Wir hatten gehört, dass sich dort regelmäßig Stachelrochen in Ufernähe herumtreiben, die auf Abfälle der Fischer spekulieren. Und tatsächlich: Wir konnten gleich mehrere Rochen beobachten, die am Strand ihre Kreise drehten.

Wo sich die Ozeane treffen: Das Kap Agulhas
Nur rund eine Viertelstunde entfernt von Struisbaai befindet sich der südlichste Zipfel des afrikanischen Festlandes. Zugleich markiert das Kap Agulhas den Zusammenfluss von Indischem und Atlantischem Ozean. An dem besagten Punkt steht ein Schild, an dem wir – wie alle Touris – ein Selfie machten. Das bleibt allerdings privat. 😉 Wenige hundert Meter weiter liegt in Küstennähe ein Schiffswrack, welches ein ansprechendes Fotomotiv darstellt. Selbiges gilt für den Leuchtturm, der am Ortsrand von Kap Agulhas zu finden ist. Wir benötigten alles in allem nur rund eine Stunde, um die Sehenswürdigkeiten zu erkunden. Dann gönnten wir uns eine Portion sehr guter Fish & Chips bei L’Agulhas Seafood in dem durchaus schönen Ferienort und fuhren weiter zu unserem nächsten Ziel.


Stippvisite im Walker Bay Nature Reserve
Anderthalb Stunden dauerte die Fahrt nach De Kelders, wo wir uns eine Stunde lang das Walker Bay Nature Reserve anschauten. Eigentlich waren die Klipgat Caves unser Ziel. Weil es aber zu heiß für große Klettertouren war und der Weg dorthin obendrein sehr zugewuchert, ließen wir es dabei bewenden, den Anblick des wunderschönen, türkisblauen Meeres eine Weile zu genießen. Kaum zu glauben, dass in dieser Idylle die größte Dichte an Weißen Haien weltweit leben soll, oder?


Leckeres Essen und Hiobsbotschaften in Hermanus
Dann ging es auf die letzte Etappe nach Hermanus, wo wir uns in der Beachfront Lodge (86 €) eingemietet hatten. Das kleine Hotel gefiel uns sehr gut. Es war unmittelbar am Strand gelegen. Leider hatte es sich zwischenzeitlich wieder stark zugezogen, sodass es nicht in Frage kam, sich mit einem Buch ans Meer zu legen. Stattdessen erkundeten wir die Gegend und gingen etwas auf dem Küstenwanderweg spazieren. Dabei entdeckten wir eine Bucht, in der wir es uns am folgenden Tag gemütlich machen wollten. Dann mussten wir wieder zurück, um rechtzeitig im Walker Bay Grill zu sein. Die Rezeptionistin hatte uns dort für 19 Uhr einen Tisch reserviert. An dieser Stelle eine klare Empfehlung für das Restaurant: Das Steak hätte perfekter nicht sein können. Wir zahlten mit Nachtisch und je zwei Getränken 40,59 €. Unsicher fühlten wir uns übrigens auf dem Heimweg zu Fuß einmal mehr nicht!
Am Morgen zog es uns dann an den angesprochenen Strand. Wir zückten ein Buch und genossen drei Stunden lang die Sonne. Da es sehr windig war, merkten wir nicht, wie intensiv sie schien. Und so holte sich vor allem Boris einen heftigen Sonnenbrand ab. Schließlich bekamen wir Hunger und marschierten zum Strandimbiss „Dutchies“. Während des Essens (20,30 €) erreichte uns die Hiobsbotschaft, dass unsere Flüge offenbar gecancelt waren. Dabei hatten wir doch am Abend des Vortages erst online eingecheckt… Überhaupt hatte sich die Corona-Lage deutlich verschärft. So stand am Eingang des Restaurants eine Mitarbeiterin, die alle Gäste mit Desinfektionsmittel versorgte und die Tische hatten einen größeren Abstand zueinander. Doch für uns stand nun die Frage im Vordergrund: Was sollten wir tun? Die nächste Unterkunft stornieren und gleich nach Kapstadt an den Flughafen fahren? Einfach weitermachen?
Wir entschieden uns schließlich für Variante zwei. Zumindest bis auf Weiteres. In der nächsten Unterkunft könnten wir uns immer noch überlegen, was wir als nächstes tun. Die Ruhe, uns noch einmal an den Strand zu begeben, hatten wir aber auch nicht mehr. Also setzten wir uns ins Auto und tuckerten gen Betty’s Bay.
Pinguine am Stony Point
Einen Tankstopp (19,83 €) später kamen wir im Stay at Friends (65 €) an. Dort wurden wir sehr herzlich empfangen. Der Name ist hier tatsächlich Programm! Es gab einen kleinen Imbiss, viele Empfehlungen und nette Worte sowie ein kostenloses Upgrade des Zimmers. Außerdem buchten wir spontan noch eine weitere Nacht zum Sonderpreis (50 €), da unser Flug – falls er stattfand – erst um 0.20 Uhr am nächsten Tag gehen sollte. Nach dem Check-In zückten wir dann sofort wieder die Handys und erfuhren, dass es offenbar einen alternativen Flug zur gleichen Zeit gibt. Die Informationen sahen so aus, dass wir umgebucht worden waren. Wir checkten die Online-Tickets und stellten fest, dass diese noch auf die alte Flugnummer liefen. Bei Austrian Airlines konnten wir telefonisch niemanden erreichen, da das große Chaos ausgebrochen war. Da wir weiter im System gelistet waren und Bestätigungen über unsere Sitzplatzreservierung erhielten, gingen wir davon aus, dass alles passt. So fuhren wir los, um die Pinguine am Stony Point zu besuchen. Die Vögel waren hier sogar noch zutraulicher als am Boulders Beach. Zudem waren in Betty’s Bay deutlich weniger Leute unterwegs und es kostete keinen Eintritt, solange man nicht auf den Boardwalk gehen wollte. Abends kehrten wir auf Empfehlung der Vermieterin im The Tides Restaurant ein (25 €).




Kogelberg Nature Reserve: Wie in den schottischen Highlands
Die letzte Etappe unserer Südafrika-Rundreise war schließlich eine Wanderung auf dem 10 km langen Palmiet River Trail im Kogelberg Nature Reserve. Wir meisterten die Strecke nicht ganz, da wir am gleichen Tag noch zum Flughafen mussten. Aber das, was wir sahen, war schön. Irgendwie erinnerte uns die Landschaft stark an die schottischen Highlands – nur mit mehr Farbtupfern und in warm. 😉 Leider sahen wir weder Leoparden noch einen Karakal. Beide sollen hier einen Rückzugsort gefunden haben. Dafür beobachteten wir eine Horde Paviane beim Spielen am Fluss. Auch zwei Chamäleons kreuzten unseren Weg. Was wir nicht bestätigen können, ist, dass es schwierig sein soll, ein Permit zu erhalten. Das mag in der Hauptsaison so sein, Mitte März war hier fast nichts los.





Rückreise mit Irrungen und Wirrungen
Kurz nach Mittag kauften wir noch im Spar in Kleinmond ein (6,04 €). Hier gibt es sogar eine Mall. Bald darauf waren wir zurück im Stay at Friends. In aller Ruhe packten wir unsere Siebensachen, ruhten uns noch etwas am Pool aus, quatschten mit anderen Gästen und genossen eine leckere, von der Vermieterin zubereitete Quark-Mango-Süßspeise. Schließlich wurde es Zeit, aufzubrechen. Auch hier stellte uns die Inhaberin der Unterkunft ihre Hilfe in Aussicht: Falls wir nicht ausreisen könnten, würde sie unser Zimmer freihalten. Wir könnten ihr auch spät am Abend noch Bescheid geben und zurückkehren. Beruhigend, das zu wissen!

Doch wir waren guter Dinge, als wir gegen 17:30 Uhr aufbrachen. Die Strecke von Betty’s Bay nach Kapstadt ist wunderschön. Uns gefiel sie sogar besser als der Chapman’s Peak Drive. Zudem erlebten wir einen traumhaften Sonnenuntergang. Was sollte da noch schiefgehen? Wir tankten noch einmal voll (8,05 €) und näherten uns mehr als pünktlich dem Flughafen. Hier war jedoch die Beschilderung erstmals nicht soooo toll. Prompt bogen wir falsch von der N2 ab und landeten bei Dunkelheit in einer Straße zwischen den Townships Nyanga und Gugulethu. Beide kannten wir aus diversen nicht sonderlich erfreulichen Nachrichten, bei denen es um hohe Mordraten und Schießereien ging. Entsprechend nervös suchten (und fanden) wir eine Möglichkeit, zu wenden und wieder auf die richtige Spur zu finden. Bald darauf waren wir am Flughafen von Kapstadt, wo wir unseren Mietwagen abgaben und zum Gepäckabgabe-Schalter der Austrian Airlines schlenderten.
Dort angekommen, stellten wir fest, dass fast alle anderen Menschen in der Warteschlange einen DIN-A4-Zettel in der Hand hielten. Wir schauten den Leuten vor uns über die Schulter und sahen, dass dies ein Schreiben vom österreichischen Außenministerium war, in dem es um Kostenübernahme ging. Daraufhin informierte sich Boris bei zwei Damen, die als Mitarbeiterinnen des Ministeriums erkennbar waren, was hier vor sich ging. Die Antwort: Die Regierung hatten den Flug in eine Heimholaktion für Österreicher umgewandelt. Wenn wir nicht auf der Liste stünden, könnten wir nicht mitfliegen. Ich erklärte, dass ich mir eine Info gewünscht hätte, bevor ich mit gepackten Sachen am Schalter stehe – zumal ich Bordkarten auf dem Handy hatte, die ich vorzeigte. Lapidar gab die eine Dame zurück, das solle ich mit Austrian klären. Ich könne jedenfalls nicht den Flieger betreten. Noch einmal bekräftigte ich, dass ich dieses Vorgehen für höchst unprofessionell und unsympathisch hielte. Eine entsprechende Information vor drei Tagen – und wir hätten viel Zeit zum Reagieren und Umbuchen gehabt. So aber standen wir gegen 21 Uhr ohne Aussicht auf Heimkehr am Kapstädter Flughafen. Nun ja, machen konnte man da nichts mehr. Und die beiden Frauen hatten das ja nicht selbst so entschieden. Also hätte es keinen Sinn gehabt, weiter zu diskutieren. Andererseits war für mich klar, dass ich kein Interesse mehr habe, so schnell Urlaub in Österreich zu machen. Denn Freundlichkeit sieht anders aus…
Jedenfalls waren wir offenbar nicht die einzigen Ausländer, denen es so erging. Kurz darauf fanden wir uns in einer langen Reihe mit weiteren Menschen am Schalter der Lufthansa wieder (Austrian ist eine Tochter), um uns über alternative Abflugzeiten zu informieren. Dort hingen Zettel, die von frühestmöglichen Flügen am 28./29. März kündeten. Zur Erinnerung: Wir hatten den 21. März. Aus den Gesprächen am Schalter bekamen wir mit, dass andere Wartende auf Ende März oder sogar Anfang April vertröstet wurden – ohne dass die Abflüge garantiert werden konnten. So hatten wir die Hoffnung auf schnelle Rückkehr schon beinahe aufgegeben. Immerhin erhielten wir von einer Mitarbeiterin eines großen Reise-Veranstalters, die sich für Pauschalreisende um Rückflüge kümmerte, einen Tipp für eine Übernachtungsmöglichkeit in der Nähe. Sie meinte, der Weg nach Betty’s Bay sei doch sehr weit und bei Dunkelheit auch nicht zu empfehlen, da die Autobahn durch mehrere Townships führe. Sie empfahl das Flughafenhotel Verde. Es biete einen Shuttle-Service, sodass wir keinen Mietwagen benötigten. Das klang gut – und wurde von einer Dame aus Heidelberg gestützt, die wir noch mehrmals wiedersahen.
Schließlich kamen wir an die Reihe. Die junge Frau am Schalter machte keinen besonders hoffnungsvollen Eindruck. Doch nach 15-minütigem hin- und hertelefonieren präsentierte sie uns Tickets für einen Lufthansa-Flug, der schon am nächsten Tag abheben sollte. Sie bekräftigte, diesmal seien wir safe. Der Grund, dass wir vorgezogen wurden, war einfach: Die anderen Passagiere besaßen noch gültige Flugtickets für einen späteren Termin. Wir hingegen nicht. Deshalb genossen wir Priorität. Ein großes Lob an die Lufthansa, dass sie trotz des bestehenden Chaos ein gewisses Kontingent an Sitzplätzen für solche Härtefälle zurückgehalten hatte. Erleichtert wie wir waren, merkten wir jetzt erst, dass wir seit dem Morgen nichts richtiges mehr gegessen hatten. Daher gingen wir zum einzigen noch offenen Fast-Food-Laden im Flughafen (Wimpy, 11,37 €) und aßen eine Kleinigkeit.
Der Rest ist schnell erzählt: Mit dem Shuttle fuhren wir zum Hotel Verde, verbrachten dort eine Nacht (77 €), erfreuten uns am reichhaltigen, inkludierten Frühstücksbuffet und setzten ein Mittagessen drauf (19,64 €). Dies gerade rechtzeitig, denn um 14 Uhr schloss die Küche auf Anordnung der Regierung wegen der Corona-Epidemie. Die Einschränkungen wurden nun beinahe stündlich krasser. Gegen 15 Uhr nahmen wir den Shuttle zum Flughafen und waren extrem erleichtert, dass alles glatt ging. Aufgrund der Situation waren wir gute drei Stunden vor Abflug am Gepäckabgabeschalter, sodass wir uns in aller Ruhe mit Kleinigkeiten am Flughafen eindecken konnten (10,64 €). Das letzte südafrikanische Bargeld brachten wir auch noch durch. Dann ging es endlich los – wenn auch mit einer Stunde Verzögerung.
Denn die Crew stellte fest, dass fünf Plätze frei waren. Also gaben sie einigen Reisenden von der Warteliste die Möglichkeit, noch mitzufliegen. Darunter war ein überglückliches Ehepaar mit Kleinkind, das sich wortreich bedankte. Und auch unsere Leidensgenossen aus Heidelberg, die wir am Lufthansa-Schalter getroffen und mit denen wir im Hotel-Shuttle zum Flughafen gefahren waren, durfte noch an Bord. Für sie freuten wir uns besonders, waren sie doch bereits mehrfach mit gepackten Sachen zum Flughafen gefahren und hatten jeweils nicht mitfliegen dürfen. Einen sehr angenehmen und ruhigen Flug später landeten wir am nächsten Morgen in Frankfurt. Dort gab es zu unserer großen Verwunderung keinerlei Maßnahmen bezüglich des Corona-Virus. Kein Desinfektionsmittel, kein Info-Zettel, keine Temperaturmessung, keine Befragung, erst recht keine Quarantäne. Dafür hunderte Menschen auf engstem Raum am Kofferband. Komisch, wo doch zu dieser Zeit ein striktes Kontaktverbot in der gesamten Bundesrepublik herrschte… Aber das ist ein anderes Thema!



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