Nach dem Drei-Generationen-Urlaub in Griechenland im Frühjahr stand im September wieder ein ganz „normaler“ Trip als Vater-Mutter-Kinder an. Waren wir im Mai/Juni noch relativ stationär (Athen, Peloponnes), sollte es nun wieder ein Roadtrip werden – wenn auch ein gemütlicher ohne tägliche Unterkunftswechsel. Und wir hatten das Ziel gut gewählt, denn der spanische Süden ist eine vielseitige Region, in der es viel zu sehen gibt.
Los ging es am 31. August mit der Lufthansa von Frankfurt nach Sevilla. Wir zahlten zu viert 987 € – ohne Aufgabegepäck. Das erste Mal probierten wir, ohne große Koffer klarzukommen, was auch erstaunlich gut funktionierte. Am Ende hatten wir sogar eher das Gefühl, noch zu viel mitgenommen zu haben.
Angekommen am Flughafen, nahmen wir den Mietwagen, einen Peugeout 2008 mit Kindersitz (617 €), entgegen und fuhren die etwa anderthalbstündige Strecke nach El Gastor, wo wir eine gemütliche Finca mit Pool bezogen. Für die Großstadt wollten wir uns am Ende noch einen Tag Zeit nehmen. Zunächst stand aber das Bedürfnis nach Ruhe und Erholung im Vordergrund. Nach der Ankunft sprangen wir gleich in den Pool und ließen den Abend bei einer Dose San Miguel ausklingen.

Tags darauf schauten wir uns Ronda an – eine sagenhaft schöne, historische Stadt. Zu sehen gibt es dort einen spektakulären Canyon, eine malerische Einkaufsstraße und eine der ältesten Stierkampf-Arenen der Welt. Das Ganze ist malerisch eingebettet in eine Berglandschaft. Nachmittags ging es dann wieder in den Pool.

Danach hieß es schon wieder Koffer packen. Noch bevor wir den Zwischenstopp Senetil de las Bodegas erreichten, passierte ein Missgeschick: Till kotzte das ganze Auto voll. So mussten wir erstmal saubermachen und hatten danach auch keine wirkliche Lust mehr, tagfüllend durch die Stadt zu schlendern. Der spannende Teil des Ortes war sowieso eher klein: Ein Bereich ist direkt im Fels bzw. unter einem überhängenden Fels erbaut. Das gesehen zu haben, ist ganz nett, aber jetzt auch nicht überragend. Damit hatten wir zwei der bekannten Pueblos Blancos von Andalusien gesehen, was uns persönlich auch reichte. Olvera ließe wir daher aus.

Der nächste Zwischenstopp hieß nach rund anderthalb Stunden sehr kurviger Fahrt über enge Landstraßen El Torcal. Dabei handelt es sich um ein 1171 ha großes Naturschutzgebiet in der Provinz Málaga. Mit seinen außergewöhnlichen Karstformationen gehört der Park zu den beeindruckendsten Landschaften Spaniens. Dort unternahmen wir aufgrund der Mittagshitze jedoch nur einen kurzen Spaziergang, aßen etwas und ließen Till auf den Felsen klettern.

Danach ging es weiter in Richtung Granada. Die Landschaft änderte sich im Laufe der Fahrt von karg zu bewaldet und gebirgig. Unser Ziel lag in Iznalloz. Dort hatten wir das Pareje fuente del pintor gemietet, ein schönes Ferienhaus mit Terrasse und einem von einer natürlichen Quelle gespeisten Pool. Genau dort verbrachten wir auch den restlichen Nachmittag grillend, planschend und San Miguel schlürfend.

Am 3. September stand ein Ausflug in die Sierra Nevada an. Zunächst wanderten wir auf dem Vereda de la Estrella, picknickten und genossen schöne Ausblicke auf einen Bach. Außerdem freute sich Till über die Reste der alten Eisenbahnstrecke, die dort einst entlangführte. Auf dem Rückweg hielten wir noch an einer Aussichtsplattform über einem See.

Am nächsten Tag fuhren wir nach Granada, genauer gesagt zur Alhambra. Die Stadtburg liegt auf dem Sabikah-Hügel. Sie gilt als eines der bedeutendsten Beispiele des maurischen Stils der islamischen Kunst, ist eine der meistbesuchten Touristenattraktionen Europas und seit 1984 Weltkulturerbe. Die Burganlage ist etwa 740 m lang und bis zu 220 m breit. Die Naṣridenpaläste sind das Herzstück der Alhambra, die Alcazaba bildet das Bollwerk des Komplexes. Hier schlenderten wir ein paar Stunden lang umher, verfuhren uns auf dem Rückweg von einem Aussichtspunkt noch in den engsten Gassen, die wir je gesehen haben, und schwitzten Blut und Wasser beim (zum Glück erfolgreichen) Versuch, dort wieder rauszufinden, ohne den Mietwagen zu demolieren.

Der nächste Morgen begann dann wieder mit Packen und einer etwas längeren Fahrstrecke in den Osten Andalusiens. Nach anderthalb Stunden waren wir wieder in einer anderen Welt. Nach dem saftigen Grün der Sierra Nevada bildete die unwirtliche Gorafe Wüste einen harten landschaftlichen Kontrast. Der erste Teil nach Verlassen der geteerten Straße fühlte sich fast an wie eine Safari in der Karoo in Südafrika – nur ohne Tiere. Viel flaches Steppengras, blauer Himmel, im Hintergrund sanfte Berge. Schließlich kamen wir am Puntal de Don Diego an und genossen eine spektakuläre Fernsicht wie im US-amerikanischen Südwesten. Grand Canyon light sozusagen. Nachdem wir etwas umhergewandert waren, holperten wir zurück zur Hauptstraße und nahmen die letzten zwei Stunden Fahrt nach Sorbas in Angriff, wo wir in der Finca de la Horca, die einem deutschen Auswanderer-Paar gehört, eincheckten.

Sofort buchten wir eine Reitstunde für den nächsten Morgen für Till. Der hatte auch keinerlei Scheu vor den Ponys, aber auch nicht viel Ausdauer, sodass nach einer knappen Stunde Schluss war. Danach fand er rund ums Haus viel „Hasen-Bäh“ und suchte Tierspuren. Nachmittags unternahmen wir einen Ausflug zur Tabernas Desert, wo wir in der „Mini Hollywood Oasis“ viel erlebten. Dort wurden einst mehrere Sergio-Leone- und Bud-Spencer-Filme gedreht. Heute ist das Areal zu einem Freizeitpark ausgebaut worden, wo ein Zoo und mehrere Originaldrehplätze besichtigt und Shows angesehen werden können.

Nach den eher gut gefüllten Tagen mit viel Programm zog es uns auf Empfehlung der Gastgeber an den Camino del Sol Beach in Mojacar. Da es bewölkt war und irgendwann leicht zu regnen anfing, blieben wir nicht allzu lange am Strand. Dennoch tat es gut, nach all den Tagen im heißen und trockenen Inland endlich das Meer zu sehen.
Deshalb hängten wir am nächsten Tag einen weiteren Strandtag hintendran – und zwar am Playa de los Genoveses im Nationalpark Cabo de Gata. Hier hatten die Kinder die Gelegenheit, ausgiebig im Sand zu buddeln und zu planschen, was Till mehr nutzte als Thea, die noch etwas Berührungsängste mit dem kühlen Nass hatte. Hier, am Mittelmeer, war das Wasser deutlich wärmer und ruhiger als im Atlantik, wie wir in den nächsten Tagen feststellen sollten.

Denn nun stand der vorletzte Unterkunftswechsel an. Vom 9. bis 16. September hatten wir uns in einem schönen Haus mit Pool in Conil de la Frontera, nur wenige Kilometer vom Meer entfernt, eingemietet. Nach der langen fünfstündigen Fahrt waren alle froh, endlich angekommen zu sein. Dementsprechend stand außer einem kurzen Sprung in den Pool nichts mehr auf dem Plan.

In den nächsten Tagen schauten wir uns diverse Strände in der Umgebung an, darunter den Playa del Puerco mit dem alten Wachturm, die Dünen von Valdevaqueros bei Tarifa, Playa de la Fontanilla, Cala del Pato und Cala del Aceite, aßen Tapas, chillten am Pool und erholten uns ausgiebig.


Zum Abschluss ging es nach Sevilla, einer sehr schönen, aber auch glühend heißen Stadt, wo wir über den Plaza de Espana flanierten, grüne Parks, alte Gebäude, Pferdekutschen und Flamengo-Truppen anschauten. Die letzte Nacht verbrachten wir in dem Apartment-Komplex Iberflat Vega de Triana, einer günstigen Unterkunft im Westen der Stadt. Die Rückreise verlief entspannt. Kleine Anekdote: Eine Stewardess erlaubte Till, das Fenster mit Stickern zu bekleben. Kurz darauf kam eine völlig entsetzte Kollegin vorbei und bat uns, die Aufkleber schnell wieder abzumachen, da sie sonst kaum noch wegzubekommen seien.




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