Seid ihr euch sicher, dass ihr das schafft? Wow, echt krass – ein Langstreckenflug mit Kleinkind und Baby? Wir würden uns das nie trauen! Das waren grob zusammengefasst die Reaktionen, die wir erhielten, wenn wir davon berichteten, während der Elternzeit eine Rundreise mit einem Zweijährigen und einem sechs Monate alten Baby im Südwesten der USA zu planen. Je näher der Termin rückte, desto mehr stieg zugegebenermaßen auch bei uns die Unsicherheit – zumindest, was den Flug betraf. Würden die Kinder gut mitmachen oder würden wir uns den Unmut aller Mitreisenden zuziehen, wenn sie quengeln und weinen? Ansonsten waren wir recht entspannt. Denn wir besitzen ja ein wenig Erfahrung, was das Reisen angeht. Und für Till war es bereits die vierte Flugreise. Wir waren sicher: Sobald wir vor Ort sind, läuft es. Dann kommen nur noch Dinge auf uns zu, die wir auch zu Hause zu bewältigen hätten: Trotzanfälle, nicht ins Bett wollen, Durcheinander machen, Süßigkeiten statt Gemüse essen wollen usw.
Und so kam es auch! Um das Fazit vorwegzunehmen: Wir hatten eine tolle Zeit in den USA. Die Flüge waren kein Problem, beide Kinder kamen auch mit längeren Autofahren und wechselnden Unterkünften super klar und Till freute sich über viele Ausflüge und Abenteuer. Wir konnten uns sogar deutlich mehr Sehenswürdigkeiten ansehen als wir vorher vermutet hatten. Natürlich hatten wir das Reiseprogramm aber auch auf die Kinder zugeschnitten und von vorneherein damit geplant, so oft wie möglich Mittagsschläfchen zu ermöglichen, Besuche auf Spielplätzen vorzusehen und mehrere Nächte an einem Ort zu bleiben. Die Probleme fingen erst nach der Reise an, als der West-Ost-Jetlag erbarmungslos zuschlug. Aber diesen Preis haben wir gerne bezahlt, denn im Gegenzug haben wir einen riesigen Koffer voll Erinnerungen, Fotos und Videos mitgenommen und werden diese intensive Familienzeit sicher nie vergessen.
Nun aber genug der Vorrede und hinein in den eigentlichen Reisebericht!

Hinreise nach Las Vegas (42 km)
Los ging es für uns am Donnerstag, 12. September 2024. Unser Flug mit Discover Airlines startete pünktlich um 9.30 Uhr in Frankfurt. Diesmal waren wir bereits einen Tag früher an den Flughafen gefahren, um dank Vorabend-Check-in und einer Nacht im Flughafenhotel einen möglichst entspannten Start in die Reise zu haben. Das zahlte sich auch aus, obwohl wir zu viert in einem Zimmer nicht unbedingt die ruhigste und erholsamste Nacht aller Zeiten erlebten!
Trotzdem: So konnten wir in aller Ruhe morgens um 7 Uhr an den Flughafen fahren, unser Auto beim Valet-Service abgeben und nur mit Rucksäcken und Kinderwagen die Sicherheitskontrolle passieren. Außerdem blieb noch ausreichend Zeit, dass Till sich auspowern konnte. Er rannte im Terminal rauf und runter, erkundete die Spielgeräte und machte sich müde. Geschlafen wurde dann im Flugzeug dennoch nicht. Aber er war – genau wie Thea – sehr friedlich. Die mitgebrachten Überraschungs- und Snacktüten zahlten sich ebenso aus wie das Kinder-Tablet und ein wenig Bewegung an Bord. Ebenso bezahlt machte sich die Anschaffung der E-Book-Reader, gegen die wir uns jahrelang gesträubt hatten. Die kg-Gepäckgrenze dankte es uns. Ebenso waren wir nachts oft froh, noch ein bisschen lesen zu können.
Erst eine halbe Stunde vor der Landung in Las Vegas wurde er quengelig. Als dann der Pilot nach der Landung mitteilte, dass es noch mindestens eine Stunde dauert, bis ein Gate zur Verfügung steht und wir das Flugzeug verlassen dürfen, kippte die Stimmung – zumal die Pampers voll war und „nette“ belgische Mitreisende sich weigerten, den Gang freizumachen und uns zum Wickeln zur Toilette zu lassen. So wurde aus Jammern bald intensives Weinen und wir wickelten zum Missfallen der Belgier einfach auf dem Sitz. Die anderen Mitreisenden hingegen hatten viel Verständnis und bescheinigten den Kindern, dass sie die 11,5 Stunden lange Reise hervorragend gemeistert haben.

Alle folgenden Schritte von der Einreise über die Gepäckabholung, den Shuttle-Transfer zur Mietwagen-Station und die Übernahme des Autos (danke nochmal an den super netten Typ bei der Ausgabe für den Ford Edge!) bis hin zur Fahrt ins Hotel ohne funktionierendes Navi sowie der notwendige Einkauf der wichtigsten Lebensmittel wurden zu einer Geduldsprobe für alle Beteiligten. Das aber war allzu verständlich, nachdem wir inzwischen fast 18 Stunden unterwegs waren. Und die Nacht zuvor war ja auch kein Zuckerschlecken gewesen. Umso schöner war es, gegen 16 Uhr Ortszeit endlich im Hilton Vacation Desert Club (185€/Nacht) angekommen zu sein – obwohl das Navi samt erstmals erworbener E-Sim-Karte und Handy-GPS zunächst nicht funktionieren wollten. Irgendwie kamen wir dank Offline-Karten aber dennoch an. Jetzt galt es nur noch ein wenig durchzuhalten, um den Jetlag zu mildern. Gegen 19 Uhr fielen wir dann aber sehr erschöpft ins Bett. Insgesamt fiel es Till und Thea aber erstaunlich leicht, mit den neun Stunden Zeitverschiebung umzugehen. Nach zwei Nächten, in denen sie mehrmals wach wurden, war es ausgestanden.

Red Rock Canyon (93 km)
Nachdem am Freitagmorgen alle sehr früh auf den Beinen waren, fuhren wir als erstes zum nächstgelegenen Walmart, um uns mit den wichtigsten Dingen für die Reise einzudecken. Da stand von Kühlbox bis Pampers, von Snacks bis Getränken so einiges auf der Liste. Anschließend wollten wir den Pool im Ressort nutzen, aber Till hatte überraschenderweise gar keine Lust darauf und Thea wollte auch lieber aus der Sonne. Deshalb verbrachten wir den Rest des Vormittags im Bungalow und auf dem kleinen Balkon. Nachdem Mittagsschlaf zog es uns dann in den circa 30 Minuten entfernten Red Rock Canyon. Es tat gut, die Stadt zu verlassen und ein erstes Mal mit der Weite des US-Südwestens in Berührung zu kommen. Nachdem wir uns im Visitor Center informiert hatten und zudem mit viel Glück eine der großen Schildkröten entdeckten, die dort leben, machten wir uns mit dem Auto auf den Weg auf die Panoramastraße durch den Park. Die roten Canyons gefielen uns als Einstieg sehr gut und es beeindruckte uns mehr als einmal im Verlauf der Reise, wie nah die fantastische Natur an den Großstädten lag. Wir hielten an verschiedenen Aussichtspunkten und unternahmen abschließend eine kurze Wanderung auf dem First Creek Trail. Hier hatte Till viel Spaß am Klettern und Steine sammeln – wobei er genau darauf achtete, nicht mit einer Klapperschlange in Berührung zu kommen. Das hatten wir ihm vorher eingebläut und so wurde es während der Rundreise fast zur Gewohnheit, dass er auf Büsche und Steinhaufen zeigte und sagte: „Schschschsch, weg!“ Also: Hier kann eine Schlange sein und dann muss man weglaufen, sonst beißt sie. Aufgrund der großen Hitze, an die wir uns erst gewöhnen mussten, verbrachten wir nur eine halbe Stunde draußen und fuhren dann wieder ins Hotel.

Valley of Fire (295 km)
Nachdem wir uns ein wenig akklimatisiert hatten, stand nun bereits der erste Unterkunftswechsel an, der mit einer längeren Fahrt verbunden war. Diese konnten wir jedoch glücklicherweise in zwei Teile splitten, denn unterwegs wollten wir das Valley of Fire besuchen. In dem circa eine Stunde von Las Vegas entfernten State Park finden sich beeindruckende Felsformationen, die in den schönsten Rottönen leuchten. Da es hier von Frühjahr bis Herbst fast unerträglich heiß wird und es daher in der Vergangenheit zu vielen medizinischen Notfällen kam, waren jedoch zu unserer Reisezeit weite Teile des Parks gesperrt. Das, was wir sahen, war aber toll! Von Begegnungen mit Dickhornschafen bis zu beeindruckenden Landschaften war viel Schönes dabei. Nach einem kleinen Picknick ging es gegen Mittag weiter in Richtung Hurricane. Ein paar Fotos machten wir noch in Mesquite, wo ein Unbekannter Kunstwerke wie den Little Mount Rushmore und die Great Sphinx in den Felsen geformt hat. Außerdem gönnten wir uns in der Kleinstadt einen Burger. So kamen wir gegen 16 Uhr im Lemmon House (152 €/Nacht) an. Das Ferienhaus sollte für die nächsten fünf Nächte unsere Unterkunft sein. Von hier erkundeten wir die roten Canyons des südlichen Utah.

Sand Hollow State Park und Fort Zion (110 km)
Diesmal wollten wir nicht an einem vorher definierten Programm festhalten, sondern überlegten jeden Abend anhand von Pins, die wir bei Google Maps gesetzt hatten, was wir am nächsten Tag unternehmen wollten. So fiel die Entscheidung, nach zwei Canyons am folgenden Morgen mal etwas anderes zu machen und den Sand Hollow State Park anzusteuern. Dabei handelt es sich um einen großen See inmitten der roten Wüstenlandschaft. Hier planschte Till mit viel Freude und spielte ausgelassen im roten Sand. Es war absolut die richtige Entscheidung, das Element „Wasser“ einzubauen und ein wenig Entschleunigung herbeizuführen, ehe wir wieder andere Ausflüge anpeilten. Nach dem ausgedehnten Mittagsschlaf ging es dann noch zum Fort Zion, einer Westernstadt im Kleinformat, und der Grafton Ghost Town. Hier kam Western-Feeling auf und Till hatte Spaß beim Füttern von Pferden, Alpakas und Schafen. Außerdem traf er hier zumindest künstliche Indianer. Ein kleiner Teilerfolg, nachdem er bereits wochenlang jedem erzählt hatte, dass wir mit dem Flugzeug zu den Indianern fliegen.

Zion Nationalpark (134 km)
Am Montag, 16. September, stand schließlich der eigentliche Grund unseres Besuchs in der Region auf dem Programm: Der Scenic Drive im Zion Nationalpark, verbunden mit ein bisschen Wandern. Leider hatten wir bei unserem ersten Besuch 2018 das Pech, keinen Parkplatz zu finden, und konnten daher nur wenige Stunden ab dem späten Nachmittag im Park verbringen. Das wollten wir diesmal nachholen, da dies trotz der kurzen Zeit vor Ort auf Anheib einer unserer Lieblingsnationalparks in den USA geworden war.
Glücklicherweise wurden beide Kinder von selbst sehr früh wach, sodass wir bereits um 8 Uhr beim Visitor Center ankamen und einen der ersten Shuttle-Busse in den Park nahmen. So konnten wir den beliebten Riverside Walk noch ohne große Menschenmengen erleben und die Begegnung mit einem Reh genießen, das überhaupt nicht scheu war. Danach ging es zurück in Richtung Visitor Center, wo wir ein paar Meter über den Pa’rus Trail schlenderten und einen tollen Platz am Virgin River entdeckten, den wir für eine halbe Stunde komplett für uns hatten. Danach fuhren wir für einen verspäteten Mittagsschlaf zurück ins Ferienhaus. Der Nationalpark begeisterte uns erneut vollauf. Sollten wir nochmal wiederkommen, müssen wir allerdings mal in die Höhe kommen. Das war mit so kleinen Kindern natürlich nicht möglich. Daher bewegten wir uns entlang des Flusses im Bereich des Canyons.
Am Nachmittag fuhren wir noch nach St. George, aßen bei Denny`s und besuchten den Thunder Junction All Abilities Park, einen sehr schönen, großen, kostenlosen Spielplatz mit vielen Attraktionen aus der Welt der Dinosaurier. Außerdem gab es dort einen Zug, mit dem Sara und Till eine Runde drehten, während Thea und ich im Schatten ein wenig ausruhten.

Pinke Sanddünen und eine Drachenhöhle (187 km)
Heute ging es wieder in aller Frühe los. Es stand eine rund 60-minütige Fahrt zum Coral Pink Sand Dunes State Park auf der Agenda. Dort angekommen, war es Sara und Thea zu kalt, während Till und Boris bei angenehmen Temperaturen von 18 Grad im Sand spielten, herumrollten, uns jagten und viel Spaß hatten. Der Park war ein Miniatur-Namibia für uns. Denn dorthin hatten wir eigentlich während der Elternzeit gewollt, was wir aber wegen Malaria (geringes Risiko in einigen Landesteilen) und der Erreichbarkeit medizinischer Versorgung schweren Herzens aufschoben. Umso mehr freuten wir uns über den Anblick der goldenen Sanddünen im Morgenlicht.
Weiter ging es zur Moqui Cave bei Kanab. Wir wollten uns vor Ort ein Bild davon machen, ob wir den Aufstieg mit den beiden Kindern wagen konnten oder nicht. In Anbetracht des Geländes und der fortgeschrittenen Zeit (wir planten mit einem verlängerten Mittagsschlaf) entschieden wir uns jedoch dagegen und fuhren weiter zur Belly of the Dragon. Die kurze Wanderung durch die stockfinstere Höhle war eine schöne Abwechslung und ein tolles kleines Abenteuer für Till. Von dort führte uns der Weg geradewegs durch den Zion Canyon, wo wir zumindest noch einige Eindrücke der tiefen Schlucht aus der Vogelperspektive erhielten. Für Wanderungen war leider keine Zeit. Trotzdem lohnte sich die kleine Schleife durch den Park. Gegen 14 Uhr waren wir wieder in unserem Ferienhaus und legten Till und Thea zum Schlafen hin.
Am Nachmittag zog es uns ins Texas Roadhouse. Dort waren wir bereits 2018 gewesen und hatten von Kellner Ty gute Tipps für Wanderungen abseits der Menschenmassen erhalten. Der war zwar nicht mehr zugegen, dafür schmeckten die Rippchen genauso gut wie beim letzten Mal. Nach dem Essen hielten wir auf dem Rückweg an Grandpa’s Pond zwischen Hurricane und St. George. Der kleine, künstlich angelegte See ist Lebensraum für viele Schwäne und Enten. Gleich nebenan ist ein kleiner Spielplatz. Der perfekte Ausklang also für einen ereignisreichen Tag mit Kindern.

Yant Flats (74 km)
Nördlich von Hurricane und St. George befinden sich ausgedehnte rote Sandsteinformationen, die nicht Teil eines offiziellen State Parks oder Nationalparks sind. Daher ist hier auch fast nichts los. Genau dorthin zog es uns zum Abschluss unserer Zeit im südlichen Utah. Eine Entscheidung, die sich als goldrichtig erwies. Am Vorabend hatten wir länger hin- und herüberlegt, ob wir die Wanderung auf dem Yant Flat Trail mit Kindern bewältigen würden, und schließlich beschlossen, es zu versuchen.
Und es ging – mit einem Zwischentief in der Mitte samt in-den-Sand-werfen-und-nicht-mehr-weiter-wollen – ganz gut. Nach etwa einem Kilometer mussten wir die Kinderwagen zusammenklappen und am Wegesrand stehenlassen, weil es damit nicht mehr weiterging. Aber das war halb so wild, denn wir trafen genau fünf Menschen an diesem Vormittag! Die restlichen knapp 2 km führten durch Tiefsand und über Felsen und bestanden aus einer Mischung aus Tragen und Selbstlaufen. Schließlich kamen wir an die Abbruchkante und staunten über die sagenhaften Fernblicke und die tollen rot-weißen Felsen, die an die berühmte „Wave“ erinnerten, die man inzwischen ohne Permit gar nicht mehr betreten darf. Hier schauten wir uns eine ganze Weile um, ehe wir den knapp 3 km langen Rückweg in Angriff nahmen. Toll, dass die Kinder in diesem Alter bereits so gut mitmachten!
Der Weg mit dem Auto aus dem benachbarten Leeds führt übrigens über unbefestigte, gewundene, teils steile Wege, die bei trockener Witterung gut zu befahren waren. Bei Regen jedoch soll dies nahezu unmöglich sein – was wir uns sehr gut vorstellen können. Stichwort Auto: Auf der Fahrt zum Trailhead begann plötzlich die Reifendruck-Warnleuchte anzugehen. Ein Problem, das uns noch mehrfach begleitete, aber keine Auswirkungen hatte – wenn man mal von mehreren Stopps an Tankstellen absieht, um Luft nachzufüllen.

Kingman – Route 66 (411 km)
Früh am Morgen machten wir uns auf den Weg. Vor uns lag die bisher längste Fahrt. Zunächst ging es zurück nach Las Vegas, wo wir eine Kleinigkeit aßen und uns die Beine vertraten, und dann weiter nach Kingman. In der „Hauptstadt der Route 66“ schlenderten wir ein wenig herum. Besondere Aufmerksamkeit erhielt der Zug, der hier auf einem stillgelegten Gleis im Stadtpark stand. Till kletterte sofort hinein und wollte gar nicht mehr weg. Ansonsten gab es bis auf „Touri-Nap“ nicht allzu viel zu sehen.
Daher aßen wir kurz zu Mittag, stockten unsere Vorräte auf und fuhren weiter zur Ranch (143 €/Nacht), die (leider nur) für eine Nacht unser Zuhause sein sollte. Das Gelände und auch das Innere des Gästehauses waren sagenhaft schön, der Besitzer extrem nett. Er warnte uns nur vor Klapperschlangen, die sich in großer Zahl in den Felsen hinter dem Haus herumtreiben würden. Wir beherzigten seine Warnung und ließen den Abend ganz entspannt auf der Veranda und schließlich im Wohnzimmer ausklingen. An diesem Abend legten wir uns zeitig ins Bett und wären fast eingeschlafen. Doch leider wurde daraus nichts, denn Till hatte sich irgendetwas eingefangen und erbrach sich die ganze Nacht hindurch, sodass Boris bei ihm schlief und letztlich keiner ein Auge zumachte.

Route 66 bei Oatman und Mojave-Wüste (293 km)
Am nächsten Morgen schien es glücklicherweise besser zu gehen, sodass wir planmäßig in Richtung Mojave-Wüste aufbrechen konnten. Bis Oatman war es ungefähr eine Stunde Fahrt, die durch kurze Stopps an Route-66-Markern oder bei Eseln unterbrochen wurde. Das Örtchen selbst ist eigentlich nur eine große, für Touristen erschaffene Westernkulisse. Hier hielten wir uns nicht lange auf, sondern fuhren flott weiter durch eine eintönige, aber dennoch irgendwie coole Landschaft nach Twentynine Palms. Hier hatten wir eine wirklich schicke Unterkunft gebucht: Das Roadrunners Roost (181 €/Nacht) liegt einsam in einer der letzten Seitenstraßen vor dem Joshua Tree Nationalpark und ist modern und schick ausgestattet. Leider war der Einstieg trotz perfekter Rahmenbedingungen nicht so cool, denn erst hielt es Till für eine gute Idee, das Auto in einem unbeobachteten Augenblick mit einem Stein „anzumalen“ und dann entwickelte er doch noch über 39 Grad Fieber. Na toll, ausgerechnet mitten in der Wüste, dachten wir uns und schauten uns nach dem nächsten Arzt oder Krankenhaus um – nur um festzustellen, dass Freitagabend war und bis Montag in der Hinsicht nicht viel Auswahl bestünde. Dann hoffen wir mal, dass alles gut geht…

Joshua Tree Nationalpark (18 km)
Der nächste Tag verlief weitgehend ereignislos. Till ging es zwar etwas besser, aber bei 35 Grad Außentemperatur wollten wir nichts riskieren und hielten uns fast durchgehend drin auf. Außerdem begann es Sara auch schlechter zu gehen. Boris kaufte ein und wir versuchten, den Elektrolyte- und Flüssigkeits-Haushalt der Patienten in den Griff zu bekommen. Am späten Nachmittag wagten wir dann doch noch einen kurzen Abstecher in den Joshua Tree Nationalpark, aber nach 30 Minuten wurde Sara so übel, dass wir flott zurück in das Ferienhaus fuhren – eine Rechnung, die nicht mehr ganz aufging. Somit wurde nichts aus unserem Plan, den Nationalpark bei dieser Reise einmal ausführlicher zu erkunden als 2018.

Fahrt nach Los Angeles (287 km)
Beeindruckend waren die Kontraste am Wegesrand bei dieser Tagesetappe. Morgens fuhren wir einen kleinen Umweg quer durch den Joshua Tree Nationalpark, um wenigstens ein bisschen was zu sehen. Im Nordeingang rein, kleiner Stopp beim Hidden Valley Nature Trail (aufgrund Magen-Darm-Leiden und Schwäche ohne viel Laufen) und beim Westeingang wieder raus. Danach ging es eine Weile durch die Wüste, ehe sich die San Bernardino Mountains vor uns auftürmten. Hier hatten wir ursprünglich sogar einen zweitägigen Aufenthalt beim Big Bear Lake geplant, aber dann erfahren, dass dieser so hoch liegt, dass es für Babys nicht empfehlenswert ist, dort zu übernachten. Kurz darauf begannen dann die Blechkolonnen. Stau an Stau von San Bernardino über Pasadena und Hollywood durch LA, bis wir endlich im Good Nite Inn Motel (113 €) in Calabasas ankamen. Dieses war eines der besten Motels, die wir bisher gesehen haben. Supersauber, ruhig, gut eingerichtet und mit extra Familienzimmern am Rand der Anlage. Auch der Pool, den wir umgehend für eine Abkühlung nutzten, war sehr sauber. Und die Nacht zu viert in einem Zimmer fiel ungewöhnlich ruhig und störungsfrei aus – vielleicht, weil alle von den ersten Tagen sehr geschafft waren. Umso besser, dass uns nun ein paar Tage am Meer bevorstanden, die etwas mehr Erholung und Entschleunigung versprachen.

Ankunft in Morro Bay (293 km)
Tags darauf standen wir voller Vorfreude auf, wurden aber schon bald ein wenig in unserer Euphorie gebremst. Denn wir fuhren zwar von Ventura nach Santa Barbara direkt am Meer entlang, sahen aber außer dichtem Nebel praktisch nichts. Das änderte sich erst, als wir durch die Berge hinauf zum Los Padres National Forest fuhren. Dort lichtete sich die „Suppe“. Als wir am Cachuma Lake eine kleine Pause machten, um uns die Beine zu vertreten, sprach uns bei Rückkehr aus einem von Gestrüpp umgebenen Waldweg ein älterer Herr an und warnte: „Hier gibt es unzählig viele Klapperschlangen! Ein Bekannter von mir hat mal fast hundert Stück an einem Tag unterhalb vom Parkplatz gesehen.“ Erst dachte ich, er wollte mich verarschen, aber er lachte nicht. Insofern war es vielleicht ganz gut, dass wir nur ein Eichhörnchen gesehen hatten und dann ohnehin schnell weiter wollten.
Nun hofften wir, dass sich das Wetter nicht nur im Inland, sondern auch an der Küste gebessert hatte. Dies erfüllte sich leider nicht! In Baywood Los Osos angekommen, zog es sich wieder merklich zu und das Thermometer schaffte es nicht über die 20-Grad-Marke. Dafür war die Unterkunft (Bayside Bungalow, 270 €/Nacht) wirklich sehr schön! Von der Inneneinrichtung her vermutlich die schickste der ganzen Reise! Nach einem kleinen Nickerchen für die Kinder und einer kleinen Lesepause samt Kolibri-Begegnung für uns (die neuen E-Book-Reader bewährten sich!), zog es uns trotz Nebel und Kälte noch nach Morro Bay, um einen Happen zu essen und im Hafen nach Ottern Ausschau zu halten. Beides gelang: Erst gab es sehr leckere Fish & Chips im Habor Hut, danach entdeckten wir direkt auf Anhieb mehrere Otter im Hafenbecken. Wenn wir dachten, dass Till nun begeistert wäre, endlich einen echten „Schlummerotter“ zu sehen, täuschten wir uns gewaltig. Das war an diesem Tag gar nichts für ihn! Aber er hatte auch leider nicht seinen besten (Nachmit)Tag…

Montana de Oro State Park und Morro Rock (44 km)
Weil Sara immer noch nicht fit und das Wetter nicht besser war, der Entdeckergeist von Boris und Till aber ungebrochen, fuhren die Männer an diesem Dienstagmorgen, 24. September, alleine los und die Frauen blieben daheim und ruhten sich aus. Wir erkundeten den Montana de Oro State Park mit Strand, Spooner’s Cove und Bluff Trail und trafen dabei unterwegs ein paar wilde Truthähne und Reiher. So richtig wirkte die durchaus schöne Landschaft aber bei tristem Grau und Nebel nicht. So kehrten wir nach einem Picknick bald um. Auf dem Rückweg folgte ein Stopp am Morro Coast Audubon Society Sweet Springs Reserve (ja, so heißt das Ding wirklich!). Dabei handelt es sich um ein kleines Vogelschutzgebiet, das große Ähnlichkeit mit der Landschaft in Florida aufweist: Sumpf, Spanish Moss und Stege über kleine Bächlein. Ganz nett für einen kleinen Spaziergang, aber auch nicht mehr.
Am Nachmittag fuhren wir erneut nach Morro Bay, diesmal zum Morro Rock und Morro State Beach. Eigentlich hatten wir gedacht, dass wir hier einen schönen Strandtag mit den Kindern verbringen könnten. Letztlich vertrieb uns das Wetter schon nach einer halben Stunde. Toll war aber das Wildlife vor Ort. Immer wieder erstaunlich, wie viele Tiere in den USA an Menschen gewöhnt sind und als Kulturfolger in den Städten leben. In diesem Fall handelte es sich dabei um zahlreiche Seeotter und kleine Streifenhörnchen, die sogar mit Tills Playmobil-Pferd spielten, das er ihnen hinhielt.

Pinnacles National Park und Monterey (281 km)
Weil das Wetter auch an diesem Morgen eher ungemütlich war, beschlossen wir spontan, die Flucht ins Landesinnere zu suchen, da der Nebel lediglich den Küstenstreifen einhüllte. Ohnehin wäre auf dem Highway 1 aufgrund von Bauarbeiten mal wieder kein Durchkommen gewesen. So ging es zunächst durch eher eintönige Landschaften zum Pinnacles National Park, einem der neuesten und unbekanntesten Nationalparks in den USA. Wir waren durchaus überrascht von der schönen Landschaft vor Ort und genossen die kurze Wanderung vom Visitor Center auf dem Prewett Point Trail und die Sonne in vollen Zügen. Von dort war es anschließend noch eine einstündige Fahrt zu unserem nächsten Hotel, dem Best Western The Inn & Suites (274 €/Nacht) in Pacific Grove, einer Kleinstadt auf der Monterey-Halbinsel. Hier war es wieder bewölkt, sodass wir beschlossen, nach einem kurzen Mittagsschlaf nicht mehr viel zu unternehmen. Wir gingen noch schnell in ein nahe gelegenes Fast-Food-Restaurant zum Essen und trafen zum Abschluss des Tages auf eine kleine Herde Rotwild, das offenbar mitten in der Stadt lebt.

Roadtrip in Big Sur (116 km)
Am nächsten Morgen wurden wir dann endlich wieder von blauem Himmel und Sonnenschein begrüßt. Daher machten wir uns nach dem Frühstück sofort auf den Weg nach Big Sur. Dieser Abschnitt des ikonischen Highway 1 ist einer der schönsten und wildesten. Hier kann man wunderbar wandern, die gewaltigen Bergketten und urtümliche Wälder stoßen auf die raue, zerklüftete Küste und ausgedehnte Sandstrände. Da wir nicht allzu viel Zeit bis zum Mittagsschlaf hatten, konzentrierten wir uns auf letzteres. Nach dem ein oder anderen Fotostopp kamen wir etwa eine Stunde nach dem Aufbruch am Pfeiffer Beach an. Hier waren wir bereits 2018 gewesen. Berühmt ist der Strand für ein markantes Loch in einem Fels im Wasser, durch den die Wellen brechen und je nach Tageszeit auch magische Lichterstimmungen herrschen. Uns ging es aber eher darum, mit Till am Strand zu toben und die Familienzeit zu genießen. Das taten wir auch in vollen Zügen – wenngleich wir trotz des blauen Himmels immer einen Pulli bzw. eine Jacke tragen mussten. Das Klischee von den warmen kalifornischen Badestränden können wir definitiv nicht bestätigen. Vielleicht in San Diego, weiter nördlich wird es dann aber immer wilder. Am Nachmittag erkundeten wir dann nach einer kurzen Fahrt über den nebelverhangenen 17-Mile-Drive noch den großen „Dennis The Menace“ Spielplatz nage dem Fisherman’s Wharf in Monterey und ließen es uns zum Abschluss im „Taste of India“ schmecken.

Point Lobos und Garrapata State Park (96 km)
Am 27. September standen gleich zwei State-Park-Besuche auf dem Programm. Zunächst ging es in den etwa 20 Minuten entfernten Point Lobos State Park, der uns bei unserem ersten Kalifornien-Trip so begeistert hatte. Auf dem Bird Island Trail spazierten wir mit toller Sicht über die Küste an der China Cove vorbei zum Bird Island Lookout. Anschließend gingen wir ein kurzes Stück im Cypress Grove wandern. Danach kehrten wir für eine Mittagspause zurück ins Hotel. Nachmittags zogen wir dann wieder los. Ziel war neben einem kurzen Fotostopp an der weltbekannten Bixby Bridge der wunderschöne Garrapata State Park am Highway 1. Dort wanderten wir ein Stück an der Küste entlang und ließen den Tag mit Ballspielen und Sandbuddeln am Monastery Beach in Carmel-by-the-Beach ausklingen.

Fahrt nach Mariposa (259 km)
Damit endete zunächst die Zeit an der Pazifikküste. Die nächsten Tage würden wir an rund um den Yosemite Nationalpark und an den Ausläufern der Sierra Nevada verbringen. Eigentlich nur als Wickel- und Toilettenzwischenstopp gedacht, entpuppte sich das San Luis Reservoir als lohnender Halt. So verbrachten wir hier etwas Zeit, schauten uns die Ausstellung mit der Talsperren-Steuerung an und genossen den Ausblick über den See mit dem gelben Grasland drumherum. Fantastische Kontraste! Obwohl dies nur ein Visitor Center mit Parkplatz war, wurde auf Schildern eindringlich vor einer hohen Klapperschlangen-Population gewarnt. Wir sahen jedoch erneut keine. Nach einer weiteren Stunde Fahrt hielten wir an einer Picknickstelle im Merced National Wildlife Refuge, ehe wir den Loop um das Feuchtgebiet mit seiner großen Vogelpopulation fuhren. Wir sahen unzählige Reiher, Kraniche und weitere Arten, stellten aber wieder einmal fest, dass wir einfach keine „Birder“ sind und sich die Begeisterung daher in Grenzen hielt. In Merced selbst aßen wir zu Mittag. Danach steuerten wir die nächste Unterkunft an – eine wunderschöne Farm namens „Trabucco Gardens“ (173 €/Nacht) südlich von Bear Valley. Wobei wunderschön im Auge des Betrachters liegt. Denn die Lage war toll, die Blockhütte typisch amerikanisch und urgemütlich, die Veranda mit abendlichem Kojotengeheul und Sternenhimmel der Knaller – aber die Sauberkeit so mittelprächtig, dass Sara nur mit Mühe davon zu überzeugen war, nicht direkt wieder abzureisen. Also schnell gewischt, gesaugt und die haarigen Bettbezüge gewaschen und dann Augen zu und durch. Immerhin hatte Till hier seinen Spaß, besonders mit dem Hochbett – eines seiner neuen Lieblingswörter.

Riverside Walk am Merced River (138 km)
Da der Zugang zum Yosemite Valley aufgrund des großen Andrangs Sonn- und Feiertags limitiert und nur nach vorheriger Reservierung möglich ist, ließen wir es an diesem Sonntag ruhig angehen. Morgens unternahmen wir einen kurzen Spaziergang entlang des Merced River bei Mariposa. Till hatte seinen Spaß beim Steineschmeißen, wir picknickten und – zurück im Haus – aß Thea ihre ersten Stücke Banane. Das sollte allerdings für mehrere Wochen einer der wenigen gelungenen Essensversuche bleiben. Zu früh gefreut… Nachmittags fuhren wir noch zur Horseshoe Bend Recreation Area, um ein wenig im See zu plantschen. Der entpuppte sich jedoch als Matschpampe, sodass der Ausflug ein absoluter Flop war. Die 10 $ und 45 Minuten Fahrt hätten wir uns tatsächlich sparen können, wenngleich die gewundenen Gebirgsstraßen tolle Aussichten bereithielten.

Wanderungen im Yosemite Valley (172 km)
Das Yosemite Valley ist und bleibt einer der schönsten Flecken Erde, die wir bisher gesehen haben! Früh am Morgen brachen wir auf und hatten daher keine Mühe, einen Parkplatz zu finden. Das ändert sich ab dem späten Vormittag, wenn Scharen an Menschen das Tal bevölkern. So hatten wir das Glück, nach einem Spaziergang über den Cook’s Meadow Loop zeitig am Trailhead zu den Yosemite Falls anzukommen und den Hinweg fast alleine zu bestreiten. Auch wenn der Wasserfall nach dem langen, heißen Sommer nicht mehr existent war, genossen wir die Wanderung. Till versteckte sich in ausgehöhlten Bäumen, kletterte über Steine und flitzte herum und wir erfreuten uns an der wunderschönen Natur. Danach vollendeten wir den Meadow’s Loop und legten einen ausgedehnten Zwischenstopp an einer besonders schönen Stelle am Merced River ein. Hier spielten wir im eiskalten Gebirgsfluss und Till hatte jede Menge Spaß dabei, Papa nass zu machen. Im Visitor Center besuchten wir noch das Ahwanee-Indianerdorf. Wobei, so Till, die Indianer leider wieder im Bett waren. Keine zu sehen… Schade! Mit einem weiteren Halt am Bach endete der Tag am frühen Nachmittag. Auf einen Mittagsschlaf verzichteten wir diesmal.

Bridalveil Falls und Tunnel View (176 km)
Tags darauf zog es uns erneut in den Yosemite Nationalpark. Lange hatten wir am Vorabend überlegt, ob wir uns doch in die Höhen wagen sollten. Letztlich entschieden wir uns der Kinder wegen dagegen und genossen daher „nur“ den Ausblick vom Tunnel Viewpoint ins Tal. Aber auch der ist schon sagenhaft. Anschließend fanden wir doch noch einen Wasserfall, der nicht komplett ausgetrocknet war. Zwar führten auch die Bridalveil Falls bei weitem nicht so viel Wasser wie im Frühjahr 2018, aber immerhin waren sie noch da. Den Rest des Vormittags verbrachten wir wieder am Bach, genauer gesagt an der Cathedral Beach Picnic Area. Dort trafen wir eine sehr nette Malerin, die früher einmal in Deutschland gelebt hatte, und wohnten von weitem einer Hochzeit bei. Man muss zugeben: Es gibt schlechtere Orte zum Heiraten! Mit einem kurzen Fotostopp am Valley View verabschiedeten wir uns danach endgültig vom Yosemite. Am späten Nachmittag kehrten wir im Happy Burger Diner ein und verpassten Till eine weitere „Learning English Lesson“. Wahnsinn, wie flott er einige Wörter lernte (Hot Dog, No, Yes, Hi, Hunger).

Goldrausch- und Western-Feeling (332 km)
Damit endete nicht nur die Zeit im Yosemite. Allmählich näherte sich die komplette Reise ihrem Ende. Denn an diesem Mittwoch machten wir uns auf den langen Weg nach Mill Valley bei San Francisco, wo wir noch vier Tage verbringen und dann zurück nach Deutschland fliegen würden. Doch zuvor stand noch eine Reise in die Vergangenheit auf dem Plan: Im Columbia State Historic Park tauchten wir in die Goldgräberzeit ein. Der Ort erlebte im Zuge der Goldfunde im Merced River eine Blütezeit, doch nachdem größere Vorkommen in Kanada gefunden wurden und sich die Glücksritter dorthin aufmachten, verlor die Kleinstadt zunehmend an Bedeutung. Die Menschen zogen weg. Die Folge waren zahlreiche Leerstände. DIe verbliebenen Bewohner hatten irgendwann die Idee, sich an den Staat Kalifornien zu wenden und einen State Park zu gründen, in dem die Originalschauplätze erhalten blieben, altes Handwerk vorgeführt wird und auch die Möglichkeit zum Goldschürfen besteht. Der Ort war als Zwischenstopp durchaus sehenswert. Danach ging es durch sehr eintönige und immer dichter besiedelte Landschaften in Richtung Bay Area, wo wir am Nachmittag ankamen. Bei der Unterkunft (Woodland Retreat, 185 €/Nacht) hatten wir absolut die richtige Wahl getroffen. Mitten in den Redwoods gelegen, luxuriös, ruhig – einfach toll!

Point Reyes und Muir Beach (151 km)
An diesem Morgen steuerten wir den Point Reyes National Seashore an. Zu unserer großen Überraschung entdeckten wir hier in der Nähe der Großstadt San Francisco mehr Wildlife als auf der ganzen Reise zuvor. Zunächst lief uns ein Kojote über den Weg. Wir waren überrascht, wie groß diese Tiere verglichen mit den afrikanischen Schakalen sind. Danach sahen wir eine Herde Hirsche vor der malerischen Pazifikküste. Auch der Blick vom Leuchtturm und die Zypressenallee waren fantastisch. Den Rest des Tages verbrachten wir am Muir Beach, wo besonders Till viel Spaß hatte. Das Wetter war übrigens so gut wie nur einmal in Jahren: kaum Nebel, dafür meist über 30 Grad – und damit wärmer als an den südlichen Küstenabschnitten.

Muir Woods und Stinson Beach (34 km)
Magische Wälder und ein vielfach als Filmkulisse verwendeter Traumstrand waren die Ziele am vorletzten kompletten Urlaubstag. In den Muir Woods wussten die uralten, gewaltigen Redwood Bäume und der grüne Bewuchs mit vielen Farnen zu beeindrucken. Je weiter der Vormittag voranschritt, desto mehr Betrieb herrschte dort jedoch. Deshalb gab es heute nochmal einen Mittagsschlaf, ehe es nachmittags an den Stinson Beach nördlich von Mill Valley ging.

Golden Gate Bridge und Sausalito (54 km)
Am letzten Tag packten wir unsere Siebensachen und wendeten uns zum Abschluss dem klassischen Touri-Programm zu. So klapperten wir auf der Suche nach dem perfekten Motiv zwei Golden-Gate-Bridge-Viewpoints ab. Außerdem gönnten wir uns das beste Essen der gesamten Reise im mehrfach ausgezeichneten Buckeye Roadhouse. Die Rippchen zergingen förmlich im Mund – besser kann man das nicht machen! Danach kauften wir ein paar letzte Dinge für die Rückreise, packten das Auto und legten uns halbwegs zeitig ins Bett.
Die Rückreise am nächsten Tag verlief weitgehend ereignislos. Zu unserem großen Glück. Denn beide Kinder waren unglaublich lieb und schliefen viel. Es gab nicht einmal wirklich Gequengel oder Geweine. Am Mittag waren wir wieder daheim und standen vor der großen Aufgabe, lange genug wachzubleiben, um den Jetlag nicht ausufern zu lassen. Das erste klappte, das zweite leider nicht. Denn wir brauchten mehr als eine Woche, um wieder durchzuschlafen. Das bewog uns dazu, so schnell nicht mehr über den großen Teich fliegen zu wollen, sondern uns wieder Afrika zuzuwenden.
Kosten
Die Gesamtkosten für die Reise waren immens und lagen höher als wir dachten. Für die Flüge zahlten wir 3.300 € (nonstop, inkl Gepäck und Sitzplatzreservierung). Die Unterkünfte lagen bei rund 4.500 €. Der Mietwagen, ein Ford Edge (Fullsize-SUV), gebucht über ADAC, schlug mit 1.375 € zu Buche. Zusätzlich zahlten wir 70 € für Tills Kindersitz. Hinzu kamen Eintrittsgebühren und der Nationalpark-Pass mit insgesamt 200 €, der Valet-Service am Flughafen Frankfurt mit 160 € und Kosten für Verpflegung, Ausstattung und Sprit vor Ort von etwa 2.000-2.500 €. Insgesamt kostete die Reise also fast 12.000 €.



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